1. Startseite
  2. Sport
  3. Sport A-Z

Schalker Abstieg

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Daniel Theweleit

Kommentare

Die Demontage von Madrid zeigt, dass die Knappen international nicht mithalten können.

Eine heiße Spätsommernacht hatte sich über das leuchtend schöne Madrid gelegt, als die Herren Josef Schnusenberg und Peter Peters mit finsteren Blicken und schmalen Lippen durch die Gänge des Estadio Vicente Calderon schritten. Es hatte ihnen die Sprache verschlagen, die Bitten der Journalisten um ein paar analysierende Sätze erwiderten sie wortlos.

Ein kurzes Kopfschütteln, das musste reichen. Der Präsident und der Geschäftführer von Schalke 04 haben ein Stück von ihrem Stolz verloren an diesem Abend. Mit 4:0 (1:0) war ihre Fußballmannschaft von Atlético Madrid abgefertigt worden, die Herren werden in dieser Saison ohne die reizvollen Begegnungen mit Europas Edelklubs auskommen müssen.

Aber darin begründet sich wohl nur ein Teil ihrer Depression. "Dieses Spiel gegen diesen Gegner ist einfach zu früh gekommen für uns", sagte Trainer Fred Rutten, und dieses zu früh gekommene Spiel reichte, um die Zukunft dieser Schalker Mannschaft in einem grundlegend neuen Licht erscheinen zu lassen.

Qualitätsdebatte kommt

Denn im kommenden Winter werden sie nicht als gefeierter und weltweit präsenter Champions-League-Teilnehmer nach Verstärkungen fahnden, sondern, wenn die Dinge halbwegs gut laufen, als Uefa-Cup-Teilnehmer. Außerdem fließen 15 bis 20 Millionen Euro weniger in die Klubkasse, und nicht zuletzt gehen den Profis wertvolle Erfahrungen verloren. Wie ein Tornado hat diese Nacht von Madrid eine Schneise der Zerstörung in den Schalker Plänen hinterlassen. Trost gab es nicht.

Sie mussten einfach anerkennen, dass sie an einem Gegner gescheitert sind, der ihnen hoch überlegen war. Atlético, ein Klub, der im Sommer rund 80 Millionen Euro in neue Spieler investierte, hatte schlicht die reifere, die leidenschaftlichere und die willensstärkere Mannschaft in das große Spiel geschickt.

Der fantastische Stürmer Sergio Aguero, ein 20-jähriger Argentinier, der demnächst die Tochter von Diego Maradona heiraten wird, war für die Schalker Defensive ebenso wenig greifbar wie der Uruguayer Diego Forlan. Und die Verteidigung der Spanier, die verwundbar ist, blieb über weite Strecken unbeschäftigt, weil der Bundesligist keinen guten Stürmer auf dem Feld hatte.

Vor allem die Offensivabteilung war an diesem Abend erschreckend schwach. Ivan Rakitic blieb blass, Halil Altintop war ohne Bindung zum Spiel und der technisch limitierte Kevin Kuranyi war nicht zum ersten Mal überfordert mit dem Tempo und der Enge der Räume auf diesem Niveau.

Dem 26-Jährigen fehlen Schusstechnik, Sprintstärke und die Fähigkeit, Eins-gegen-Eins-Duelle zu gewinnen. Das sind einfach zu viele Defizite für einen international ambitionierten Stürmer. "Wir haben gegen eine bessere Mannschaft verloren", sagte der desillusionierte Kapitän Marcelo Bordon, der ebenfalls einen rabenschwarzen Tag erwischte.

Auf Schalke könnte sich angesichts der vielen Mängel in den kommenden Wochen eine Qualitätsdebatte ergeben. "In großen Spielen muss man auswärts ein Tor machen", erklärte Rutten; die einzigen Schalker Chancen vergaben beim Stande von 2:0 der Verteidiger Westermann und der Mittelfeldspieler Ernst.

Das war symptomatisch. Nun wird in Gelsenkirchen eifrig gehofft, dass die Stärke dieses Kaders wenigstens für eine erfolgreiche Saison im Uefa-Cup ausreichen wird, allerdings warten dort ganz neue Widrigkeiten. Die verwöhnten Schalker müssen sich einlassen auf eine Veranstaltung, die in der Regel erst am Saisonende richtig aufregend wird.

Das Beispiel Bayern München aus dem vergangenen Jahr hat gezeigt, wie kompliziert das sein kann. "Der Uefa-Cup ist nicht der Wettbewerb, wo wir hinwollten, es fällt mir jetzt schwer, daran zu denken", sagte Christian Pander. Zunächst einmal fühlt sich die Versetzung an wie ein Abstieg. "Von der Psyche her ist das schwer zu verarbeiten", meinte Fred Rutten.

Um in die Uefa-Cup-Gruppenphase zu kommen, muss Schalke erneut eine K.o.-Runde mit Hin- und Rückspiel überstehen. Da geht es ans Eingemachte: Denn im Gegensatz zu den Einnahmen aus der Königsklasse sind die Uefa-Cup-Gelder fest eingeplant im Etat. Des einen Leid, der anderen Freud: Das Schalker Aus beschert Bayern München und Werder Bremen einen warmen Regen. Aus dem Markt-Pool der Uefa dürften unter dem Strich zwischen fünf und zehn Millionen Euro zusätzlich fließen. Geld, das eigentlich für S 04 vorgesehen war.

Auch interessant

Kommentare