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Klaas-Jan Huntelaar ist mit seinen bisher 16 erzielten Toren der Garant für den Schalker Höhenflug.

S04 besiegt Köln

Schalke bleibt resistent gegen die Krise

Der FC Schalke 04 entpuppt sich als Titelanwärter, doch die Knappen haben aus der Vergangenheit gelernt und geben sich bescheiden. Der BVB-Hype und eigene Schwächephasen wie die erste Halbzeit beim Sieg in Köln sind hilfreich.

Von Daniel Theweleit

Während der vergangenen Wochen ist immer mal wieder der Name Michael Schumacher aufgetaucht, wenn es um die Zukunft des 1. FC Köln ging. Einige Zeitungen sinnierten darüber, ob der Rennfahrer geeignet sei, das vakante Präsidentenamt des rheinischen Fußballklubs zu übernehmen. Beim klaren 1:4 der Kölner gegen Schalke 04 ließ Schumacher sich tatsächlich mal wieder leibhaftig bei seinem Lieblingsverein blicken.

Der Formel-1-Star sah ein desillusionierendes Fußballspiel, plauderte nach dem Abpfiff in den Katakomben der Arena mit Lukas Podolski und verschwand schnell in der Nacht. Offenbar glaubte Schumacher, genug gesehen und gehört zu haben. Er verpasste das sehenswerte Schauspiel, das die Schalker nach ihrem fünften Sieg in Folge aufführten. Ein Lehrstück über die Kunst des Understatement.

Schalke will Underdog bleiben

Der Revierklub steht punktgleich mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund ganz oben in der Tabelle, doch Huub Stevens wollte noch nicht einmal der Behauptung zustimmen, dass Schalke eine Spitzenmannschaft sei. Dieser 4:1-Sieg in Köln erlaubt in den Augen des Trainers nur eine Schlussfolgerung: „Wir haben jetzt 40 Punkte, und ich glaube, mit 40 Punkten kann man nicht mehr absteigen. Von da heraus bin ich sehr zufrieden.“

Der soeben vor dem Abstieg gerettete Traditionsverein klammert sich mal wieder an die Rolle des Underdogs, man kennt diesen Reflex im Pott. Die Favoritenbürde ist den Schalkern noch nie gut bekommen.

Doch so entspannt und überzeugend wie im Augenblick haben sich die Schalker noch nie in die Außenseiterrolle hineingeredet. „Die anderen sind besser“, sagte Stevens. Und Manager Horst Heldt ergänzte, Dortmunds Sieg gegen Hoffenheim sei ja „ein Erguss gewesen, den habe ich bei uns nicht gesehen“.

Marica wird in Köln zum S04-Helden

Schalke hatte in der Tat eine ganz schwache erste Hälfte gespielt, lag nach einem Podolski-Treffer (4.), mit 0:1 zurück, ließ große Chancen zu einem zweiten Kölner Treffer zu, und am Ende wirkten sie fast froh, dass sie dieses Argument hatten, um sich kleinzureden. „Wir sind kein Spitzenteam, aber wir sind eine echte Mannschaft“, sagte Christoph Metzelder.

So groß die Zweifel am ersten Teil dieser Behauptung auch sein mögen, der zweite Teil stimmt ganz sicher. Denn Schalke leidet seit Wochen unter dem Ausfall zahlreicher Stammspieler. Holtby, Farfan, Höwedes, Fährmann, Raul, Jones und Baumjohann standen vor ihren Verletzungen oder Sperren jeweils in der Startelf, in Köln mussten sie alle ersetzt werden.

Doch der erstaunlich tiefe Schalker Kader vermag alle diese Ausfälle zu kompensiert. In Köln ist Ergänzungsspieler Ciprian Marica zum Helden geworden.

Der Rumäne hat bislang in dieser Saison so gut wie keine Rolle gespielt, ein Bundesligatreffer war ihm für Schalke zuvor nicht gelungen, nun hat er einen 0:1 Rückstand mit zwei Toren in eine 2:1-Führung verwandelt (60. 72.). „Auch er war in der ersten Halbzeit schlecht“, knurrte Stevens zwar, doch Maricas Haltung und sein Engagement trotz seiner Rolle als Ersatzspieler stehen beispielhaft für die Entschlossenheit dieser Schalker.

Klaas-Jan Huntelaar hatte ebenfalls eine furchtbar schwache erste Hälfte gespielt, war dann aber an allen Toren beteiligt.

S04 und die Fähigkeit zur Krisenresistenz

Das 3:1 erzielte er per Foulelfmeter selbst (Kölns Miso Brecko war nach einer Notbremse auch noch vom Platz geflogen). Marco Höger, eigentlich ein Außenbahnspieler, gab wie schon eine Woche zuvor einen souveränen Sechser und erzielte das 4:1 (82.). Innenverteidiger Christoph Metzelder erlaubte sich diverse grobe Fehler, biss sich dann aber in die Partie hinein, und Marica fand die passenden Worte zur Charakterisierung der Schalker: „Wir haben gezeigt, welchen Willen, welche Kraft, welchen Charakter und welche Qualität, diese Mannschaft hat.“

Vielleicht hat diese Fähigkeit zur Krisenresistenz mit dem Rücktritt des erschöpften Trainers Ralf Rangnick zu tun. Seither hat die Mannschaft jedenfalls 31 von 39 möglichen Punkten geholt. „Was kann Schalke noch umwerfen?“ wurde Heldt irgendwann gefragt, und der Manager erwiderte ohne zu zögern: „Eine Meisterdiskussion!“

Doch so lange Dortmund so brillant spielt wie im Moment und Schalke geschickt Katastrophenhalbzeiten einstreut wie jene ersten 45 Minuten in Köln, dürfen die Gelsenkirchener sich getrost als Underdog inszenieren.

Schaden kann das nicht, denn „wenn es kommt, dann kommt es sowieso“, sagte Stevens. Und mit „es“ meint er sicher nicht Michael Schumachers Wahl zum nächsten FC-Präsidenten.

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