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Jubelt künftig für Schalke: Franco Di Santo.

Werder Bremen

Di Santos Abgang Richtung Schalke

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Franco Di Santo kehrt dem SV Werder Bremen doch noch den Rücken und verabschiedet sich Richtung Schalke 04.

Solche Motive müssen ja die Emotionen befeuern. Saskia Rave, ein junges Mädchen, erhielt am „Tag der Fans“ beim SV Werder Zugang zum Mannschaftsbus. Sie stzte sich auf den Platz neben dem Namensschild von Franco Di Santo und blickte traurig den Fotografen an. Die 15-Jährige war am Samstag im Trikot ihres Lieblingsspielers auf das von großen und kleinen Werder-Anhängern geflutete Areal am Osterdeich gekommen, um eine Unterschrift von ihrem Idol zu ergattern. Sie hatte sich das Jersey mit der Nummer neun erst zur Konfirmation gewünscht, nachdem sie zuvor das von Davie Selke getragen hatte. „Offenbar habe ich es nicht so mit den Spielern“, meinte die Schülerin, „wenn ich die gut finde, wechseln die schon den Verein.“ Bremens Sturmduo der vergangenen Saison ist schneller Geschichte, als jeder gedacht hatte.

Die personelle Hiobsbotschaft – der 26-Jährige konnte wegen einer bislang unbekannten Ausstiegsklausel für sechs Millionen Euro Ablöse zum FC Schalke 04 wechseln – verkündete der Verein zur Mittagszeit. Kurz danach ging auf die Besucher am Weserstadion sodann auch noch ein gewaltiger Wolkenbruch nieder, damit sich wirklich ein jeder wie ein begossener Pudel fühlte. Sportliche Leitung inklusive.

Eichin "alles andere als begeistert"

Geschäftsführer Thomas Eichin, der offenbar bei der ablösefreien Verpflichtung des bei Wigan Athletic ausgemusterten Angreifers vor zwei Jahren die Kröte schlucken musste, gestaffelte Ausstiegsklauseln zu akzeptieren, machte aus seiner Verärgerung gar keinen Hehl. „Es war vereinbart, dass uns frühzeitig signalisiert wird, ob er bleiben möchte oder nicht. Jetzt ist alles sehr, sehr kurzfristig. Von diesem Verhalten bin ich alles andere als begeistert.“

Di Santo (49 Bundesligaspiele/17 Tore) hatte sich noch vor dem Saisoneröffnungsspiel gegen den FC Sevilla (3:1) aus dem Staub gemacht: Findige Zeitzeugen dokumentierten seine Abfahrt vom Vereinsgelände im weißen Dienstwagen bereits um kurz nach elf Uhr – seinen Beratern muss irgendwann gedämmert haben, dass diese Art von Abgang nicht so gut ankam.

Am Samstagabend veröffentlichte der Argentinier eine Art Abschiedsbrief. Er erwarte nicht, vollkommen verstanden zu werden, hieß es darin. Und: „Im Leben muss man ab und zu Entscheidungen treffen, die uns schwer fallen, und nun musste ich es tun, da es ein weiterer Schritt in meiner Karriere ist“, erklärte Di Santo, der indes noch Anfang des Monats davon fabuliert hatte, er wolle seinen Vertrag verlängern und müsse nicht weiterziehen, um woanders vier Millionen Euro Jahresgehalt zu kassieren. Derlei Lippenbekenntnisse hätte er besser unterlassen. Zum Wochenende hin hatte Werder offenbar ein Salär von drei Millionen offeriert – da verhandelte der Spieler aber längst mit Schalke, wo der Vier-Jahres-Vertrag noch besser dotiert sein dürfte.

Pikante Paarung zum Auftakt

Dass Profis flugs grün-weiße gegen königsblaue Kluft tauschen, hat es immer wieder gegeben. Speziell als Rudi Assauer noch im Westen sein Tagwerk verrichtete und seine alten Verbindungen in den Norden nutzte, wechselten etliche Stars: Auch bei Frank Rost, Ailton, Mladen Krstajic oder Fabian Ernst schwappten an der Weser bisweilen die Emotionen hoch. Dass der Bundesliga-Spielplan in zwei Wochen ein Aufeinandertreffen zwischen Werder und Schalke zum Auftakt vorsieht, darf jetzt als pikante Konstellation gewertet werden.

Immerhin: In Gelsenkirchen wird der universell begabte und meist gut gelaunte 1,93-Meter-Mann – technisch versiert, beidfüßiger Abschluss, kopfballstark – mit offenen Armen empfangen. „Er ist genau der Spielertyp, den wir für den Angriff gesucht haben“, teilte Sportchef Horst Heldt mit, der mit dieser Neuerwerbung nicht viel falsch machen kann. Nach dem Medizincheck reiste Di Santo gleich mit in ein Kurztrainingslager, schon heute beim Test gegen den FC Porto ist ein Einsatz für einen „emotionalen Traditionsverein“ (Heldt) möglich. An eine neue Rückennummer muss sich Di Santo übrigens nicht gewöhnen: Er bekommt jene Nummer neun, die bei seinem neuen Arbeitgeber bislang der aussortierte Kevin-Prince Boateng trug.

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