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In der Szene durchaus anerkannt und beliebt: Thomas Schaaf
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In der Szene durchaus anerkannt und beliebt: Thomas Schaaf

Doppeltes Dienstjubiläum

Schaaf will keine Geschenke

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Thomas Schaaf ist es nur recht, dass sein Geburtstag und sein Dienstjubiläum vom Nordderby überlagert werden. Schon jetzt sagt er zum womöglich doppelten Feiertag: "Mir völlig egal." Von Frank Hellmann

Man könnte sich das für den heutigen Abend ja mal so ausmalen. Im Weserstadion spielen die kraftstrotzenden Kicker von Werder Bremen die schlappen Profis des Hamburger SV an die Wand. Gewinnen das Halbfinal-Hinspiel des Uefa-Cups. Dem würde sich unweigerlich die Frage an den Trainer anschließen, ob sich Thomas Schaaf genau das an seinem 48. Geburtstag gewünscht hätte. Ein genervter Blick wäre die Antwort. Schon jetzt sagt Schaaf zum womöglich doppelten Feiertag: "Mir völlig egal."

Geschenke hat dieser Mann nie gebraucht. Nicht im richtigen Leben; nicht in seiner Daueranstellung bei Werder Bremen - einem Verein, den der gebürtige Mannheimer (mit seiner Mutter Tilly bevorzugt er die Kurpfälzer Mundart) seit bald 37 Jahren angehörig ist.

Als Jugend-, Amateur- und Bundesligaspieler; als Jugend-, Amateur- und Bundesligatrainer. Am 9. Mai, zwei Tage nach dem Europapokal-Rückspiel, einen Tag vor dem letzten von vier HSV-Duellen, dann in der Liga, feiert Schaaf sein zehnjähriges Dienstjubiläum als Chefcoach.

Vertrauensbruch unverzeihlich

Im Grunde ist es ihm nur recht, dass das Ereignis vom Nordderby überlagert wird. Alle Interviewanfragen konnte er locker abblocken - am Montag gab es eine Pressekonferenz, von der Schaafs Aussagen medial allesamt erst ab Samstag verbreitet werden dürfen. An der Weser hält man sich an solche Abmachungen. Auch weil Schaaf selbst solch einen Vertrauensbruch nicht verzeihen würde.

Seine Grundwerte sind Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit; der Fixpunkt seines Lebens sind nicht das Weserstadion und Werder. Sondern ein Flachdachbungalow in Brinkum, einem Vorort auf niedersächsischem Terrain. Felder und Wiesen zum Radfahren sind nur einen Steinwurf entfernt. "Thomas liebt hier seine Mädels über alles", hat sein langjähriger Mitspieler Dieter Eilts einmal gesagt.

Seine Mädels sind Ehefrau Astrid, die Schaaf einst im Sport-Leistungskurs kennenlernte, und Tochter Valeska, die als Hobby Korbball spielt. Auch am 9. Mai 2004, am Tag nachdem die Bremer in München gerade deutscher Meister geworden waren, schaute ihr Vater zu. Als Jedermann in Jeansjacke. Wenn allerdings Europapokalspiele anstehen, dann wirft sich auch Thomas S. in Schale.

Gefühlsregungen kontrolliert

In Hamburg, vor acht Tagen beim DFB-Pokalhalbfinale, ist er im Trainingsanzug zum Derwisch geworden. David Jarolim hatte Mesut Özil, einen seiner Lieblingsschüler, rüde über den Haufen gerannt, worauf Bremens Trainer noch vor dem Hamburger Gegenspieler rot sah.

Solche Gefühlsregungen sind selten bei ihm. Hinter einem neuerdings üppigen Bart bevorzugt er für die Öffentlichkeit die spröde Maskerade. Seine Lieblingsfloskeln sind "Dinge umsetzen" oder "etwas anbieten". Manche brandmarken ihn als maulfaul, aber auch das trifft sein Wesen nicht wirklich. Mit Überzeugung, Glaubwürdigkeit und Vertrauen, Authentizität und Kontinuität arbeitet nur, wer ständig kommuniziert.

Schaaf kann stur sein. Und nachtragend. Als ihm in dieser Werder-Saison ohne Konstanz vorgehalten wurde, es könnten ja Abnutzungserscheinungen aufgetreten sein, fuhr er aus der Haut. Öfter als früher verweist er auf die Errungenschaften seiner Amtszeit. Die Konkurrenz spricht fast nur hochachtend von ihm.

Bloß kein Rehhagel-Vergleich

"Ich kenne Schaaf gut. Er ist ein Vorbild für viele junge Trainer - fast wie Otto Rehhagel", hat HSV-Coach Martin Jol jüngst geäußert, wohl unwissend, dass Schaaf darauf immer gleich gereizt reagiert.

"Diesen Vergleich kann man und sollte man nicht machen. Otto hat in Bremen 14 Jahre hervorragende Arbeit geleistet. Jetzt versuche ich, mich hier einzubringen."

Noch so ein Satz, der typisch ist für ihn. Es gibt noch Fußballlehrer, die sich unwichtiger nehmen, als sie in Wirklichkeit sind.

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