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Toni Söderholm folgt Marco Sturm als Eishockey-Bundestrainer.

Vertrag bis 2022

Reindl: Bundestrainer Söderholm „100-prozentig der Richtige“

Der Deutsche Eishockey-Bund rollt Toni Söderholm als neuem Bundestrainer sogar den roten Teppich aus. Der Finne tritt das schwere Erbe von Marco Sturm an. Der Verband nimmt noch weitere Umbauten in seiner Führung vor.

Mit einem kernigen „Grüß Gott an alle“ läutete Marco Sturms Nachfolger Toni Söderholm seine komplizierte Mission als neuer Eishockey-Bundestrainer ein.

Der sehr gut deutsch sprechende Finne soll den Silbermedaillen-Gewinner von Olympia in Pyeongchang bis 2022 auf Erfolgskurs halten und zum wichtigen Baustein in der Neuausrichtung des Deutschen Eishockey-Bundes neben Stefan Schaidnagel werden. Der bisherige Sportdirektor wird zum starken Mann aufgebaut und übernimmt auch die Generalverantwortung für die Marschrichtung im DEB - sehr wahrscheinlich in Vorbereitung einer Kandidatur von DEB-Chef Franz Reindl für die Präsidentenwahl des Weltverbandes IIHF 2020.

In der Nationalmannschaft hat Söderholm künftig das Sagen. Der 40 Jahre alte ehemalige Meisterspieler des EHC Red Bull München verlässt den Drittligisten SC Riessersee und übernimmt am 1. Januar offiziell die Nachfolge von Sturm, der im November in die nordamerikanische Profiliga NHL als Co-Trainer zu den Los Angeles Kings gewechselt war.

„Ich kenne Marco ganz gut, habe auch eine schöne Nachricht von ihm bekommen. Ich werde mit Marco intensiv Ideen austauschen“, sagte Söderholm am Donnerstag bei seiner offiziellen Vorstellung. Seit Mittwoch war die überraschende Personalie fix.

Den Olympia-Coup des Nationalteams empfindet Söderholm weniger als Bürde oder Hypothek, sondern vielmehr als „Sprungbrett“ für das deutsche Eishockey. „Ich will was erreichen, und auch die Spieler wollen was erreichen“, kündigte Söderholm an, dem im Münchner Olympiapark sogar der rote Teppich auf den Treppenstufen zum Coubertin-Club ausgerollt wurde.

Wie schwer wiegt das Erbe von Sturm? „Ich spüre keinen Druck von der Arbeit, die Marco geleistet hat. Ich mache meine Arbeit, Ergebnisse kommen, wenn die Arbeit gut genug ist“, versicherte Söderholm, der zuletzt als Trainer der Red-Bull-Organisation an den Münchner Kooperationspartner Riessersee abgestellt war.

Schaidnagel zufolge gab es mehr als 50 Bewerber für den schweren, aber offensichtlich hochbegehrten Job als Bundestrainer. In das Casting floss auch die Meinung etablierter Nationalspieler ein. „Relativ klein“ sei ja die Verbands-Familie, merkte DEB-Präsident Reindl an. „Selbstverständlich fragt man die Familienmitglieder und vor allem die arrivierten Spieler.“

Mit einem Lächeln fügte Reindl süffisant an: „Das hat mich ein bisschen gewundert, dass man vom Toni nichts Schlechtes gehört hat.“ Reindl glaubt „100-prozentig“ daran, dass Söderholm „der Richtige“ ist.

Der DEB-Boss selbst dürfte den Verband aber auch bald verlassen. Der 64-Jährige ließ bei Sturms Abschied beim Deutschland Cup im November durchblicken, dass er sich eine Kandidatur um den IIHF-Vorsitz vorstellen könne. Der Nachfolger des Schweizers Rene Fasél, der nicht mehr antritt, wird zwar erst 2020 gewählt, doch Reindl müsste sich bald zur Kandidatur entscheiden, um sich zu positionieren. Die Beförderung Schaidnagels darf als Fingerzeig verstanden werden, um kein Führungsvakuum entstehen zu lassen.

Die Personalie Christian Ehrhoff beschäftigt den DEB indes weiter. „Da sind die Gespräche am Laufen, es gibt aber noch nichts Weiteres zu verkünden“, sagte Schaidnagel. Der ehemalige NHL-Verteidiger Ehrhoff gilt als künftiger Generalmanager. Diese Rolle, die vor allem repräsentative Aufgaben betrifft, hatte bis zuletzt auch Sturm inne.

Zunächst wird die Funktion des Generalmanagers, der den Kontakt zu den NHL-Spielern halten soll, von Söderholm und Schaidnagel ausgefüllt. „Es gab auch schon Gespräche mit den Jungs in Nordamerika“, sagte Schaidnagel und berichtete von einer Unterhaltung mit Leon Draisaitl von den Edmonton Oilers. Im neuen Jahr legt aber erstmal Sturm-Nachfolger Söderholm so richtig los.

(Von Martin Moravec und Carsten Lappe, dpa)

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