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Die allstarverdächtige Starting Five der Golden State Warriors: Kevin Durant, Draymond Green, Stephen Curry, Klay Thompson, DeMarcus Cousins (v.l.n.r.).

NBA

Rauschen aus der Zukunft

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Die Golden State Warriors sind erneut der große Favorit auf den Titel in der NBA ? doch es könnte ein letztes Hurra sein.

Auch die Menschen in der sonnigen Bay Area von Kalifornien wissen, dass alles einmal zu Ende geht, irgendwann, irgendwie. Bei den Golden State Warriors beschwören sie deshalb ganz bewusst die Kraft des Augenblicks. „Wir wissen, dass es nicht ewig so weiter gehen wird“, sagt Steve Kerr, Cheftrainer des amtierenden Champions der nordamerikanischen Basketballliga NBA und erneut alles überragenden Titelfavoriten der an diesem Mittwoch beginnenden neuen Saison. Historisches kündigt sich an für die Warriors, drei Meisterschaften in Folge, das haben zuletzt die Los Angeles Lakers um Kobe Bryant zu Beginn der Jahrtausendwende geschafft. „Die Jungs müssen sich bewusst sein, wie wichtig die kommende Saison ist“, sagt Kerr. Denn: „Es könnte das letzte Mal sein, dass es die Warriors in dieser Form gibt.“

Die selbstgeschriebenen Gesetze des US-Sports beginnen am Basketballunternehmen aus der Bay Area zu zerren, spätestens nach dem Ende des Spieljahres 2018/19, das ganz sicher eine Ära beschließen wird für die Warriors. Sie verlassen im Juli ihre Arena in Oakland, ihre Heimat seit den Sechzigerjahren, die älteste Arena in der NBA. Sie ziehen um in eine neue Hightech-Halle in San Francisco, es ist nicht weit, einmal rüber über die Bay Bridge Richtung Süden, 13 Kilometer Luftlinie – „und eine kulturelle Ewigkeit“, wie der „San Francisco Chronicle“ schrieb.

Die Warriors eilen hier strukturell den enormen sportlichen Erfolgen der zurückliegenden Jahre hinterher, aber der Umzug aus dem etwas verschlafenen Oakland in die pulsierende Weltstadt San Francisco wird zu einem Zeitpunkt kommen, da die Dominanz des Teams in der NBA wohl langsam an Selbstverständlichkeit verliert. In der kommenden Saison, so sieht es zumindest aus, kann sie wohl niemand schlagen, fünf Allstars sind fürs Startaufgebot vorgesehen: Zu Stephen Curry, 30, Kevin Durant, 30, Klay Thompson, 28, und Draymond Green, 28, hat sich im Sommer DeMarcus Cousins gesellt, ein 28-Jähriger Center, zuvor bei den New Orleans Pelicans. Eine aberwitzige Anhäufung von Qualität, die fast zwangsläufig zum vierten Titel in fünf Jahren führen muss. 87 Prozent der NBA-Manager tippen auf die Warriors als alten, neuen Champion. Das letzte Hurra?

Die Mechanismen der modernen NBA verhindern, dass dekadenprägende Dynastien entstehen wie jene des NBA-Rekordmeisters Boston Celtics, der zwischen 1959 und 1969 keinen einzigen Titel ausließ. Gehaltsobergrenzen und ein vertraktes Vertragssystem verhindern ähnliches in der Neuzeit des Basketballs, weshalb weder die Supertruppe der Chicago Bulls in den Neunzigern, noch jene der Lakers in den Achtzigern auch nur annähernd an jene elf Titel rankamen, welche Boston vor einem halben Jahrhundert innerhalb von 13 Jahren anhäufte. Und weshalb das auch den Golden State Warriors nicht gelingen wird. Lediglich Superstar und Dreierkönig Curry ist übers Jahr 2020 hinaus an den Klub gebunden, dank eines kolossalen, 201 Millionen Dollar umfassenden Fünjahresvertrags.

Boston größter Konkurrent

Sie sind bemüht, dieses Zukunftsrauschen erst einmal auszublenden im Herbst 2018. „Ich glaube, wir stehen vor einen aufregenden Saison“, sagt Kevin Durant, „es wird ein Spaß. Und wir werden sehen, was danach passiert.“ Der Flügelspieler, den die Titelsehnsucht 2016 aus Oklahoma in die Bay Area verschlug, wird selbst bereits mit Engagements in Los Angeles und bei den New York Knicks in Verbindung gebracht.

Die Zeit wartet nicht einmal auf die Warriors, die Historisches geschafft haben in den vergangenen Jahren, mit den Titeln, aber auch mit fließenden Teambasketball, Pass um Pass um Pass, veredelt von Einzelkönnern à la Curry. In der vergangenen Saison schon mühte sich das Ausnahmeteam regelrecht zum Titel, fast  ermüdet von der eigenen Überlegenheit, des ständigen Siegens scheinbar überdrüssig. Im Finale gab’s dennoch ein klares 4:0 gegen die Cleveland Cavaliers um Lebron James.

James, jene Überfigur der NBA, die den Warriors 2016 den Titel mit den Cavaliers quasi im Alleingang stahl, spielt jetzt in Los Angeles bei den Lakers, aber die größte Gefahr für Golden State kommt aus dem Osten. Den Boston Celtics um die Allstars Kyrie Irving, Gordon Hayward und Al Horford ist am ehesten zuzutrauen, den Warriors den Titel streitig zu machen. Doch in Oakland ist man bereit fürs große Finale. „Wir wollen uns mit Stil nach San Francisco verabschieden – nämlich mit der Meisterschaft“, kündigte Curry an. „Ich glaube, diese letzte Saison in Oakland wird eine sehr, sehr denkwürdige.“

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