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Rassismus in den USA: Aus den „Redskins“ wird das „Washington Football Team“

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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Das NFL-Team aus Washington verzichtet künftig auf den Namen „Redskins“. Die Proteste gegen die rassistische Bezeichnung waren zuletzt immer lauter geworden.

  • Das NFL-Team aus Washington sucht einen neuen Namen.
  • US-Präsident Donald Trump kritisiert die Entscheidung.
  • Diskussion über Rassismus in den USA wird wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl immer wichtiger.

Update 24.07.2020, 07:20 Uhr: Die Washington Redskins aus der US-Profiliga NFL legen mit sofortiger Wirkung ihren Namen ab und treten in der neuen Saison übergangsweise als Washington Football Team an. Das gab der Klub am Donnerstag in einer Mitteilung bekannt. Die Franchise hatte zuletzt bereits die Änderung ihres viel kritisierten Klubnamens angekündigt und entschied sich nun für eine Zwischenlösung.

Mit dem Schritt verschafft sich Washington Luft für die Suche nach einem neuen Namen. Offenbar war den Verantwortlichen der Washington Redskins die Zeit vor dem Auftaktspiel am 13. September gegen die Philadelphia Eagles zu kurz. Bis zum ersten Saisonspiel soll die Bezeichnung Redskins („Rothäute“) nirgends mehr zu lesen sein. Die Teamfarben Burgunderrot und Gold bleiben unangetastet, der Twitter-Account wurde bereits umgestellt.

Fans reagieren auf neuen Namen der Washington Redskins: „Das ist ein Witz“

Bei den Fans kam die Idee nicht gut an. „Das ist ein Witz“, schrieb ein User bei Twitter, ein anderer kommentierte: „Ein inkompetentes Team macht das, was es am besten kann.“ Ein weiterer fragte: „Und das ist wirklich das Beste, was euch eingefallen ist?“

Verschwinden wird auch das Redskins-Logo, es zeigt einen Indianer im Profil. Zuletzt hatte der Klub bekannt gegeben, dass Mehrheitseigentümer Daniel Snyder und Headcoach Ron Rivera bereits an einem neuen Namen und einem neuen Design arbeiten.

Auch die Cleveland Indians aus der Major League Baseball (MLB) denken über einen Namenswechsel nach. Klubbesitzer Paul Dolan sagte am Donnerstag, dass er darüber mit führenden Köpfen der indianischen Gemeinschaft sprechen möchte.

Er wolle die Sicht seiner Gesprächspartner „besser verstehen“, so Dolan, auch Spielern, Fans, Partnern und Angestellten möchte er zuhören. Das Klublogo mit dem Indianer „Chief Wahoo“ hatten die Indians nach der Saison 2018 abgelegt.

Rassismus in den USA: Washington Redskins legen Namen ab

Update, 15.45 Uhr: Nun ist es auch offiziell. Das NFL-Team aus Washington verabschiedet sich nach jahrelanger Kritik von amerikanischen Ureinwohnern von seinem bisherigen Namen „Redskins“ (Rothäute). „Am 3. Juli haben wir den Beginn einer gründlichen Überprüfung des Teamnamens bekanntgegeben. Heute geben wir bekannt, dass wir den Namen und das Logo der Redskins nach Abschluss dieser Überprüfung zurückziehen werden“, teilte der NFL-Klub heute mit.

„[Teambesitzer] Dan Snyder und Coach Rivera arbeiten eng zusammen, um einen neuen Namen und Designansatz zu entwickeln, der das Ansehen unseres stolzen, traditionsreichen Franchise stärkt und unsere Sponsoren, Fans und die Community für die nächsten 100 Jahre inspiriert“, teilte der Verein aus Washington weiter mit.

Rassismus in der NFL: Teambesitzer hat die Änderung des Namens lange kategorisch abgelehnt

Erstmeldung vom 13.07.2020: Washington – In den USA hat jedes Sportteam einen Spitznamen. Da treffen dann die Bären auf die Giganten, die Wikinger auf die Patrioten, die Delphine auf die Adler. Das ist meistens lustig und in der Regel völlig harmlos. Doch es gibt auch Ausnahmen. Dazu gehört zum Beispiel der Name des Footballteams aus der US-Hauptstadt Washington. Die Bezeichnung „Redskins“ („Rothäute“) sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Streit in der National Football League (NFL).

Tatsächlich versuchen amerikanische Ureinwohner schon seit mehreren Jahrzehnten, Team und Liga dazu zu bringen, den Namen zu ändern. Doch bisher waren die Diskussionen darüber jedes Mal sehr schnell im Keim erstickt worden, weder die NFL noch die jeweiligen Teambesitzer sahen einen Grund, aktiv zu werden. Geändert hatte sich in all den Jahren in der Tat nur eins: Im Schlachtgesang des Teams wird seit 1972 nur noch gefordert, den Gegner doch bitteschön zu besiegen („Beat ‘em“), ganz sportlich-nüchtern sozusagen. Das klingt weit milder als das, was zuvor gewünscht war. Da ist noch vom Skalpieren die Rede gewesen („Scalp ‘em“).

Noch im Jahr 2013 hatte Teambesitzer Dan Snyder eine Änderung des Namens kategorisch abgelehnt. „Wir werden den Namen niemals ändern“, sagte Snyder damals der Zeitung „USA Today“. „So einfach ist das. NIE – Ihr könnt ruhig Großbuchstaben verwenden.“

Rassismus in den USA: In der NFL setzt ein Umdenken ein

Sieben Jahre später ist aus dem „Nie“ ein „Jetzt“ geworden. Noch am heutigen Montag (13.07.2020) wird das Footballteam aus Washington den Namen „Redskins" ablegen. Tatsächlich hat in den USA seit dem Tod von George Floyd und den damit verbundenen Protesten gegen Rassismus ganz allmählich ein Umdenken eingesetzt, auch in der NFL und in Washington.

Schon Ende Juni hatten die Verantwortlichen einen ersten Schritt unternommen und die Statue des ersten Teambesitzer vom Gelände entfernt. Dass das Team mit George Preston Marschall nichts mehr zu tun haben wollte, hatte einen einfachen Grund: Marshall war einer der schlimmsten Rassisten in der Geschichte der NFL.

Das NFL-Team aus Washington trennt sich von seinem Namen.

Rassismus war in der NFL lange an der Tagesordnung

Und das will was heißen, denn vor allem in den Anfangsjahren der 1920 gegründeten NFL war Rassismus ohnehin an der Tagesordnung. Marshall aber wollte von schwarzen Spielern in seinem Team lange Zeit überhaupt nichts wissen. Dass er im Jahr 1962 dann doch die ersten unter Vertrag nahm, hatte nur wenig mit einem Stimmungswandel zu tun. Die Regierung hätte es ihm sonst nämlich nicht gestattet, im neugebauten Stadion zu spielen.

Teamgeschichte
NameBoston Braves (1932)
Boston Redskins (1933 bis 1936)
Washington Redsksins (seit 1937)
Meistertitel5
Championship2 (1937, 1942)
Super Bowl3 (1982, 1987, 1991)
BesitzerDan Synder
TrainerRon Rivera

Der Druck von außen ist auch maßgeblich für die jetzige Namensänderung verantwortlich. Aufgrund der Proteste gegen Rassismus hatte der Namenssponsor des Stadions die Verantwortlichen Anfang Juli dazu aufgefordert, sich von dem Spitznamen des Teams zu trennen. Weitere Sponsoren folgten dem Aufruf, der Ausrüster und Handelsketten nahmen Trikots und weitere Fanartikel aus ihren Angeboten.

Donald Trump kritisiert Änderung des Namens

Auch Trainer Ron Rivera hatte sich für eine Namensänderung vor dem Beginn der kommenden Saison ausgesprochen. US-Präsident Donald Trump hatte einen möglichen Abschied vom Namen „Redskins“ kritisiert. Auch, dass das Baseball-Team aus Cleveland über eine neue Bezeichnung nachdenkt, gefällt Trump ganz und nicht. „Politische Korrektheit" hat er schon im Wahlkampf 2016 thematisiert, jetzt versucht es Trump wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl am 3. November erneut. (Christian Stör)

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