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Könner mit vielen Facetten: Lewis Hamilton.

Formel 1

Der rastlose Glücksjäger

Lewis Hamilton ist auf dem Zenit seines Schaffens in der Formel 1.

Das mit Lewis Hamiltons Hollywoodkarriere muss warten. Titel sammeln, Rekorde brechen, die Formel 1 beherrschen – da bleibt dem Superstar des Renngeschäfts nicht mal Zeit für eine Nebenrolle in der Fortsetzung des Kultfilms „Top Gun“. „Mein Terminkalender ließ keinen Raum für die Dreharbeiten“, verriet Hamilton vor dem Großen Preis von Mexiko am Sonntag (bei Redaktionsschluss noch nicht beendet) . Die Erfolgsstory des Mercedes-Fahrers ist längst nicht auserzählt, daran wird auch ein sechster WM-Triumph nichts ändern.

Was Tom Cruise für die Filmindustrie ist, das ist Hamilton für die Formel 1: eine weltweite Zugnummer im Blockbuster-Format. Im Silberpfeil ist der 34-Jährige zum prägenden Piloten seiner Generation geworden, vor dem auch die größten Bestmarken des siebenmaligen Champions Michael Schumacher nicht sicher sind.

„Man darf nicht vergessen, welche Leistung dahinter steckt, sowohl von seiner Seite als auch von Mercedes“, stellte Sebastian Vettel im Autódromo Hermanos Rodríguez fest. „Er ist ein großartiger Fahrer, der auch persönlich die Geschichtsbücher des Sports umschreibt“, sagte Formel-1-Sportchef Ross Brawn.

Doch Hamilton ist viel mehr als ein grandioser Steuerkünstler. Dass er vor dem Auftritt in Mexiko in einem ESPN-Interview seine Schauspielambitionen ausplauderte, passt ins Bild vom rastlosen Glücksjäger, der auch abseits der Rennstrecke unablässig nach Erfüllung strebt. Hamilton hat sich ein eigenes Musikstudio eingerichtet. Hamilton entwirft Mode-Kollektionen. Und Hamilton, dessen jüngerer Bruder trotz Kinderlähmung auch Rennfahrer geworden ist, engagiert sich mit Überzeugung für benachteiligte Kinder. Ein Leben in Beschleunigung.

Dafür muss Hamilton bisweilen auch den harten Weg gehen. Als junger Kartpilot sei der Sohn eines Einwanderers aus Grenada rassistisch attackiert worden, erzählte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. „Wenn das einem Acht- oder Zehnjährigen passiert, hinterlässt das Narben, die einfach nicht verschwinden“, sagte der Österreicher. Noch immer ist Hamilton der einzige schwarze Rennfahrer der Formel 1.

Kampf um Anerkennung

Die Trennung der Eltern, das Zerwürfnis mit seinem ersten Teamchef Ron Dennis bei McLaren, die zerbrochene Liebschaft mit Popsternchen Nicole Scherzinger – Hamilton kennt auch die dunklen Stunden. Und er gewährt der Öffentlichkeit bisweilen tiefe Einblicke in seine Seele. Wie zuletzt, als er seine 13 Millionen Follower bei Instagram über seine Verzweiflung über Umweltsünden und das Versagen der Weltpolitik informierte. „Es passiert gerade so viel in meinem Leben, und es ist nicht immer einfach, positiv zu bleiben“, bekannte Hamilton.

Schwer tut sich der Serien-Champion auch damit, dass er in der Heimat keineswegs ungeteilte Bewunderung genießt. „Lewis erfährt vielleicht nicht die Anerkennung, die er verdient hätte“, stellte der frühere Weltmeister Damon Hill gerade erst fest. Dabei stehe Hamilton doch „gerade am Zenit seiner Schaffenskraft“.

Jedes dritte Rennen seiner Formel-1-Karriere hat Hamilton gewonnen, die meisten Pole Positions erobert und auch Schumachers Rekord von 91 Grand-Prix-Siegen fest im Blick. Angesichts der ungebrochenen Stärke von Mercedes winkt 2020 Titel Nummer sieben. Und dann? Hamiltons Vertrag läuft Ende 2020 aus. Eine Regelreform könnte das Kräfteverhältnis in der Formel 1 ändern. „Lewis hat eine klare Meinung, wo er sich in Zukunft sieht“, sagte Teamchef Wolff in Mexiko. Hollywood aber meinte er damit sicher nicht. (dpa)

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