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Die Renaissance des Riegels

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Erst mauern, dann feiern: Mourinho kopiert die Taktik von Inter-Legende  Herrera.
Erst mauern, dann feiern: Mourinho kopiert die Taktik von Inter-Legende Herrera. © AFP

Inter gegen Bayern, Schüler gegen Lehrer: Mourinho und Louis van Gaal kennen sich aus gemeinsamen Tagen. Das Superhirn von Inter Mailand hat sich aber längst vom ehemaligen Weggefährten emanzipiert Von Ralf Itzel

Von Ralf Itzel

Während Barca-Kapitän Xavi mit Tränen in den Augen vom Platz schlich, schaltete irgendein schlechter Verlierer die Rasensprinkler genau dort an, wo die Inter-Delegation ihren Triumph feierte. José Mourinho und seine Männer überstanden auch noch diesen letzten Angriff unbeschadet.

Es ist vollbracht: Das portugiesische Superhirn und seine Mannschaft haben den hochgelobten Titelverteidiger FC Barcelona rausgekegelt und spielen in 22 Tagen in Madrid gegen den FC Bayern um den Titel in der Champions League. Der Schüler wird also seinen Lehrer wiedertreffen. Mourinho und der Münchner Übungsleiter Louis van Gaal kennen und schätzen sich aus gemeinsamen Tagen in Barcelona.

Als der Niederländer dort 1997 die Nachfolge des geschassten Engländers Bobby Robson antrat, blieb dessen Übersetzer und Helfer Mourinho auf der Gehaltsliste, weil van Gaal ihn als talentierten Taktiker einschätzte. Mourinho nennt den früheren Chef seither respektvoll "meinen Lehrer".

Herrera wäre stolz gewesen auf Mourinhos Maurer

Als Anhänger des dominanten Passspiels dürfte der Lehrer den Auftritt der Elf des Schülers am Mittwoch im Camp Nou nicht sonderlich goutiert haben. Dafür wäre Helenio Herrera stolz gewesen auf Mourinhos Maurer. Der argentinische Meistertrainer erfand den Catenaccio und führte Inter mit dieser ultradefensiven RiegelTaktik in den 60er Jahren zu den beiden bisher einzigen Titeln im kontinentalen Meistercup.

Auf dieselbe Art haben sich nun die Nachfahren den Weg ins Finale geebnet. Nach dem 3:1-Sieg im Hinspiel reichte ein 0:1 und mithin "die schönste Niederlage meines Lebens" (Mourinho).

Abgesehen von Torwart Valdés, der dem Portugiesen an den Kragen wollte, als der nach dem Schlusspfiff den Rasen stürmte, akzeptierten die Unterlegenen ihr Ausscheiden fair. "Jede Mannschaft spielt nach ihren Vorstellungen", meinte Trainer Pep Guardiola, "es steht mir nicht an, darüber zu urteilen."

Inter gab im Camp Nou das Anti-Barca, nur so war der Erfolg wohl möglich. Ab der 28. Minute und der Herausstellung von Thiago Motta nur zu zehnt, spielte Italiens Meister destruktiver als Griechenland bei der EM 2004, aber genauso gut organisiert und aufopferungsvoll.

Messi merklich überspielt

Die Gäste, bei denen kein einziger Italiener zum Einsatz kam, verteidigten ihr eigenes Tor wie Väter das Kinderzimmer vor Kidnappern, allen voran der frühere Münchner Lucio. Selbst die Angreifer Eto'o und Milito wurden zu Zerstörern umfunktioniert, was die spanische Zeitung El Pais damit verglich "einen Picasso in den Speicher zu hängen".

Das gegnerische Tor traf Inter kein einziges Mal und versuchte es auch gar nicht. 25:75 Prozent Ballbesitz wurden ermittelt, die 25 Prozent müssen die Zeit gewesen sein, die der überragende Julio Cesar, Brasiliens WM-Torwart, beim Abschlag vergeudete. Schlüsselmoment war dessen fantastische Parade nach einer halben Stunde bei einem Schuss von Lionel Messi, da hätte die Partie kippen können.

Der vermeintlich weltbeste Fußballer, merklich überspielt, kam ansonsten wie in Mailand kaum vor. Kurz vor Schluss stimmten die 96.000 Zuschauer "Messi, Messi"-Sprechchöre an - nicht um ihn zu feiern, sondern um ihn aufzuwecken. Barcas Vortrag fehlten Phantasie, Frische und Durchschlagskraft.

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