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„Der Grund, warum Michael Phelps mehr Medaillen geholt hat, heißt Mark Spitz.“ Sagt Mark Spitz.

Mark Spitz

Der Schnurrbart im Wasser

Mark Spitz, der siebenfache Olympiasieger von München 1972, wird am Montag 70 Jahre alt.

Die enge Badehose an den Hüften, die sieben Goldmedaillen um den Hals – und natürlich der breite Schnäuzer im Gesicht: Dieses Bild von Mark Spitz bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München ist den Sportfans noch immer in Erinnerung. Bevor das Fest durch den Terroranschlag seine Unschuld verlor, hatte der US-Schwimmstar mit seiner Siegesserie im Becken das Publikum verzückt.

Am Montag feiert Spitz seinen 70. Geburtstag, der Bart ist längst ab. Dass er ihn bei den Sommerspielen überhaupt getragen hatte, war – typisch für den Kalifornier – nur ein Marketing-Gag. „Ich wollte das Teil eigentlich vor den Spielen von 1972 abrasieren“, sagte Spitz einmal, „aber als ich sah, wie sehr die paar Haare auf meiner Oberlippe die Menschen beschäftigten, ließ ich ihn dran.“

Von Phelps abgelöst

Mark Spitz wusste sich schon damals perfekt zu inszenieren und zu vermarkten. Unvergessen bleibt eine Siegerehrung in der Münchner Olympia-Schwimmhalle, bei der er – angeblich unbeabsichtigt – seinen Schuhsponsor präsentierte. Nach den Spielen, die er mit sieben Siegen und sieben Weltrekorden in sieben Rennen als absoluter Überflieger dominierte, nahm er Millionenverträge für Werbung an. Er verlor seinen Amateurstatus und musste seine Karriere beenden.

„Das war eine Frage des Timings, des Hypes, der wirtschaftlichen Cleverness und nicht zuletzt des Aussehens“, begründete Spitz: „Ich war ein Pionier. Niemand vor mir hat so viel Nutzen aus seinen olympischen Erfolgen gezogen wie ich.“

Sportlich aber hat sich die Entscheidung nicht gelohnt. Experten sind sich einig, dass „Mark the Shark“ 1976 in Montreal seine Bilanz von neun Olympiasiegen noch kräftig nach oben hätte schrauben können, zu dominant war der US-Amerikaner damals im Wasser unterwegs gewesen. So aber wurde er 2008 als Rekordhalter abgelöst. Michael Phelps feierte in Peking acht Olympiasiege und damit einen mehr als Spitz 1972 in München.

„Wenn ich der erste Mensch auf dem Mond war, dann ist Michael der erste Mensch auf dem Mars“, sagte Spitz zur Leistung des Nachfolgers. Und irgendwie habe er auch seinen Anteil an Phelps‘ Rekord, befand Spitz gewohnt selbstbewusst: „Der Grund, warum Michael Phelps mehr Medaillen geholt hat, heißt Mark Spitz. Er hatte sein Leben lang mich als Ziel. Meine Rekorde haben ihn gepusht, sie haben ihn zu dem gemacht, der er heute ist.“

Im Alter von 41 Jahren versuchte Spitz ein Comeback im Wasser, doch er scheiterte an der Qualifikation für Olympia 1992 in Barcelona. Auch aus seiner angestrebten Filmkarriere in Hollywood wurde nichts. Heute gibt Spitz Motivationskurse, für die er sich gut bezahlen lässt.

Unterhaltsam ist er allemal. Über sein Erfolgsrezept hat er einst gesagt: „Wenn ich schwimme, denke ich immer daran, dass am Ende des Beckens ein Mädchen auf mich wartet.“ Und als ihn ein russischer Trainer fragte, ob ihn der Schnauzbart im Wasser nicht langsamer mache, antwortete Spitz, „dass der Bart das Wasser ableitet und mich noch schneller macht“. Im Jahr darauf „trug jeder russische Schwimmer einen Schnurrbart“, erinnert sich Spitz lachend. (sid)

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