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Im Ring mit Robert Harting

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Von: Max Bosse

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Deutscher Doppelerfolg: Silbergewinnerin Nadine Müller (li.) und Bronzegewinnerin Shanice Craft.
Deutscher Doppelerfolg: Silbergewinnerin Nadine Müller (li.) und Bronzegewinnerin Shanice Craft. © dpa

Shanice Craft gewinnt Diskus-Bronze ? ganz nach Vorbild ihres Idols.

Da war er wieder. Robert Harting. Kaum verabschiedet und schon zurück im Ring. Nur konnte ihn niemand sehen – außer Shanice Craft. Denn Harting drehte in ihrem Kopf, sie sagte hinterher: „Ich hatte den Wurf von Robert bei der WM 2009 vor Augen.“ Dann ließ die 25-Jährige den Diskus los und gewann mit ihrem letzten Versuch wie bereits 2014 und 2016 Bronze. Die Geschichte hinter dieser dritten EM-Medaille ist jedoch nicht nur eine der Vorstellungskraft: Seit ein paar Monaten bildet Craft mit Robert und Julia Harting bei Coach Marko Badura eine Trainingsgruppe. „Ohne die drei wäre ich jetzt nicht hier“, bedankte sie sich.

Ende 2017 schloss sich Craft dem Wurfteam Berlin an. Die Bewunderung für Robert Harting war der Antrieb für den Umzug, eine Veränderung in ihrem Trainerteam bei der MTG Mannheim, wo sie als Sechsjährige mit der mit der Leichtathletik begonnen hatte, der Auslöser. Seither wohnt Craft unweit des Sportforums Hohenschönhausen. „Von Robert kann man so viel lernen, er ist ein Idol“, erklärte sie spät abends im Olympiastadion. „Wie er wirft, sieht einfach schön aus.“ Damit ihr Diskus besser durch die Luft gleitet, hat sie die bei der Drehung im Ring die Spannung erhöht und den Radius vergrößert. Allerdings sind die technischen Korrekturen bislang nicht so umfassend wie geplant. Hintergrund sind die schwierigen Anfangswochen in ihrer neuen Heimat.

Silber für Nadine Müller

Die ersten Wochen verbrachte Craft mit medizinischer Rehabilitation, erst im April konnte das Training richtig beginnen, entsprechend schleppend verlief die Saison bis zum Titelgewinn bei den Deutschen Meisterschaften vor drei Wochen. Daran hatte auch Robert Hartings Frau ihren Anteil, obwohl die 28-Jährige in dieser Saison ebenfalls Probleme hatte und die EM schließlich als DM-Fünfte verpasste. „Mit Julia habe ich eine Trainingspartnerin, die mich richtig pusht“, sagte Craft.

Dennoch flog der Diskus im Olympiastadion zunächst nicht über die 60-Meter-Marke, vor dem sechsten Durchgang war sie Vierte. „Ich hatte keine gute Leistung stehen und wollte einen raushauen“, sagte sie. So wie Robert Harting 2009, als er den Diskus mit dem letzten Wurf auf seine damalige Bestweite von 69,43 Metern schleuderte. Damals saß Craft als Teilnehmerin des Jugendcamps auf der Tribüne, später schaute sie sich den Goldwurf immer und immer wieder im Internet an. Nun drehte der damalige Weltmeister in ihrem Kopf, und die virtuelle Hilfe wirkte.

Mit 62,45 Metern verdrängte Craft die Neubrandenburgerin Claudine Vita (61,25 Meter) vom Podest und reihte sich hinter der Silbergewinnerin Nadine Müller (SV Halle/ 63 Meter), 32, sowie der Doppelolympiasiegerin und zweifachen Weltmeisterin Sandra Perkovic, 28, aus Kroatien ein, die 2011 für ein halbes Jahr wegen Dopings gesperrt war und nun mit ihrem fünften EM-Titel in Serie (67,62 Meter) Einmaliges vollbrachte. Nach einem guten Trainingswinter bei Badura will Craft dann mit echter Harting-Technik ganz vorne angreifen.

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