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Lob vom Chef: Trainer Pep Guardiola beglückwünscht Torschütze Sebastian Rode.

Bayern München

Rode, das Mentalitätsmonster

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Bayern-Profi Sebastian Rode beeindruckt bei seiner Rückkehr nach Hessen. Gegen den Aufsteiger aus Darmstadt ist der ehemalige Frankfurter der Mann des Spiels.

Während der Interviewhatz in Deutschlands skurrilster Mixed-Zone hat Sebastian Rode einen entspannten und aufgeräumten Eindruck hinterlassen. Seine abgeklärte Außendarstellung hinterm Flatterband korrespondiert mit seiner Vorstellung auf dem Fußballplatz, auch dort hat er in seiner Münchner Zeit merklich an Ruhe und Format gewonnen. Die samstägliche Episode im Leben des Sebastian Rode ist wie gemalt für eine dieser Geschichten, die nicht nur der Fußball schreibt, die aber genügend Stoff für eine reizende Nacherzählung bietet.

Im Schnelldurchlauf lässt es sich so zusammenfassen: Ein bodenständiger Südhesse kommt mit einem schillernden Millionen-Ensemble zurück in die alte Heimat, darf endlich mal wieder mitspielen und zeigt dann eine Leistung, die jedermann, der auch nur den Hauch Ahnung von diesem Sport hat, anerkennend den Hut ziehen lässt. Sebastian Rode, der bescheidene Junge aus Alsbach-Hähnlein an der Bergstraße, fasste das mit seinem so typischen Lächeln, das früher ein bisschen die Unsicherheit zu verbergen suchte, folgendermaßen zusammen: „Eine Vorlage gegeben, ein Tor gemacht – ich bin überglücklich.“

Hinter dem Mittelfeldspieler, der vor gut einem Jahr von Eintracht Frankfurt zu den Bayern gewechselt war, liegt keine leichte Zeit. Bis zum Spiel in Darmstadt durfte der Dauerläufer genau acht Minuten für die Münchner auf dem Feld stehen – in der Vorsaison ist das noch anders gewesen. Da hatte er deutlich mehr Spielzeit, als gemeinhin erwartet worden war. „Es ist nicht einfach, immer positiv zu bleiben“, sagte Rode nun. Aber er sei auch kein Typ, der aufgebe. Trotzdem hatte er sich im August noch mit Abwanderungsgedanken getragen, doch die Bayern haben einen Riegel vorgeschoben. Das deutete der 24-Jährige auch als Zeichen der Wertschätzung.

Kitt zwischen den Elementen

Obwohl er, und das weiß er selbst nur zu gut, in jeder anderen Bundesligamannschaft unumstrittener Stammspieler wäre – nur in München eben nicht. Der Marathonmann im Mittelfeld hat erheblich an Stärke und Souveränität gewonnen, dynamisch und ein herausragender „Ballklauer“ war er schon immer, aber seine Ballsicherheit ist bemerkenswert gut geworden, er fällt gar nicht mehr auf oder besser ab im Zirkel der Techniker und Weltklassefußballer. Wie er in Darmstadt ein Tor vorbereitet und ein anderes selbst gemacht hat, zeugte von großer Klasse und einem enormen Reifeprozess.

Es ist ja nicht ganz einfach, auf Knopfdruck funktionieren zu müssen, wenn man vorher so etwas wie das fünfte Rad am Wagen war. „Wenn man die Chance hat, muss man sie nutzen“, sagte Rode lapidar. Er befand aber auch: „Der Trainer weiß, was er an mir hat.“ Pep Guardiola ist es fast schon unangenehm, den Vorzeigeprofi so oft draußen lassen zu müssen. Die hoch veranlagten Mitspieler stehen an seiner Seite. Auch das ist eine große Auszeichnung, weil sie sehr wohl spüren und sehen, wer ihr Format hat und wer nicht. „Sie haben mich immer unterstützt“, erzählt Rode, der in der Jugend selbst in Darmstadt spielte und der einzige gebürtige Südhesse in beiden Aufgeboten war. „Deshalb kamen die Jungs auch alle zu mir und haben sich mit mir gefreut.“

Das größte Lob kam allerdings von Matthias Sammer. Der Sportvorstand, als Spieler ebenfalls ein Typ mit unbeugsamem Willen, kam aus dem Schwärmen kaum mehr heraus. „Sebastian ist ein Mentalitätsmonster“, sagte er. „Solche Spieler brauchst du, solche Spieler sind der Kitt zwischen den Elementen.“ Als Beispiel nannte er Jens Jeremies oder Hasan Salihamidzic, die auch immer ein bisschen im Schatten der Superstars standen. „Wir sind sehr froh, dass Sebastian diese Tradition und diese Geschichte der Bayern fortführt.“

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