Gregor Schlierenzauer.
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Gregor Schlierenzauer.

Vierschanzentournee

Im Schatten des Genies

Beim Sieg des Österreichers Gregor Schlierenzauer in Innsbruck zeigen sich auch die deutschen Skispringer leicht verbessert. Der Vorjahresdritte Martin Schmitt schaffte es in Innsbruck nicht einmal in den zweiten Durchgang. Von Stephan Klemm

Von Stephan Klemm

Gregor Schlierenzauer, blaue Pudelmütze, gelb-grüner Springeranzug, befreites Lächeln, steht auf dem Gipfel. Zumindest jubelt er an diesem Sonntag ganz oben auf dem Auslaufhügel der Innsbrucker Skisprungschanze, er reckt die Arme in die Luft und erhält Ovationen in kaum noch messbarer Lautstärke. Dann wird die Nationalhymne gespielt, die Augen werden feucht, Tränen laufen - ein emotionaler Krönungsakt für Österreichs neuen Sportstar.

Schlierenzauer hat das dritte Springen der 58. Vierschanzentournee gewonnen. Bestweiten in beiden Durchgängen - 130 und 122 Meter - reichten klar für seinen ersten Erfolg auf seiner Heimschanze am Bergisel. "Ich freue mich brutal. Es ist wunderbar, hier gewonnen zu haben. Das war mein Kindheitstraum", erzählt der Österreicher. Die Frage für die nahe und ferne Zukunft lautet nun: Wo endet der Siegeszug des schon jetzt, mit 19 Jahren, so dominanten und überragenden Tirolers? "Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich in Bischofshofen wieder angreifen werde", sagt Schlierenzauer. Im Salzburger Land findet am Mittwoch (16:30 Uhr/live in der ARD) der letzte Teil der Springer-Tournee statt.

In Schlierenzauers Schatten zeigten sich auch die deutschen Springer leicht formverbessert, zumindest in der Spitze. Platz acht belegte am Sonntag Pascal Bodmer, das ist sein bisher bestes Tournee-Resultat, in der Gesamtwertung schob sich der Schwabe nun auf Position acht vor. Das bestätigt den derzeitigen Status des seit heute 19-Jährigen: Er ist Deutschlands zurzeit bester Skispringer. Und der einzige, der mit der Weltspitze mithalten kann.

Im Gesamtklassement nimmt die Spannung zu. Es führt weiterhin der Österreicher Andreas Kofler, doch Schlierenzauer holt deutlich auf und verbesserte sich mit seinem zweiten Sieg von Rang fünf auf Platz zwei. Die beiden Teamkollegen trennen lediglich noch 14,6 Punkte. Vor dem gestrigen Wettkampf waren es noch 31,6. Die Großschanze in Bischofshofen lässt durchaus große Weiten, also auch hohe Punktzahlen zu. "Ich bin wieder sehr stark im Rennen", sagt Schlierenzauer.

Bodmer wiederum gibt sich ebenfalls sehr zufrieden: "Ich wollte ein Top-Ten-Ergebnis bei dieser Serie erreichen, das habe ich nun. Wenn ich noch ein paar Fehler abstellen kann, traue ich mir auch einen Sprung unter die ersten Sechs zu."

Hinter Bodmer platzierte sich Michael Uhrmann als zweitbester Deutscher auf Rang zwölf, auch der Bayer erreichte am Bergisel sein bislang bestes Resultat dieser Tournee. "Damit bin ich absolut zufrieden. Ich musste sehr kämpfen, denn es waren schwere Bedingungen", sagt Uhrmann.

Das Springen wurde geprägt von starkem Rückenwind am Schanzentisch, es entwickelte sich ein zäher Wettkampf, der wieder einmal vor allem den deutschen Springern zu schaffen machte: Neben Bodmer und Uhrmann erreichte nur noch Richard Freitag (18) das Finale, in dem er schließlich Rang 30 belegte. Ausgeschieden waren frühzeitig: Michael Neumayer und Maximilian Mechler als punktgleiche 32., Martin Schmitt auf Platz 34 und Andreas Wank, der gestern den 50. und letzten Platz belegte.

Zweiter Erfolg eines Tirolers

Der Jubel um Schlierenzauer dauerte auch noch eine Viertelstunde nach dem letzten Sprung an. Zu feiern gab es ja auch eine Rarität: Schlierenzauer gelang erst der zweite Sieg eines Tirolers auf Tirols größter Skischanze nach dem Triumph von Andreas Widhölzl im Jahre 2000. Doch das ist lediglich etwas für die private Statistik, viel mehr dürfte die Skisprungwelt die Einschätzung des ehemaligen österreichischen Weltmeisters Andreas Felder interessieren. Er sagt: "Gregor Schlierenzauer kann zum erfolgreichsten Skispringer aller Zeiten werden." Sein Nationaltrainer Alexander Pointner will das gar nicht abstreiten: "Gregor ist ein Genius in der Luft. Wir sind froh, dass wir ihn haben."

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