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Die deutsche Mehrkampfmeisterin Elisabeth Seitz erreicht drei Final-Plätze.

Zum zweiten Mal

Riesenjubel nach Zittereinlage: Turnerinnen im Team-Finale

Trotz eines starken Auftritts im Chaos von Katar mussten Deutschlands Turnerinnen lange zittern, ehe der Einzug in das Team-Finale der WM in Doha feststand. Um so größer war die Erleichterung. Elisabeth Seitz erreicht auch das Stufenbarren-Finale.

Eli Seitz ballte die Fäuste, Sophie Scheder und Kim Bui lagen sich in den Armen, Sarah Voss entfuhr ein Aufschrei der Erlösung: Die deutschen Turnerinnen sind bei den Weltmeisterschaften am Persischen Golf zum zweiten Mal nach 2011 in ein WM-Team-Finale eingezogen.

Mit der Winzigkeit von 0,107 Punkten setzten sie sich auf Platz acht am Ende hauchdünn vor den Britinnen durch, die bei der WM 2015 noch Bronze gewonnen hatten.

„Das war echt übel“, gestand Elisabeth Seitz. „Nie hätten wir gedacht, das wir ausgerechnet die Britinnen bezwingen können. Wir hatten eher gehofft, Frankreich oder Brasilien hinter uns zu lassen“, meinte die Stuttgarterin. Mit ihrer letzten, nicht sauberen Übung am Boden hatte Georgia-Mae Fenton das Ergebnis der Briten nicht toppen können und bei den Deutschen Erleichterung ausgelöst.

Nachdem sie sich selbst am Samstag glänzend präsentiert hatten und auch durch einen fatalen Stromausfall im Aspire Dome von Doha nicht schocken ließen, mussten die deutschen Frauen fast 24 Stunden zittern, ehe ihr „Erfolg des Teamspirits“ feststand. „Ich war auf der Tribüne der Depression nahe, weil ich dachte, die Britinnen lassen sich das nicht nehmen“, sagte die glücklich strahlende Cheftrainerin Ulla Koch zu den bangen Minuten in der nur spärlich besetzten Arena.

Am Vormittag hatten die Turnerinnen noch versucht, bei einem Besuch der Kinder in der deutschen Schule von Doha auf andere Gedanken zu kommen. Nach der eigenen Darbietung am Vortag hatten sie Zuversicht verbreitet. „Das fühlt sich total gut an“, urteilte die 29 Jahre alte Kim Bui. „Jetzt hoffe ich nur, dass wir auch am Sonntag noch so glücklich sind wie jetzt“, hatte sie gesagt und war in der entscheidenden Minute genauso glücklich wie ihre Gefährtinnen.

Beim Auftritt der Deutschen am Stufenbarren hatten am Samstag Stürme mit heftigen Regenschauern und ein damit verbundenes Strom-Chaos zu einer 30-minütigen Unterbrechung geführt. Das störte die Deutschen aber wenig. „Komisch. Keiner wusste, was los war“, beschrieb Eli Seitz die Situation. „Das hat vorher keiner geahnt, dass hier mal eine halbe Stadt unter Wasser steht“, fügte sie hinzu.

Die Stuttgarterin darf sich nun noch dreimal im weiteren WM-Verlauf vorstellen. Ihre Übung am Stufenbarren, wurde auch ohne die einstudierte neue Verbindung mit 14,566 Punkten belohnt. Das bedeutete für sie Rang drei an ihrem Lieblingsgerät. Im Finale am Samstag darf sie nun auf ihre erste WM-Medaille hoffen, nachdem ihr bei Olympia das Podest als Vierte verwehrt geblieben war. Im Mehrkampf kam sie auf 52,798 Punkte und Rang 16. Somit bekommt sie nun eine neue Chance, im Endkampf der besten 24 ihren neunten WM-Rang aus dem Vorjahr zu verbessern.

Eine große Show zeigte beim ersten Turn-Titelkampf im Mittleren Osten Rekordweltmeisterin Simone Biles. Die viermalige US-Olympiasiegerin beherrschte mit 60,965 Punkten den Mehrkampf. Krönung ihres Auftritts war der von ihr kreierte, gestreckte Vorwärts-Salto mit zwei Schrauben. Der spektakuläre Sprung geht nun als „Biles“ ins Regelwerk des Weltverbandes FIG ein. Für die perfekte Ausführung zogen die Kampfrichter die WM-Höchstnote von 15,966 Punkten.

Kaum 24 Stunden zuvor hatte die Kronzeugin im Missbrauchsprozess gegen den früheren US-Teamarzt Larry Nassar wegen massenhafter sexueller Übergriffe eine Schrecksekunde zu überstehen. Wegen starker Schmerzen aufgrund eines Nierensteins musste sie in der Nacht die Notaufnahme eines Krankenhauses in Katars Hauptstadt aufsuchen.

(Von Frank Thomas, dpa)

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