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Noch steht die Diagnose aus, bei Kevin Durant wird jedoch ein Achillessehnenriss befürchtet.

NBA

Schmerzen in der Seele

Die schlimme Verletzung von Superstar Kevin Durant überschattet das fünfte Spiel der NBA-Finals. Golden State verkürzt auf 2:3.

Auf Krücken humpelte Kevin Durant aus der Halle, der rechte Fuß eingepackt in einen dicken grauen Stützstiefel. Drinnen tobte noch das Spiel, doch der Superstar der Golden State Warriors machte sich schon lange vor dem Ende des fünftes NBA-Finales auf den Weg – in der Hoffnung, dass es die Teamkollegen auch ohne ihn bei den Toronto Raptors schaffen können. Sie konnten.

Durch einen dramatischen 106:105-Erfolg verkürzte der Meister auf 2:3 und wahrte in der Best-of-Seven-Serie seine Titelchance, über Basketball wurde am späteren Abend aber kaum noch geredet.

„Unsere Gefühle im Moment sind bizarr. Es ist ein unglaublicher Sieg und gleichzeitig ein schrecklicher Verlust“, sagte Warriors-Trainer Steve Kerr. Es wird befürchtet, dass sich Durant einen Achillessehnenriss zugezogen hat. Vielleicht, das ist nicht ganz unwahrscheinlich, läuft der 30-Jährige nie wieder für die Kalifornier auf. Durant war nach einer vierwöchigen Pause wegen hartnäckiger Wadenprobleme ins Aufgebot zurückgekehrt.

Der zehnmalige Allstar begann stark, er traf alle drei Dreier und machte im ersten Viertel elf Punkte, dann passierte es. Nach einem Zweikampf hockte sich Durant auf das Parkett und hatte augenscheinlich starke Schmerzen im rechten Unterschenkel. Gestützt von seinem Mannschaftskollegen Andre Iguodala ging es in die Kabine. Sofort war klar, dass das Spiel und die Finalserie für Durant damit zu Ende sind.

Genau deshalb kam den Fans der Raptors kurzzeitig die Fairness abhanden. Sie jubelten, als sie Durants Schwierigkeiten sahen, Toronto-Spielmacher Kyle Lowry forderte das Publikum sofort auf, es zu lassen – mit Erfolg. „KD, KD“, schallte es darauf von den Rängen, für Warriors-Center DeMarcus Cousins war damit nichts mehr zu retten. Die Zuschauer seien „Müll“, sagte Cousins und benutzte auch noch das F-Wort.

Durant hatte ganz andere Sorgen. „Das tut mir tief in der Seele weh, ich will nicht lügen“, schrieb der Pechvogel zu seinem Aus bei Instagram, blieb aber positiv. „Zu sehen, wie meine Brüder diesen Sieg holen, war wie ein Schuss Tequila“, so Durant, der zwingend notwendige Erfolg habe ihm „neues Leben“ eingehaucht.

Besonders nahm die Sache Bob Myers mit. Der General Manager der Warriors kämpfte mit den Tränen, als er über die Verletzung sprach. Die Entscheidung für das Comeback sei gemeinschaftlich gefallen, viele Experten und Ärzte hätten Durant während seiner Zwangspause untersucht. „Ich glaube nicht, dass jemand Schuld hat“, sagte Myers: „Aber ich kenne diese Welt und weiß, dass jemand Schuld haben muss. Also gebt sie mir.“

Mitgefühl beim Gegner

Die Spieler der Raptors, die ihren ersten Matchball auf dem Weg zum ersten NBA-Titelgewinn eines kanadischen Teams vergaben, zeigten Mitgefühl. „In dieser Liga sind wir alle Brüder“, betonte Lowry, „du willst nicht, dass ein Wettkämpfer wie er zu Boden geht.“ In der Nacht zu Freitag steht Spiel sechs an, die Warriors treten ein letztes Mal in Oakland an. Zur nächsten Saison kehrt der Klub in seine alte Heimat San Francisco zurück. Ob Durant auch dorthin umzieht, ist unklar, er kann im Sommer aus seinem Vertrag aussteigen. Interessanter macht ihn die Verletzung für die Konkurrenz natürlich nicht. (sid)

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