Rugby

Die Rugby-Könige wehren sich gegen die Revolution

Bei der Rugby-WM in Japan kann Neuseeland als erstes Team zum dritten Mal nacheinander den Titel gewinnen. Die legendären All Blacks scheinen allerdings nicht mehr unverwundbar.

Krise? Welche Krise? Gut, es ist keine sechs Wochen her, da erlebte Neuseeland eine „Blackocalypse“. Die All Blacks, geliebt, verehrt und für das Land am Ende der Welt viel mehr als nur seine Rugby-Nationalmannschaft, hatten von Australien, ausgerechnet vom Erzrivalen Australien, eine fürchterliche Abreibung bekommen. 26:47. Nie ließ Neuseeland mehr Punkte zu. Das Land stand unter Schock. Sollte es etwa nichts werden mit dem dritten WM-Titel nacheinander?

Das Krisengerede um die All Blacks ist kurz vor dem Beginn der WM in Japan (20. September bis 2. November) weitgehend verstummt. Das nationale Heiligtum der Neuseeländer hat vor seinem hochkarätigen ersten Gruppenspiel am Samstag (11.45 Uhr MESZ/ProSieben Maxx) gegen den zweimaligen Weltmeister Südafrika ein paar Schrammen abbekommen, das schon. Doch es gibt Hoffnung: Das Rückspiel gegen Australien endete 36:0, im letzten WM-Test gab es ein 92:7 gegen WM-Teilnehmer Tonga.

Ganz so unantastbar wie im vergangenen Jahrzehnt scheint der dreimalige Weltmeister (1987, 2011, 2015) nicht mehr zu sein. Eine Niederlage gegen Irland im vergangenen November, ein arg mühsamer Sieg gegen Argentinien, dann ein Unentschieden gegen Südafrika und eben das Desaster in Australien – aus Sicht der Neuseeländer eine besorgniserregende Entwicklung. Zumal die All Blacks vor vier Wochen nach zehn Jahren auch noch Platz eins in der Weltrangliste verloren. Derzeit führt Irland.

Die Weltrangliste aber interessiere ihn nicht, behauptete Chefcoach Steve Hansen, „ich habe das System nie verstanden“. Tatsächlich müssten sich die All Blacks nur in die richtige „mentale Verfassung“ für die WM bringen „und sie gewinnen“. Das klingt ein wenig wie das Pfeifen im Walde: Längst haben andere Nationen zu den Neuseeländern aufgeschlossen – indem sie deren Spiel kopierten, oder es humorlos zerstörten. Die All Blacks wiederum hatte Probleme in der Verteidigung, mit dem Flügelspiel, mit Verletzten und Disziplinlosigkeiten.

Hansen, der nach der WM aufhören wird, gibt vor dem wohl wegweisenden Auftaktspiel gegen die „Springboks“ freilich den Gelassenen. „Dort, wo wir Fragezeichen hatten, haben wir nun keine mehr“, behauptete er. Einen historischen dritten Titel nacheinander zu gewinnen, bezeichnete er als „fantastische Herausforderung“. Und ja: „Wir wissen, dass es hart werden wird, wir wissen, dass es schwierig werden wird, aber wir freuen uns darauf, uns dieser Herausforderung zu stellen.“

Dass die anderen Nationen aufgeholt haben, sieht Hansen sogar als Vorteil für seinen 31-köpfigen, ein wenig in die Jahre gekommenen Kader an. Diese WM werde mit Sicherheit die „am heftigsten umkämpfte“ seit der Premiere 1987 werden, und ja, „es gibt ein paar Mannschaft die glauben, dass sie gewinnen werden“. Doch gerade dieser Erwartungsdruck, sagt der Coach, „ist ein kleiner Vorteil für uns – wir leben damit die ganze Zeit“. Und sie wissen damit umzugehen. (sid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion