Eishockey

Der Rein-Raus-Mann

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Der EHC München scheidet unter skurrilen Umständen aus der Eishockey-Champions-League aus.

Am Ende gab es eine kleine Ehrung, ausgezeichnet als Münchens Mann des Spiels wurde Daniel Fießinger. Obwohl er genau genommen das ganze Spiel gar nicht bestritten hatte, sondern lediglich 46:57 der 60 Minuten.

Das letzte Drittel im Champions-League-Viertelfinalrückspiel gegen Djurgarden Stockholm (0:3) gestaltete sich für den Torhüter des EHC nämlich so: Bei 42:04 runter, nach dem Gegentor zum 0:2 bei 43:48 wieder rauf. 45:27: runter. Von 50:07 bis 50:14 kurz im Tor, als München angriff, Fießingers nächster Sprint zur Bank, damit statt seiner ein Feldspieler mitmachen kann. Erst nachdem es bei 56:53 zum 0:3 eingeschlagen hatte, konnte der 23-Jährige dann bis zur Schlusssirene seinen Platz einnehmen. Der EHC München verlor gegen das schwedische Team 0:3, Fießinger persönlich nur 0:1.

Mit einem Gesamtergebnis von 1:8 (Hinspiel in Stockholm 1:5) schied der EHC München als letzter deutscher Klub aus der Champions Hockey League (CHL) aus, eigentlich war es vorbei mit dem einzigen Tor, das Fießinger kassierte, dem 0:1 in der 23. Minute. Da hätte der EHC schon sechs Tore schießen müssen, um noch ins Halbfinale zu kommen.

Es ist Eishockey-Mentalität, trotzdem was zu probieren – Münchens Trainer Don Jackson pflegt in solchen extrem seltenen Fällen dann seine Torwart-raus-Masche. „Das letzte Drittel war interessant“, befand Djurgardens Coach Robert Ohlsson, „wann erlebt man schon mal, dass man so lange fünf gegen sechs spielen muss?“ John-Jason Peterka, mit 17 der jüngste Münchner, schmunzelte: „Es gab Spekulationen in der Mannschaft, dass das passieren könnte.“ Er fand es „eine gute Option für den Fall, dass man mal fünf Tore braucht“. Auf alle Fälle stellte sich der EHC geschickt an, ließ die Stockholmer kaum aus deren Drittel kommen. „Ihr Torwart“, lobte Don Jackson, „war phantastisch.“ Karri Rämö, 33, Ex-NHL-Goalie.

Top-Fangquote

Doch Jackson („Ich bin mit den Spielen gegen Djurgarden nicht komplett unzufrieden“) hatte auch für seinen eigenen Torsteher nette Worte parat. Was man aus dem CHL-Viertelfinale gelernt habe? „Vieles über Daniel Fießinger“, sagt er.

Fießinger ist der dritte Torwart des EHC – seit etwas mehr als einer Woche, als nach Danny Aus den Birken auch noch Kevin Reich verletzt ausfiel, aber die Nummer eins. Der 23-Jährige gehört zwar schon länger zum EHC-Spielerpool, stand meist aber beim Partner SC Riessersee in der Oberliga im Trainings- und Spielbetrieb.

Der große Unbekannte also. Bei MagentaSport hieß er neulich ein Drittel lang „Fießlinger“, in einem fachlich sonst auf der Höhe befindlichen Eishockey-Podcast mit Vornamen Christian statt Daniel. Doch auch der eigene Klub musste mit Fießinger erst vertraut werden. Schnell erkennt man aber an seinen Bewegungen die Arbeit mit Torwarttrainer Patrick Dallaire.

Aus seinem fast kompletten CHL-Spiel gegen Djurgarden ging er mit einer Top-Fangquote von 96,43 Prozent, in der DEL erlebte er zwei defensiv wilde Spiele (2:5 in Augsburg, 8:5 in Krefeld), die seine nationalen Werte belasteten: Da hielt er nur 83,95 Prozent der auf seinen Kasten abgegebenen Schüsse, der Gegentorschnitt beträgt 4,36.

Gegen Mannheim (2:3 nach Verlängerung) spielte er schon ordentlich, erstmals riefen die Zuschauer seinen Namen. In der Champions League wieder: „Fie-ßing-er, Fie-ßing-er“ – das lässt sich gut skandieren. Am Wochenende bekommt er zwei weitere Spiele. In Iserlohn (Freitag), erneut gegen Mannheim (Sonntag). Beide mit sicher mehr als 46:57 Minuten.

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