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Schalthebel für eine langes Leben

An einem kleinen Wurm studiert der Freiburger Biologe Ralf Baumeister, welche Gene die Lebenserwartung steuern / Insulin ist ein Schlüsselhormon

Von KARIN BUNDSCHUH

Seine Lebenserwartung beträgt ganze 20 Tage. Er ist klein wie ein Komma und besteht aus nur 959 Zellen. Caenorhabditis elegans, so der komplizierte Name des simplen Fadenwurms, ist eine gänzlich andere Erscheinung als der Homo sapiens, der - zumindest in Deutschland - auf rund 80 Lebensjahre hoffen darf.

Trotzdem rühmen die Alternsforscher den kleinen Nematoden als ihren wichtigsten Modellorganismus. An ihm studieren sie besonders gerne den Prozess des Alterns. "Es gibt erstaunlich viele Gemeinsamkeiten von Mensch und Wurm", sagt Professor Ralf Baumeister von der Universität Freiburg. "Inzwischen wissen wir, dass der Mensch mehr als die Hälfte aller Gene mit dem Wurm gemeinsam hat." Außerdem sind fast alle Mechanismen und Wege, die beim Menschen zu Krankheiten führen, auch in dem Nematoden angelegt. Der Hauptvorteil von C. elegans aber ist, dass sein Erbgut sehr einfach zu manipulieren ist. "In 20 000 parallel geführten Experimenten können wir uns genau anschauen, welches Gen was verändert", schwärmt der Freiburger Biologe.

Bereits in den 30er Jahren hatten Forscher an Ratten beobachtet, dass eine strenge Diät die Tiere länger leben lässt. Eine zentrale Rolle beim Altern spielen das Hormon Insulin und sein Rezeptor. Cynthia Kenyon hatte 1993 in San Francisco als erste gezeigt, dass Veränderungen des Insulinrezeptors die Lebenszeit von C. elegans verdoppeln. Baumeister selbst fand ein "Altersgen", das, wie sich zeigte, über Insulin gesteuert wird. Mit molekularbiologischen Kniffen veränderten die Freiburger das Erbgutstück, so dass es seine Insulinempfindlichkeit verlor und der Wurm plötzlich stolze 40, in Kombination mit einer anderen Mutation sogar 80 Tage lebte.

Insulin sorgt dafür, dass Zucker aus dem Blut in die Zellen hineingeschafft wird und dort in Energie umgesetzt werden kann. Bei diesem Prozess entstehen auch Stoffe, die dem Organismus schaden: aggressive Sauerstoffmoleküle, sogenannte freie Radikale. "Diese Nebenprodukte des Energiestoffwechsels kann man mit Auspuffgasen vergleichen. Sie stören die Aktivität und das Überleben der Zellen", beschreibt Baumeister das ungesunde Treiben im Körper. Nun hat das Freiburger Team in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern von der Harvard Medical School einen zweiten insulingesteuerten Schalter gefunden.

Er kontrolliert ein ganzes genetisches Netzwerk, das Zellen vor den eigenen "Auspuffgasen" schützen und damit das Leben verlängern kann. Die Wissenschaftler suchen nun nach chemischen Substanzen, die unser Reparaturprogramm auch in der zweiten Lebenshälfte in Gang halten. Als heißer Kandidat wird das im Rotwein vorkommende Resveratrol gehandelt. Erste Versuche mit chemisch abgewandelten Wirkstoffen laufen bereits.

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