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Am 30. Mai spielte Osaka noch. am Tag darauf verabschiedete sie sich in einem offenen Brief von den French Open. m. Bureau/afp
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Am 30. Mai spielte Osaka noch. am Tag darauf verabschiedete sie sich in einem offenen Brief von den French Open. m. Bureau/afp

Depression

Schmerzhafte Einblicke

  • vonJörg Allmeroth
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Das Drama um Naomi Osaka offenbart auch die Erbarmungslosigkeit im Profitennis.

Es hätte genügend Gesprächsstoff gegeben an diesem ersten Turniermontag der French Open 2021: Das Grand-Slam-Comeback eines gewissen Roger Federer, die erste Nachtvorstellung der Roland-Garros-Geschichte mit der legendären Serena Williams. Aber es verblasste alles am Abend dieses 31. Mai, in jenem Moment, da Naomi Osaka ihren denkwürdigen Rückzug von diesem Major-Wettbewerb bekanntgab – die talentierteste, erfolgreichste Spielerin der neuen Tennisgeneration.

Es war ein paradoxes letztes Ausrufezeichen hinter einer Geschichte, die mit einem angedrohten Medienboykott Osakas begann. Die zwischenzeitlich fortgeführt wurde mit einer 15 000-Dollar-Strafe für Osaka, weil sie, wie angekündigt, ihre erste obligatorische Pressekonferenz ausließ. Die dann einen dramatischen ersten Moment erreichte, als ihr im Namen aller vier Grand-Slam-Turniere eine Disqualifikation angedroht wurde. Und die dann mit einem eindrucksvollen Statement endete, in dem die 23-jährige Japanerin schmerzhafte Einblicke in ihre angegriffene, labile Psyche zuließ. Seit 2018 kämpfe sie immer wieder mit längeren Phasen der Depression, erklärte die viermalige Grand-Slam-Gewinnerin, nun sei es am besten für das Turnier und sich selbst, „wenn ich mich zurückziehe, so dass sich jeder wieder auf das laufende Geschehen in Paris konzentrieren kann.“

Wann Osaka wieder auf einen Tennisplatz zurückkehren wird, war eine der offenen Fragen, die dieser bisher beispiellose Vorgang zurückließ. Allerdings erscheinen Auftritte in diesem Sommer, also auch in Berlin oder in Wimbledon, eher ungewiss. „Man wird ja nicht einfach wieder gesund, wenn man diese Probleme hat“, sagte Boris Becker, der einst schon als 17-jähriger in die große Tennismaschinerie geworfen worden war, „ich mache mir schon ein bisschen Sorgen um Naomi.“

Man müsse ihr nun „ausreichend Zeit“ geben, um Stabilität zu finden und gesund zu werden, erklärte die frühere Ausnahmespielerin Martina Navratilova: „Eins ist aber klar: Ihre Probleme gehen viel tiefer als es den Anschein hatte.“ Die Schwierigkeiten im Umgang mit den Medien seien offenbar nur ein Teil der Wahrheit, sagte Pam Shriver, die frühere Chefin der Spielerinnenvereinigung Women’s Tennis Association (WTA).

Natürlich erleben Tennisprofis genau so wie Berufssportler anderer Disziplinen unangenehme, bittere Momente, wenn sie sich den Medien stellen müssen. Wer würde sich nicht an Fälle wie von Jennifer Capriati oder Jelena Dokic erinnern. An Fälle von häuslicher Gewalt sogar, oft mit nicht so prominenten Namen. Hinzu kommt oft finanzieller Druck über Sponsoren, die Verträge an Erfolge koppeln. Und dann ist da auch noch die Tretmühle der Tour, das monatelange Herumhetzen über die Kontinente und Zeitzonen. Es ist ein Parforceritt, der viele Spieler:innen erst körperlich und dann auch psychisch krank macht. Viele scheitern an diesem System, gerade in Deutschland gab es zuletzt auch begabte Spielerinnen, die mit den extremen Herausforderungen nicht mehr klar kamen. Und die, ganz nebenbei, in den sozialen Medien als Versagerinnen beschimpft wurden.

Die Causa Naomi Osaka ist noch einmal diffiziler. Denn es gibt ja in der Öffentlichkeit durchaus zwei Gesichter dieser außergewöhnlichen Athletin. Zum einen ist da die prominent vermarktete und bestverdienende Sportlerin überhaupt, die seit Monaten auf den Titelblättern von Mode-, Sport- oder Gesellschaftsmagazinen posiert, die sich selbstbestimmt und couragiert zu Themen der Zeit äußert und im letzten Jahr auch eine prominente Stimme der Black-Lives-Matter-Bewegung war.

Zum anderen ist da das Gesicht einer jungen Frau, die eigentlich nur Tennis spielen will, sich im Scheinwerferlicht nicht wohlfühlt. In ihrer Botschaft am Montag ging die Japanerin auch auf diese sozialen Ängste ein. Auch an das traumatische Erlebnis von 2018 erinnerte sie, an den US-Open-Sieg gegen Serena Williams, der von den Wutausbrüchen ihrer Gegnerin überlagert war. Aufgelöst in Tränen, stand Osaka damals auf dem Siegerpodium, bei ihrem bis dahin größten Triumph. „Vor den French Open habe sie sich wieder ängstlich und verletzlich gefühlt, daher habe sie vorbeugend auf die für sie schwierigen Pressekonferenzen verzichten wollen. Das Timing und die Botschaft seien letzte Woche allerdings „nicht ideal und klar genug“ gewesen. Nicht klar genug auch für die Veranstalter der French Open und den Rest der Grand-Slam-Wettbewerbe, die Osaka bei mehr Transparenz und diskreter Kommunikation gewiss die harten Sanktionsdrohungen erspart hätten.

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