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Die Sekunde des Schreckens: Peter Sagan fährt den Ellenbogen aus und schiebt Mark Cavendish (links) an die Bande.

Peter Sagan

Rote Karte für den Weltmeister

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Peter Sagan wird wegen seines Ellbogenchecks gegen den Briten Mark Cavendish von der Tour de France ausgeschlossen.

Um kurz vor 19 Uhr wird es hektisch im Pressesaal von Vittel in den Vogesen. Eine Menge Kameras eilen hinter Jury-Mitgliedern her, stellen sich vor die Männer vom Radsport-Weltverband (UCI) und versperren komplett die Sicht. Die Nachricht, die nun verkündet und eigentlich auch erwartet wird, ist in der Tat außergewöhnlich: Ausschluss für Weltmeister Peter Sagan von der Tour. Abreise. Kein sechstes Grünes Trikot in Folge. Feierabend.

Zuvor hatte Sagan im Finale der vierten Etappe der 104. Tour de France in Vittel einen fürchterlichen Sturz verursacht. Gut 150 Meter vor dem Ziel fuhr Sagan seinen rechten Ellbogen aus und traf bei diesem Manöver den Briten Mark Cavendish, der gerade dabei war, eine schmale Lücke zu nutzen, um rechts an dem Slowaken vorbeizurasen. Doch der rüde Rempler beförderte Cavendish in die Fahrbahnbegrenzung, er flog grausam auf den Asphalt, und weil bei dieser Geschwindigkeit (fast 70 Kilometer pro Stunde) kein Rad der Welt mehr kontrollierbar ist, stürzten noch zwei Fahrer über Cavendish, darunter der in Oberursel im Taunus lebende John Degenkolb. Cavendish verließ das Rennen mit einem Verband, der um sein rechtes Handgelenk gebunden war und ließ sich mit Verdacht auf Schulterbruch ins Krankenhaus transportieren. Auch Degenkolb wurde ins Hospital zum Röntgen gefahren.

„Wir haben uns dazu entschieden, Peter Sagan von der Tour de France 2017 zu disqualifizieren. Er hat auf den letzten Metern des Sprints Kollegen ernsthaft gefährdet“, teilte Jury-Präsident Philippe Marien aus Belgien mit. Sagan hatte erst am Montag mit seinem Sieg für den ersten Tour-Etappenerfolg seines deutschen Teams Bora-hansgrohe gesorgt. Für die Mannschaft von Ralp Denk ist der Ausschluss des mit einem Millionen-Salär belegten Slowaken unzweifelhaft ein Desaster.

Cavendishs Sportdirektor aus dem Team Dimension-Data, Rolf Aldag, hatte unmittelbar nach dem Rennen die härteste Konsequenz gefordert. „Das war eine klare Tätlichkeit. Sagan muss ausgeschlossen werden. Wir haben das bei der Jury beantragt“, sagte Aldag radsport-news.com.
Die Jury belegte Übeltäter Sagan, der als Etappenzweiter gelistet war, zunächst mit 30 Sekunden Strafe und versetzte ihn auf Platz 115 zurück, Greipel rückte damit vom ursprünglichen vierten Platz einen Rang vor. Nach einer guten Stunde Beratung senkte die Rennleitung dann den Daumen.

Sagans Profikollegen waren am Dienstagabend entsetzt über dessen Manöver. „Du hast mich zum zweiten Mal beinahe umgebracht“, schrie André Greipel aus Hürth dem Slowaken entgegen. Bei einem Zwischensprint am Montag hatte Sagan seinen deutschen Kollegen bereits gerempelt. Greipel sagte auch noch: „Da fährt ein Typ im Weltmeistertrikot herum, der denkt, er könnte alles machen.“ Klare Worte.

Schon zuvor gab es in dem kurvenreichen Endstück der Etappe einen Sturz, in den auch Geraint Thomas verwickelt war, der Träger des Gelben Trikots. Doch der Waliser konnte weiterfahren: „Mir geht es gut.“ Marcel Kittel, der Sieger vom Sonntag, musste wegen des Zwischenfalls sein Tempo drosseln und hatte keine Chance mehr. Er meinte: „Ich bin froh, dass ich an einem Stück angekommen bin.“

Sagan eilte nach der Zieldurchfahrt zum Bus von Cavendishs Team, um sich zu entschuldigen. Sagan sagte: „Ich habe Mark nicht gesehen, es tut mir leid.“ Das kann man glauben, muss man aber nicht.

Für Sagan ist die Tour also beendet, für die Favoriten geht es heute richtig los. Die fünfte Etappe am Mittwoch, die mit einer knackigen Bergankunft an der Planche des Belles Filles in den Vogesen endet, wird zum ersten Prüfstein. „Das ist der erste große Test“, sagte Thomas, der keinen Zweifel an seiner untergeordneten Rolle im Team lässt: „Was auch immer das Team entscheidet, ich werde es mittragen. Ich stehe voll an der Seite von Chris Froome und will mit ihm die Tour gewinnen.“ (mit sid)

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