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Gut gespielt: Michael Ballack im Zweikampf mit Sergio Pinto (Hannover 96).

Überzeugender Ballack

Reife Leistung

Rückkehrer Michael Ballack hat beim 2:0 von Bayer Leverkusen gegen Hannover einen guten Eindruck in der Leverkusener Startelf gemacht. Trotzdem ist er der Meinung, dass ein Comeback in der DFB-Elf im Augenblick noch zu früh käme.

Von Christoph Pluschke

Jetzt erfleht Michael Ballack auch noch Unterstützung von allerhöchster Stelle. „Vielleicht sagt der liebe Gott ja: ,Der hat genug Pech gehabt‘.“ Wer will es Ballack verdenken? Der Mann hat es einfach satt, immer wieder von schweren Verletzungen heimgesucht und an der Ausübung seines Berufs gehindert zu werden. Wie er seinen Job versteht, wenn man ihn denn lässt, zeigte er beim gelungenen Startelf-Comeback für Bayer 04 Leverkusen, das mit einem 2:0-Sieg über Hannover 96 endete. Ballacks Beitrag lässt sich statistisch belegen: Mit 94 Ballkontakten stand der 34-Jährige schließlich zu Buche, nicht weniger als 73 Prozent seiner Pässe hatten ihren Adressaten erreicht, 55 Prozent seiner 33 Zweikämpfe gewann er – nicht schlecht für einen Mittelfeldakteur.

Ballack äußerte sich betont zurückhaltend und dankte brav Klubtrainer Heynckes

Natürlich wurde sie sogleich gestellt, die Frage nach dem Zeitpunkt seiner Rückkehr in die deutsche Nationalmannschaft. Doch Ballack widerstand der Versuchung, die Gunst des Augenblicks für ein Plädoyer in eigener Sache zu nutzen. Er äußerte sich betont zurückhaltend und widmete das erste Statement brav seinem Vereinscoach Jupp Heynckes: „Ich bedanke mich beim Trainer, dass er mir über 90 Minuten das Vertrauen geschenkt hat.“

Mit einer Berufung in den Kader der DFB-Auswahl für die Partie am 9. Februar in Dortmund gegen Italien rechnet der 98-malige Nationalspieler nicht mal im Stillen. „Mir fehlt noch einiges. Ich habe genug zu tun, wieder komplett fit zu werden. Das ist mein Ziel. Alles andere kommt dann von alleine.“ Mit Bundestrainer Joachim Löw gebe es derzeit keinen Kontakt, fügte der offiziell immer noch als Kapitän des Nationalteams amtierende Sachse hinzu, „ich muss zuerst in Leverkusen meine Leistung bringen.“ Von der zeigte sich Heynckes angetan. „Michael hat seine Souveränität und Klasse bewiesen. Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir sehr zufrieden mit ihm, aber er hat – wie übrigens die gesamte Mannschaft – noch Luft nach oben.“

Bei der Besetzung seines Mittelfeldes und der Wahl zwischen Ballack, Simon Rolfes und Arturo Vidal war der Bayer-Coach nicht nach dem Entweder-oder-Prinzip verfahren, sondern hatte sich für die Sowohl-als-auch-Variante entschieden. Für Ballack ist dies ein Modell mit Zukunft, denn: „Die Qualität ist fantastisch. Wir sind noch schwerer auszurechnen, weil wir uns wechselweise in die Spitze einschalten können.“

Wie unangenehm genau das für den Gegner werden kann, hatten die Hannoveraner konkret bei den Gegentoren von Vidal (der abermals in exzellenter Form aufspielende Chilene erzielte bereits sein neuntes Saisontor) und Rolfes zu spüren bekommen. Ballack überzeugte, Vidal überragte, aber aus dem Kollektiv hervorheben wollte Heynckes an diesem Wochenende einen ganz anderen: „Was der Sami Hyypiä in der Abwehr geleistet hat, wie er antizipiert hat, sein Stellungsspiel und das Geschick in den Zweikämpfen – all das war große Klasse.“

Der so gelobte 37-jährige Finne hatte seinen Dienst in der Innenverteidigung an der Seite des jungen Stefan Reinartz (22) verrichtet; Manuel Friedrich (31) – zum Rückrundenauftakt beim 1:3 gegen Dortmund furchtbar schlecht und beim 3:1 in Mönchengladbach gesperrt – war gegen Hannover nur noch als Einwechselspieler für wenige Sekunden zum Einsatz gekommen. So muss sich der Bayer-Trainer als Personalleiter der Werkself nun wohl auf einer neuen Baustelle betätigen.

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