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Rogge: Klitschkos und Co. bei Olympia möglich

Jacques Rogge hält eine Zulassung des Profi-Boxens zu Olympischen Spielen für möglich. «Wir werden das prüfen. Solange ...

Baden-Baden. Jacques Rogge hält eine Zulassung des Profi-Boxens zu Olympischen Spielen für möglich. «Wir werden das prüfen. Solange unsere Regeln eingehalten werden, sind wir zufrieden», sagte der IOC-Präsident in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Zudem begründet der Belgier, warum Pyeongchang seiner Meinung nach ein verdienter Sieger bei der Vergabe der Winterspiele 2018 und München deshalb chancenlos war.

Herr Präsident, seit 30 Jahren können die internationalen Sportverbände selbst über ihre olympischen Zulassungsregeln entscheiden. Der Welt-Boxverband AIBA wird demnächst beantragen, dass von den Spielen 2016 an auch Profiboxer teilnehmen können. Künftig die Klitschkos und Co. bei Olympia? Wie finden Sie das?

«Wir werden das prüfen. Solange unsere Regeln eingehalten werden, sind wir zufrieden. Wir haben das ja schon bei anderen Profisportarten gehabt, im Tennis, Fußball, Basketball, Eishockey, Golf.»

Was sind das für Regeln?

«Im Boxen natürlich besonders die Schutzmaßnahmen wie das Helmtragen, sie müssen eingehalten werden. Die Gesundheitsregeln sind besonders wichtig, das werden wir der AIBA sagen. Aber dann geht es natürlich auch um die Einhaltung der Antidoping-Regeln und um die Mitgliedschaft in nationalen Verbänden. Wir werden das prüfen.»

Was haben Sie gedacht, als Sie in Durban das Ergebnis der Wahl für die Winterspiele 2018 erfahren haben?

«Ich war nur ein wenig überrascht, dass die Entscheidung zwischen den zwei guten Bewerbungen von Pyeongchang und München und einer nicht ganz so guten von Annecy bereits im ersten Wahlgang gefallen war.»

65:23 für Pyeongchang gegen München, das wirkte wie ein K.o. in der ersten Runde oder ein 6:0 im Fußball. Ist daraus nicht zwangsläufig der Schluss erlaubt, dass die Qualität einer Bewerbung nur eine vergleichsweise geringe Rolle gespielt hat?

«Münchens Bewerbung war gut, doch Pyeongchang hatte die beste Bewerbung. Sie war in drei Anläufen optimiert worden. Der Sport in Südkorea ist gut aufgestellt, er ist erfahren in der Veranstaltung von sportlichen Großveranstaltungen.»

Für den deutschen Sport jedenfalls wirkte die krasse Niederlage von München wie eine erneute Ohrfeige, der vierten nach dem Scheitern von Berchtesgaden, Berlin und Leipzig. Woran liegt das? Haben die Bewerbungen Defizite in der Qualität, bieten die Deutschen den falschen Kandidaten an, vielleicht auch zum falschen Zeitpunkt, genießen sie zu wenig Sympathien, oder sind ihre Bewerbungen nicht nachhaltig genug?

«Man kann nicht die eine Kandidatur mit der anderen vergleichen. Manchmal ist der eine eben besser als der andere. Und Pyeongchang hatte die beste Bewerbung, das muss man akzeptieren. Und bedenken Sie, der deutsche Sport kann sich nicht beklagen, er hat schon viele, viele internationale Wettbewerbe austragen können, darunter zwei Fußball-Weltmeisterschaften.»

Beim olympischen Kongress in Kopenhagen war vor zwei Jahren gefordert worden, die IOC-Prüfberichte nicht mehr so allgemein zu formulieren, sondern entschiedener, unterscheidbarer. Für die Winterspiele 2018 war das kaum spürbar, er war wie ein Gleichmacher. Die Ökologie ist vom IOC selbst zu einer Säule der olympischen Bewegung ausgerufen worden, die Sicherheit Olympischer Spiele hat im IOC höchstes Gewicht. Pyeongchang will nun noch einmal 160 Hektar Wald abholzen, der Ort ist nicht weit entfernt von der Kriegsgrenze zu Nordkorea. Das wird als Beispiel im Prüfbericht nicht gewichtet.

«Sie plädieren für München! Ich verstehe das, jeder Bewerber sagt, wir sind die Besten. Nein, der Prüfbericht war ausgewogen, es gibt 35 Kriterien, nicht nur zwei. Ganz einfach, die Bewerbung von Pyeongchang war besser und damit erfolgreich.»

Gibt es Anlass, das Bewerbungsverfahren insgesamt zu überdenken, beispielsweise, indem das IOC den eigenen Augenschein wieder zulässt, durch die Besuche der Kandidatenstädte von IOC-Mitgliedern, und zwar in Gruppen und damit in kontrollierter Form? Und wie kann man den immer größeren Aufwand der Kandidaten begrenzen? Aus Südkorea ist bekanntgeworden, dass Pyeongchangs Bewerbung rund 100 Millionen Dollar gekostet hat....

«Wir sind total dagegen, die Besuche wieder einzuführen, und das aus gutem Grund. Übrigens würden die Kosten dafür nach unseren Berechnungen zwischen fünf und zehn Millionen Dollar betragen, das ist ein alarmierender Aufwand. Ich gebe zu, wir müssen alles tun, wie wir den Aufwand begrenzen können. Ich verstehe auch nicht, dass die Bewerber rund um die Welt bis nach Ozeanien zu Treffen der NOKs gereist sind. Das ist total nutzlos. Nicht die NOKs entscheiden.»

Welche Erfolgschancen sehen Sie für eine erneute Münchner Bewerbung?

«Es gefällt den IOC-Mitgliedern, wenn sich eine Stadt zum zweiten oder dritten Mal bewirbt. Der DOSB muss nun erst einmal entscheiden. Noch einmal München mit seiner guten Winterspiele-Bewerbung oder eine Sommerspiele-Bewerbung. Das IOC würde über eine neue deutsche Bewerbung sehr glücklich sein.»

Anfang des Jahres haben Sie gesagt, «ich erwarte, das Thomas Bach um die IOC-Präsidentschaft kandidiert». War das ein Wunsch oder eine Tatsachenbehauptung? Haben Sie inzwischen Hinweise, dass er sich für die Wahl 2013 tatsächlich bewerben will?

«Ob er will, das kann ich Ihnen nicht sagen. Da müssen Sie ihn selbst fragen. Es war eine Erwartung, denn Thomas gehört zu den vier oder fünf Mitgliedern, die das Potenzial haben für eine Präsidentschaft.»

Gehört Richard Carrion aus Puerto Rico, mit dem sie eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten, zu diesem Kandidatenkreis? Ein Banker als IOC-Präsident, das hätte doch was...

«Fragen Sie mich nicht nach Namen. Warten wir einfach ab. Bis drei Monate vor der Wahl im September 2013 müssen die Bewerber feststehen. Aber die Leute im IOC sind nicht so naiv, nicht schon vorher zu wissen, wer antritt. Ich jedenfalls werde keinerlei Einfluss nehmen, total neutral sein und niemanden unterstützen.»

Nur noch zwei von insgesamt zwölf Präsidenten-Jahren - was sind ihre letzten Schwerpunkte?

«Natürlich weiter für erfolgreiche Spiele im nächsten Jahr in London zu arbeiten, zusammen mit einem hervorragenden Organisationskomitee auf der Basis der IOC-Politik. Dann die Olympischen Jugendspiele mit den ersten Winterspielen in Innsbruck 2012 konsolidieren und mit viel Energien die weiteren Vorbereitungen auf die Spiele in Sotschi und Rio de Janeiro anleiten. Ein besonderes Anliegen und eine Herausforderung ist es, ein System gegen das betrügerische Wetten zu schaffen. Und dann will ich mich einsetzen für die weitere Aktualisierung des olympischen Wettkampfprogramms.» (dpa)

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