Den Fußballer Maik Franz gibt es nicht mehr.
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Den Fußballer Maik Franz gibt es nicht mehr.

Maik Franz

Raubein schiebt Kinderwagen

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Kreuzbandriss im Jahr 2011, Knorpelschaden im Mai 2014: Das rechte Knie von Maik Franz hat viel mitmachen müssen. Nun geht nichts mehr, der Fußballprofi beendet seine Karriere: „Tränen sind geflossen“.

Maik Franz ist richtig aus dem Häuschen. „Mega“ sei das, sagt er völlig begeistert, „hammerhart, brutal“, und: „Das ist jetzt ein ganz anderes Leben.“

Einen Tag zuvor hatte der 33 Jahre alte Stopper seine Fußballschuhe endgültig an den Nagel gehängt. Das lädierte Knie macht nicht mehr mit, „ein Riesenschock“ sei das gewesen, die Entscheidung „macht mich tief traurig“, weil „ich Fußball geliebt und gelebt“ habe.

Aber das Karriereende ist nicht der Grund für seinen emotionalen Höhenflug.

Maik Franz ist seit viereinhalb Wochen Vater, Mian heißt der Junge, Freundin Eva hat den Namen ausgesucht, und seitdem haben sich für das einstig Raubein der Bundesliga die Gewichte verschoben. Am Freitag, als die FR Maik Franz am Handy erwischte, schob der auf dem Platz so unerbittliche „Iron-Maik“ brav den Kinderwagen durch Berlin. „Das macht voll Freude.“

Die Geburt des Sohnes hat dem Profi ein wenig über den schweren Schritt hinweggeholfen. Natürlich ist es Maik Franz schwergefallen, mit dem Fußball aufzuhören, verdammt schwer. „Als ich das auf Facebook geschrieben und die Reaktionen der Fans dann gelesen habe, kamen mir echt die Tränen“, erzählt Maik Franz.

Aber es hatte ja keinen Sinn mehr ergeben. Am Mittwoch hatte er sein lädiertes Knie einem letzten Härtetest unterzogen, fußballspezifisch, mit Ball, irgendwo auf einem Berliner Sportplatz, den Namen des Klubs weiß Franz nicht, nur dabei: Er und sein Privattrainer. Sechs, sieben Monate Reha lagen da hinter dem Mann aus Merseburg und eine lange Leidensgeschichte.

2011 riss bei Franz das Kreuzband, er kam zurück, doch im Mai 2014 kam noch ein Knorpelschaden dritten Grades dazu, Meniskus und Bandapparat waren ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, Folgen auch seiner eisenharten Spielweise. Es sei alles ganz gut verlaufen, in der Reha hatte er keine Probleme mit dem Knie, laufen konnte er auch. Aber kaum war der Ball im Spiel, wurde das rechte Knie sofort wieder dick, es schmerzte. Da war allen klar: Das ist das Ende der Fußballer-Laufbahn von Maik Franz. „Wehmut ist schon da.“

Fast 15 Jahre hat er Fußball gespielt, er hatte eine eigene Art, sich auf dem Platz zu geben. Beinhart sowieso, dazu kultivierte er ein sehr spezielles provokantes Trash-Talking mit seinen Gegenspielern. Die Herren Gomez, Amanatidis, Bancé können ein Lied davon singen. Aber außerhalb des Platzes war und ist Maik Franz eine Seele von Mensch. Am meisten tut ihm weh, dass er „nie mehr in einem Stadion vor 60 000 Menschen spielen wird. Das ist das Geilste. Ich wollte gerne noch mal zurück, wollte einen richtigen Abschluss haben.“ Zuletzt war er vereinslos, sein Kontrakt mit Hertha BSC Berlin wurde im Sommer aufgelöst. Sein letztes Spiel machte er in der vierten Liga bei Hertha II gegen TSG Neustrelitz, im April 2014, ganze 742 Zuschauer wollten den Kick sehen.

Er will im Fußball bleiben

Die letzten zwei, zweieinhalb Jahre seien „echt beschissen“ gewesen, sagt er, wegen diverser Verletzungen hatte er in Berlin nie richtig Fuß gefasst. Aber das trübt nicht seinen Blick auf seine Karriere, auf 191 Bundesliga- und 40 Zweitligaspiele. An seine Stationen in Karlsruhe und Frankfurt erinnert er sich am liebsten, das „war emotional das beste“, und „ich glaube, ich habe dort auch kleine Duftmarken gelassen“, sagt er. In Frankfurt wurde er schnell zum Publikumsliebling, gerade in seiner ersten Saison bei der Eintracht 2009/2010, als er als Innenverteidiger erstaunliche sechs Tore erzielte – so oft traf er nie wieder.

Maik Franz will im Fußball bleiben, er ist aktuell in der Phase der Findung und Neuorientierung. Er ist lange genug dabei, um zu wissen, „wie das Geschäft läuft“, er hat Netzwerke und Kontakte geknüpft. Maik Franz wird sich nicht unterkriegen lassen, das Windelnwechseln hat er ja auch schon drauf.

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