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Sein Blick sagt bereits alles: Waldemar Schanz hat am 17.08.2004 in Athen die erste Olympia-Medaille für die deutschen Schützen seit den Spielen 1996 in Atlanta verfehlt. Der Wiesbadener belegte im Doppeltrap-Schießen den sechsten Platz.

Waldemar Schanz bei der Schieß-WM

Mit der Ruhe des Routiniers

Waldemar Schanz will bei der Schieß-WM in München an alte Erfolge anknüpfen. „Eine Medaille wäre wieder mal fällig“, befindet der Athlet.

Von Margit Rehn

Waldemar Schanz will bei der Schieß-WM in München an alte Erfolge anknüpfen. „Eine Medaille wäre wieder mal fällig“, befindet der Athlet.

Sportarten, in denen Akteure der Generation 40 plus in der Weltelite mitmischen, sind rar gesät. Neben Golf oder Schach gehört auch das Schießen dazu, und Waldemar Schanz dient als bestes Beispiel für einen Athleten, der trotz fortgeschrittenen Alters zu Spitzenleistungen fähig ist. Der 41 Jahre alte Wiesbadener wird bei der am heutigen Freitag in München beginnenden Weltmeisterschaft im Sportschießen antreten und im Doppeltrab vermutlich auch um die Medaillen mitkämpfen. In seiner Spezialdisziplin hat er den nationalen Qualifikationswettkampf gewonnen, und am nötigen Selbstbewusstsein mangelt es auch nicht gerade.

„Eine Medaille wäre wieder mal fällig“, findet Schanz, der, was die ganz großen Erfolge angeht, in seiner sportlichen Biografie schon ein paar Jährchen zurückblättern muss. Zweimal wurde er Mitte der 90er-Jahre Vizeweltmeister, seinen bislang einzigen Europameistertitel hat er 1998 errungen.

Von der Annahme, dass er seinen Leistungszenit schon längst überschritten haben könnte, will der frühere Zeitsoldat, der momentan eine Ausbildung zum Diplomtrainer durchläuft, jedoch nichts wissen. Sofern die Augen mitspielten, könne man sogar bis Ende 40 ganz oben dabei sein, glaubt er. Beim Schießen spiele die Erfahrung eine ungemein wichtige Rolle. Und natürlich müsse die Motivation stimmen.

Waldemar Schanz, der in der Freiluftdisziplin Doppeltrap, einer Variante des Wurftaubenschießens, für den Berliner Verein SC Diana startet, hat sich den Spaß und die Faszination am „extrem Feingesteuerten“ bis heute nicht nur bewahrt – er bezeichnet sich selbst als „im positiven Sinne besessen“. Was nicht vermessen klingt, wenn man sich nur einmal vorstellt, dass dieser Mann aktuell 33 deutsche Meistertitel innehat und dem Nationalkader seit 25 Jahren angehört.

Während dieser gewaltigen Zeitspanne hat er nicht nur viele Höhen und Tiefen erlebt, sondern eigentlich auch nie etwas anderes als Schießen gemacht. Bei der Bundeswehr habe er als Hochleistungssportler die optimalen Voraussetzungen vorgefunden, und mit dem Überbrückungsgeld seines früheren Arbeitgebers finanziert Schanz jetzt seine Trainerausbildung. „Ich bin Profi“, sagt er, was in einer derartigen Randsportart zweifellos als eine ausgesprochen ungewöhnliche Berufsbezeichnung gelten kann.

Bis zu 15 Schützen haben im Doppeltrap eine Medaillenchance

Was die Weltmeisterschaft in München angeht, so ist das Erreichen des Finals für den Hobbypianisten und Hundeliebhaber das Minimalziel. Dann sei vieles möglich, wobei angesichts der großen Leistungsdichte auch der Tagesform eine entscheidende Bedeutung zukomme. Bis zu 15 Schützen hätten im Doppeltrap das Zeug, eine Medaille zu gewinnen. Trotz einer eher stotternden WM-Vorbereitung mit nur wenigen internationalen Wettkämpfen fühlt sich Waldemar Schanz kurz vor dem Showdown am Schießstand in einer guten Grundverfassung. Und mit seiner immensen Erfahrung wird er vermutlich auch in der Lage sein, die mangelnde Wettkampfpraxis zu kompensieren.

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