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Auf Titeljagd: Marco Koch.
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Auf Titeljagd: Marco Koch.

Schwimmer Marco Koch

Rasieren und experimentieren

  • VonKatja Sturm
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Der Darmstädter Marco Koch ist noch etwas füllig um die Hüften, aber nicht schwach auf der Brust. Für den letzten Kick sorgt bei ihm eine Ganzkörperrasur. Bei der deutschen Meisterschaft ist die EM-Qualifikation das Ziel. Von Katja Sturm

Der Darmstädter Marco Koch ist noch etwas füllig um die Hüften, aber nicht schwach auf der Brust. Für den letzten Kick sorgt bei ihm eine Ganzkörperrasur. Bei der deutschen Meisterschaft ist die EM-Qualifikation das Ziel. Von Katja Sturm

Die Tasche ist voll. Schokolade, Gummibärchen, Brausepulver - alles, was geeignet ist, um Marco Koch aus dem täglichen Mittagstief herauszukicken, hat er mit nach Berlin genommen. "Ich esse einfach zu gerne Süßigkeiten", gibt der 20-Jährige zu. Weshalb auch noch "das eine oder andere Kilo" zu viel dem perfekten Schwimmkörper im Weg steht. Doch der Sportsoldat ist erst mal froh, überhaupt die Hälfte der zehn Kilo wieder von den Hüften zu haben, die er sich im vergangenen Herbst während der trainingsarmen Grundausbildung zugelegt hatte. Und: "Ich habe Muskelmasse aufgebaut."

Die soll ihm, der ob seiner Jugend erst seit eineinhalb Jahren systematisch Krafttraining betreibt, nun helfen, bei der am heutigen Mittwoch beginnenden deutschen Meisterschaft seinen Titel über 200 Meter Brust zu verteidigen und sich so für die Europameisterschaft Mitte August in Budapest zu qualifizieren. "Das", sagt Koch, "ist mein einziges Ziel." Von Rekorden und Bestzeiten spricht rund um das Becken sowieso keiner mehr, seit die Schwimmer sich seit Jahresbeginn nicht mehr in die Hightechhäute der Ausrüster zwängen dürfen. Doch die Erinnerungen an die schönsten Zeiten lässt auch Koch gerne noch mal aufleben.

Fast genau ein Jahr ist es her, da sprang der Darmstädter als großes Talent ins Berliner Becken und tauchte überraschend als Europarekordhalter wieder auf. 2:08,37 Minuten zeigte die Uhr nach 200 Metern im Bruststil an. Hoffnungen waren genährt auf eine Medaille des Jungstars bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft. Aber in Rom versagten die Nerven: Koch verlor nicht nur das Rennen um einen Finalplatz, sondern auch seinen Europarekord.

Angesichts all der großen Namen, die neben ihm auf den Startblöcken standen, "hatte ich die Hosen voll", gibt er offen zu. Ein Problem, das er trotz der Arbeit mit dem Psychologen Klaus Egert noch nicht im Griff habe. Bei der Mare Nostrum Tour, mit der er sich wie viele Kollegen kürzlich auf die nationalen Titelkämpfe vorbereitete, habe er sich im Kräftemessen mit herausragenden Konkurrenten bisweilen wieder beirren lassen. Die erzielten, nur knapp über der EM-Norm liegenden Zeiten, etwa die 2:13,86 auf der ersten Station in Monaco, lassen ihn aber zuversichtlich auf die Wettbewerbe in Berlin schauen, wo der Brustspezialist neben seiner Paradestrecke auch noch über 50 und 100 Meter starten wird.

Essen, Schlafen, Schwimmen

"Ich bin selbst sehr gespannt, wie es wird", sagt er. Zumal er seit Monaten immer wieder von Krankheiten oder Verletzungen gebremst wird. Nach zwei deutschen Kurzbahnrekorden über 100 und 200 Meter Brust bei den nationalen Titelkämpfen im September musste er auf die EM in Istanbul krankheitsbedingt verzichten. Anfang des Jahres behinderte eine Knieverletzung den geplanten Trainingsauftakt, und auch das für Mai geplante erste Höhentrainingslager seiner Karriere platzte gesundheitsbedingt. Doch Koch sieht das locker: "Ich glaube, mein Körper braucht diese Pausen", sagt er. Danach fühle er sich nämlich immer "total erholt".

Sowieso diene das Jahr 2010 dem Lernen und Experimentieren. Als Sportsoldat beschränkt sich Kochs Leben derzeit auf Essen, Schlafen, Schwimmen, "das muss ich erst mal verkraften". Das Profidasein gibt dem Frankfurter Stützpunktathleten jedoch Gelegenheit, seine Bahnen bei verschiedenen Trainern zu ziehen. "Das ist anstrengend, aber positiv als Lern- und Reifeprozess."

Luft nach oben sieht der Hoffnungsträger jedoch auch aktuell noch. Die neuen, schrägen Startblöcke weiß er nicht recht zu nutzen, "da weiß ich beim Absprung nicht, was ich mit meinen Armen machen soll". Das will er bis zu den entscheidenden Starts in Berlin aber noch rausbekommen. Und für den letzten Kick sorgt eine Ganzkörperrasur: "Die", sagt er, "macht das Fehlen der Anzüge fast wieder wett."

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