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Wer nach dem Winterschlaf nicht gleich wieder in die Frühjahrsmüdigkeit fallen will, muss etwas für seinen Körper tun. Viel Bewegung an der frischen Luft und eine vollwertige Ernährung helfen, in Schwung zu kommen.

"Reines Anpassungsphänomen"

Frühjahrsmüdigkeit durch Umstellung des Körpers bedingt / Vor allem Senioren und Menschen mit niedrigem Blutdruck betroffen

Von AP-KORRESPONDENT WALTER WILLEMS

Göttingen (ap). Ausgerechnet wenn im Frühjahr die Natur ihre Kraft zu entfalten beginnt, macht der Körper schlapp. Schlaffheit, Schwindel und Kreislaufprobleme - mit den warmen Temperaturen kommt dieFrühjahrsmüdigkeit. Nach monatelanger Kälte und Dunkelheit muss sich der Organismus umstellen, so die medizinische Erklärung für das Phänomen.

Die dunkle Jahreszeit schlägt nicht nur auf das Gemüt, sondern auch merklich auf die Physiologie des Menschen. In Gegenden mit ausgeprägten Jahreszeiten seien die Menschen im Winter generell nervöser und unkonzentrierter, berichtet Professor Jürgen Zulley von der Regensburger Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie.

Durch die langen Nächte wird das müdigkeitsfördernde Hormon Melatonin vermehrt ausgeschüttet, die Menschen schlafen länger.Selbst die Körpertemperatur ist im Winter geringer, "minimal, aber messbar", wie Zulley betont.

Werden dann die Tage wieder länger, muss sich der Körper umstellen. Dies wird vor allem dann zu einer Belastung, wenn bestimmte meteorologische Einflüsse hinzukommen. Frühjahrsmüdigkeit tritt laut Zulley vor allem dann auf, wenn das Wetter wieder wärmer wird, also meist im März oder April. Als Reaktion auf die höheren Temperaturen weitet der Körper die Blutgefäße, so dass der Blutdruck fällt. "Wir fühlen uns müde und schlapp", erläutert der Experte. "Das ist ein bekanntes Phänomen."

Der Medizin-Meteorologe Klaus Bucher vom Deutschen Wetterdienst (DWD) spricht von einem "Überforderungssyndrom des Organismus, wenn mehrere Dinge zusammenkommen". Der Forscher glaubt, dass auch die im Frühjahr ausgeprägten Temperaturschwankungen eine Rolle spielen.

Schließlich können die Werte von Minusgraden am Morgen leicht auf eine gefühlte Temperatur von 20 Grad um die Mittagszeit klettern. "Das sind sehr starke Gegensätze, an die sich der Körper anpassen muss", sagt Bucher. "Das erfordert eine gewisse Leistungsfähigkeit." Eine Leistungsfähigkeit, auf die der Körper gerade zu dieser Jahreszeit nicht eingestellt ist. "Der Organismus ist im Frühjahr auf der Talsohle der Kondition", sagt der Forscher.

Man kann etwas dagegen tun

Besonders stark beeinflusst die Frühjahrsmüdigkeit laut Zulley und Bucher Senioren, Menschen mit niedrigem Blutdruck und mit Herz-Kreislauf-Problemen. Die typische Schlappheit dauert Zulley zufolge in der Regel etwa ein bis zwei Wochen: "Das ist ein reines Anpassungsphänomen."

Dennoch raten die Experten übereinstimmend davon ab, die Mattheit als naturgegeben hinzunehmen. Man kann etwas dagegen tun", betont Zulley. Es sei nicht ratsam, sich in Schonhaltung zurückzuziehen und abzuwarten, dass die Beschwerden vorbei gingen.

Stattdessen rät der Experte zu Bewegung - aus drei Gründen: Zum einen bringe dies den Kreislauf in Schwung. Zusätzlich passe sich der aktive Organismus besser an die veränderten klimatischen Bedingungen an. Und schließlich werde bei Aufenthalten im Freien durch die verstärkte Lichteinwirkung die Ausschüttung von Melatonin unterdrückt.

Auch Bucher sagt, dass sich die Anpassungsfähigkeit des Körpers trainieren lässt, und zwar bereits während des Winters. Dazu tragen Aufenthalte im Freien auch bei schlechtem Wetter bei, Wechselduschen oder etwa Saunabesuche, sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen.

Gleichzeitig rät der Experte von üppigen Mahlzeiten ab. Denn wenn der Körper schon überfordert sei, so Buchers Einschätzung, solle man ihn nicht noch durch schweres Essen zusätzlich belasten.

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