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Der totale Frust: Felix Loch  muss von Vater Norbert getröstet werden.
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Der totale Frust: Felix Loch muss von Vater Norbert getröstet werden.

Johannes Ludwig

Die Scharfrichter-Kurve

  • VonBenedikt Paetzholdt
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Felix Loch strauchelt auf dem Weg zu Gold. Teamkollege Johannes Ludwig fährt auf Rang drei.

Norbert Loch war gestern vor allem als Vater gefragt, weniger als Rodel-Bundestrainer. Minutenlang kniete er im Auslauf der olympischen Bob- und Rodelbahn, in seinen Armen vergraben lag der Kopf seines Sohnes Felix, der die meisten Tränen noch unter seinem Helm vergoss. Als er sich von seinem Helm befreit hatte, um die bitterkalte Luft von Alpensia einzuatmen, wirkte er fassungslos und zerbrechlich wie noch nie, seitdem er vor knapp zehn Jahren zum Regenten des Rodelsports aufgestiegen war. Loch senior sagte: „Felix hätte seinen Vorsprung nur runter fahren müssen. Das hat er nicht geschafft. Da kann man wenig Trost spenden, sondern steht dem Sportler einfach zur Seite.“

Es war nur ein kurzer Moment, in dem der 28 Jahre alte Berchtesgadener von der Ideallinie abkam, auf der sein Hightech-Schlitten drei Rennen lang wie auf Schienen zu laufen schien. Den dritten Lauf hatte Loch Senior derart euphorisch beklatscht, dass man der Überzeugung sein musste, dass die dritte Einzelgoldmedaille nach 2010 und 2014 nur Formsache ist. Eine kleine Korrektur wirkt beim Rodeln aber wie eine brutale Bremse, die zwei Zehntel Vorsprung verwandelten sich innerhalb weniger Sekunden in fast drei Zehntel Rückstand. Er fiel von Rang eins auf fünf. „Ich hatte hier drei super Läufe und einen Scheißlauf“, sagte Loch, „es ist unglaublich bitter.“

Für ihn hätte der Auslauf doppelt so lange sein können. Er wollte bloß weg von den feiernden Horden. Den Österreichern, die dank Überraschungsmann David Gleirscher in Goldekstase waren. Die US-Amerikaner jubelten über Chris Mazdzers Silber. Nur die Deutschen registrierten erst mal gar nicht, dass sie trotz des Loch-Schocks eine Medaille gewonnen hatten. Johannes Ludwig fuhr auf Rang drei. „Saugeil, Lüdi“, rief Teamkollege Andi Langenhan, der auf Rang zehn ins Ziel kam. 

Kurve neun stürzt Loch von seinem Thron

Kurve neun, ausgerechnet dieses tückische Biest von dem alle seit Wochen sprechen, das Loch bis zu diesem Zeitpunkt aber bezwungen zu haben schien, stürzte Loch von seinem Dominatoren-Thron. Als er vor den Winterspielen gefragt wurde, ob ihm diese Schikane manchmal Alpträume bereitet, lächelte er und sagte: „Das haben wir oft trainiert, das bereitet mir keine schlaflosen Nächte.“ In den kommenden Tagen dürfte er manchen schlechten Gedanken bekommen. „Kurve neun ist auf dieser Bahn der Scharfrichter“, sagte Technik-Bundestrainer und Lochs Mentor Georg Hackl.

Der bleibt nun erstmal der einzige deutsche Rodler mit drei Olympia-Goldmedaillen im Einzel. Jetzt bleibt für Loch immerhin noch die Chance im Teamwettbewerb, wo Deutschland klarer Goldfavorit ist. So käme er trotzdem auf Olympiatriumph Nummer vier. Dafür muss er Kurve neun aber noch mal in den Griff bekommen. 

Nach den bisherigen Auftritten auf der olympischen Bahn überraschte dieser Patzer natürlich schon. Wer die ganze Saison mit ihren Hochs und Tief betrachtet, wundert sich nicht mehr ganz so sehr. Häufig hatte Loch nur einen stabilen Lauf, schwächelte im Zweiten. Auf der Heimbahn in Königssee hatte er sich mit einem eklatanten Fahrfehler schon mal von Rang eins auf Platz elf zurückkatapultiert. Loch vermittelte aber stets den Eindruck, dass er Herr der Lage sein wird, wenn der Ernstfall, also Olympia eintritt. „Ich war mir absolut sicher, dass er das macht“, sagte Hackl. Doch der Eindruck täuschte. Die geplante Weißbiersause im Kufenstüberl des Deutschen Hauses fällt somit vorerst aus, zumindest für Loch.

Johannes Ludwig aus Suhl dürfte hingegen seine Abendplanung dramatisch verändert haben. Als Fünfter ging der 31-Jährige, der stets im Schatten Lochs stand, an den Start. Als der Italiener Kevin Fischnaller hinter ihm blieb, keimte zwar Hoffnung auf ein Wunder, doch als Gleirscher und Mazdzer ihre Läufe sicher zur Talstation gebracht hatten und nur noch Loch oben saß, waren die Hoffnungen eigentlich beerdigt. „Es war ein Wechselbad der Gefühle, natürlich tut es mir leid für den Felix. Vielleicht freut er sich ja auch für mich“ sagte Ludwig. In den bitteren Momenten der Niederlage hatte Loch aber zunächst mal andere Sorgen.

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