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Auf der Suche nach dem Durchblick: Sebastian Vettel in Jerez.

Formel 1 Kommentar

Revolution in der Formel 1

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Die Formel 1 hat sich neu erfunden. Kleinere Motoren, doppeltes Energierückgewinnungssystem weniger Hubraum und weniger Pferdestärken. "Grün" ist die Königsklasse des Motorsports deshalb aber noch lange nicht. Ein Kommentar.

Sebastian Vettel hat die Journalisten am Testort Jerez de la Frontera erst einmal beruhigt. Die Kollegen zeigten sich besorgt darüber, dass sie bei all den technischen Veränderungen an den neuen Formel-1-Autos überhaupt nicht mehr durchblicken würden. Vettel, zwar mit 26 Jahren schon vierfacher Weltmeister, hat auf sein „einfaches“ am Starkenburg- Gymnasium in Heppenheim gebautes „Abitur“ verwiesen und dann gesagt, er durchschaue das Ganze auch noch nicht so recht. Der Champion hat die Neukonstruktion mit Raketenwissenschaft verglichen und darauf hingewiesen, dass niemand so recht wisse, was Mitte März in Melbourne beim ersten Rennen passiert.

Viele Teams sprechen von einer Revolution, wie es sie in der Geschichte des dröhnenden Kreisverkehrs noch nicht gegeben hat. Ein Umdenken, das vor allem die Automobilhersteller bekämpft haben, weil sie, überspitzt gesagt, befürchteten, aus den rund 800 PS starken Kraftprotzen würden mit Einführung des sechs Zylindermotors (1600 ccm) Seifenkisten. Dank eines doppelten Energierückgewinnungssystems aus Bremsvorgang und Abgasen ist der „Kleine“ aber gewiss mehr als nur ein Halbstarker. Größtes Problem für die Ingenieure war die Aufgabe, künftig mit nur noch 100 Kilogramm Sprit (rund 140 Liter) über die 300 Kilometer zu kommen. Die Fahrer werden während des Rennens öfters vom Gas gehen müssen, sonst bleibt die Karre stehen. Da kann nicht mal mehr der ADAC mit seinem Lieblingsauto helfen.
Jetzt, wo die ersten Runden im spanischen Sherry-Land gedreht wurden, sind insbesondere die in Mittelengland und in Stuttgart beheimateten Ingenieure von Mercedes beinahe besoffen vor Stolz. In einer dreiseitigen Pressemitteilung vermitteln alle leitenden Angestellten des deutschen Rennstalls den Eindruck, ihnen seien die Geister von Carl Benz und Gottlieb Daimler erschienen und hätten ihnen geholfen, die Formel-1-Boliden völlig neu zu erfinden.

Tatsächlich musste die Roadshow mit viel Druck auf ein Gleis gehoben werden, das sie von alleine jedenfalls nicht so schnell betreten hätte. Die Unterhaltungsshow Formel 1 ist allein schon wegen des Verbrauchs von 47 Litern Spezialsprits auf 100 Kilometer weit davon entfernt „grün“ zu sein, aber, daran erinnern die Superhirne gerne, die revolutionäre Technik, die aus derselben Menge Kraftstoff 30 Prozent mehr Energie generiert, kann auch in Straßenautos eine sinnvolle Verwendung finden. Ist doch schön, wenn sich Motorsport und Forschung gegenseitig befruchten.

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