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Fast so schön wie Fliegen: Anja Huber und ihr Geschoss.
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Fast so schön wie Fliegen: Anja Huber und ihr Geschoss.

Skeleton

Im Rausch der Rinne

Anja Huber hat gelernt, beim Skeleton die Bremse im Kopf abzuschalten.

Von REINHARD SOGL

Den Biss ins Wurstbrötchen hatte sich Anja Huber redlich verdient. Und außerdem war es reiner Selbstschutz. Bloß nicht noch mehr abnehmen, nach all den psychisch und physisch anstrengenden Tagen vor dem ersten Skeleton-Weltcup. Eineinhalb Kilo hatte die Berchtesgadenerin seit Wochenbeginn verloren, was in einer Sportart, in der Masse in direktem Zusammenhang mit der Geschwindigkeit steht, nicht eben von Vorteil ist. Doch weil die 25-Jährige, die bei einer Größe von 1,71 Metern sonst 63 Kilo auf die Waage bringt, sportlich seit dem vergangenen Winter ein Schwergewicht ist, hat sie dieses Handicap gut kompensiert. Mit dem minimalen Vorsprung von zwei Hundertstelsekunden auf die Lokalmatadorin Kerstin Szymkowiak, besser bekannt unter ihrem Mädchennamen Jürgens, startete die Weltmeisterin gestern in Winterberg in die vorolympische Saison. Den deutschen Erfolg am Tag der Bahnrekorde komplettierte Florian Grassl vom RC Königssee als Sieger bei den Männern. "Das stimmt im Hinblick auf den Weltcup und die Weltmeisterschaft optimistisch", kommentierte Anja Huber ihren Husarenritt fast unterkühlt, nachdem sie zuvor ihren goldenen Helm spontan in die Luft geworfen hatte.

Explosivität und ruhig Blut - in Anja Hubers Gefühlsregungen nach dem dritten Weltcupsieg ihrer Karriere spiegelten sich die Komponenten wieder, auf die es bei den Bauchrodlern ankommt. "Es ist eine Kombination aus 110-prozentigem Einsatz am Start und absoluter Coolness danach", beschreibt die quicke Frau das Anforderungsprofil der spektakulären Sportart, bei der sich die Athleten nach einem Sprint bäuchlings auf das Gefährt werfen. Der Kick beruht auf dem hautnahen Kontakt zum Eis. "Man spürt die Geschwindigkeit viel intensiver als beim Rodeln." Anja Huber muss es wissen. Vom sechsten bis zu ihrem 19. Lebensjahr erlebte sie den Rausch der Rinne als Rennrodlerin, ehe sie mangels Perspektiven im deutschen Team der Weltmeisterinnen buchstäblich Hals über Kopf den Schlitten tauschte. "Ich bin mir bei den ersten Fahrten vorgekommen wie eine blutige Anfängerin" - im Wortsinn. Denn gleich bei ihren ersten Skeleton-Versuchen erlitt sie einen Armbruch. Die Betriebswirtin im Fach Sportmanagement ließ sich nicht entmutigen, hatte aber bis zu ihrem WM-Titel 2008 gerade auf schwierigen Bahnen oft die Bremse im Kopf. So wie bei Olympia 2006, als sie nur Achte wurde, nachdem sie sich im Nominierungsstreit mit Erzrivalin und Medaillenkandidatin Kerstin Jürgens durchgesetzt hatte.

Die Zeit der Dissonanzen ist nun vorbei. "Zickerei bringt uns nicht weiter", hat nicht nur Kerstin Szymkowiak erkannt. "Gerade in den letzten elf Tagen in Lake Placid sind wir näher zusammengerückt, haben uns beim Material wie in der Fahrlinie gegenseitig unterstützt und auch verbessert", berichtete Anja Huber von den Fortschritten im zwischenmenschlichen Bereich beim Trainingslager auf der WM-Bahn in den USA. Und wie zur Bestätigung der Harmonie biss auch die zufriedene Zweitplatzierte vor der gestrigen Siegerpressekonferenz in ein belegtes Brötchen.

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