1. Startseite
  2. Sport
  3. Sport A-Z

Remis in der Nachspielzeit

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Ein Eishauch weht durch den polnischen Fußball.
Ein Eishauch weht durch den polnischen Fußball. © Getty

Blatter baut seine Drohkulisse ab: Ein Kompromiss-Kandidat soll den polnischen Fußballverband verwalten. Von Knut Krohn

Von KNUT KROHN

Der große Knall blieb aus. Am Ende fanden der Fußballweltverband Fifa und die polnische Regierung doch noch den erhofften Kompromiss. "Wir haben Briefe und Dokumente erhalten, wonach sich der Verband und die polnische Regierung geeinigt haben. Wenn diese Einigung am Dienstag umgesetzt wird, dann ist das für uns ausreichend. Wie werden keine Sanktionen verhängen", ließ sich Fifa-Chef Joseph Blatter gestern zitieren.

Geholfen hat offenbar ein formaljuristischer Winkelzug, der beiden Seiten ermöglicht, ihr Gesicht zu wahren. Der Polnische Fussball-Verband PZPN wird schriftlich zugeben, dass es Unregelmäßigkeiten gab, und Sportminister Miroslaw Drzewiecki wird dieses Schuldbekenntnis akzeptieren. Dann werden Regierung und Verband gemeinsam einen Antrag auf Änderung des Verwalters bei Gericht stellen. Der vor Wochefrist von der Regierung eingesetzte Verwalter Robert Zawlocki, den Fifa und PZPN ablehnen, muss auf sein Amt verzichten, der Weg wäre frei für einen Nachfolger, den alle Streitparteien akzeptieren.

Freilich scheint es Differenzen zwischen Fifa und Regierung in der zeitlichen Umsetzung des Kompromisses zu geben. Bis zur Arbeitsaufnahme durch die Unabhängige Wahlkommission werde er seinen Antrag auf die Einberufung des Verwalters des Polnischen Fußballverbandes nicht zurückziehen, sagte der polnische Sportminister Miroslaw Drzewiecki am Montag vor Journalisten in Warschau. Die Plenarsitzung der Kommission soll erst am Freitag stattfinden. "Erst dann können wir über weitere Entscheidungen reden", so Polens Sportminister.

Die alte PZPN-Führung um Präsident Michal Listkiewicz war vor einer Woche suspendiert worden. Sportminister Drzewiecki begründete das mit fehlender Bereitschaft des Verbandes, die Korruption zu bekämpfen. Fifa und Uefa sahen die Verbandsautonomie verletzt und gingen auf Konfrontationskurs, als die Politik sich weigerte, die alte Verbandsführung wieder einzusetzen. Fifa-Präsident Joseph Blatter forderte per Ultimatum, bis gestern um 12 Uhr alles wieder in den alten Zustand zu versetzen. Andernfalls drohe Polen die Absage der anstehenden WM-Qualifikationsspiele.

Sportminister Drzewiecki erhielt Rückendeckung von Premierminister Donald Tusk und Innenminister Grzegorz Schetyna. Auch die einflussreiche Tageszeitung Gazeta Wyborcza stellte sich in einem bissigen Kommentar auf seine Seite: Tusk, hieß es da, habe es noch nie mit einem Gegenspieler zu tun gehabt, der degenerierter und korrumpierter sei als Blatter.

Umfragen zufolge billigen die meisten Polen die Absetzung der alten Verbandspitze. Vielen ist die Lust auf Fußball durch Korruption, Krawalle und offenen Rassismus in den Stadien vergangen.

Auch interessant

Kommentare