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Ralf Rangnick hat fertig.
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Ralf Rangnick hat fertig.

Trainerwechsel bei Hoffenheim

Rangnicks starker Abgang

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Hoffenheims Coach schmeißt hin, weil Mäzen Hopp Leistungsträger Gustavo hinter seinem Rücken verkauft. Am Ende bot das Verhältnis des einst so erfolgreichen Führungsduos ein erschütterndes Bild.

Mehr als einmal kniff Ralf Rangnick die Lippen zusammen. Schwieg in Momenten, in denen es in der Vergangenheit so oft aus ihm herausgeplatzt ist. Machte gute Miene zum bösen Spiel. Immerhin: Der Trainer beendete die Zusammenarbeit mit der TSG 1899 Hoffenheim während einer skurrilen Pressekonferenz am Sonntag im Trainings- und Geschäftsstellenzentrum von Zuzenhausen mit Würde und Anstand. Es ging um die Bestätigung einer schon am Vorabend kursierenden Nachricht: Mit sofortiger Wirkung haben sich der ehrgeizige Rangnick und der von Mäzen Dietmar Hopp ambitioniert in die Bundesliga gehievte Dorfklub getrennt – allerdings nicht im gegenseitigen Einvernehmen, wie es der Verein öffentlich verkaufen wollte.

Denn hinter der sich seit Tagen abzeichnenden Trennung steckt ein tiefer Riss zwischen Cheftrainer und Geldgeber, der darin seine Ursache hat, dass Hopp den Leistungsträger Luiz Gustavo im Alleingang an den FC Bayern München verkauft hat ? gegen den Willen des Managers Ernst Tanner und ohne Wissen Rangnicks. Eine Provokation, die sich der 52-jährige Trainer nicht gefallen lassen wollte und konnte. „Es ist ein ungewöhnlicher, einzigartiger Vorgang, dass so ein Spieler ohne direkten Informationsfluss zum Trainer verkauft wird. Da war alles klar, daraus habe ich meine Schlüsse gezogen“, berichtete der Familienvater mit gedrückter Stimme. „Welches Zeichen ist das für die Rückrunde an die Mannschaft“, fragte Rangnick weiter, „wenn der beste, weil konstanteste Spieler verkauft wird?“

Edelsymbiose endet in tiefem Vertrauensverlust

Der Vertrauensverlust unter den Alphatieren Hopp und Rangnick war zwischen Weihnachten und Neujahr nicht mehr zu kitten. Sprach Rangnick rückblickend zwar von einer „Edelsymbiose“, die sein viereinhalbjähriges Wirken im Kraichgau für beide Seiten gewesen sei, bot sich am Ende ein erschütterndes Bild.

Bezeichnend: Bereits am 17. Dezember war Hopp zusammen mit Tanner und Gustavo-Berater Roger Wittmann zu ersten Verhandlungen in München – Rangnick wusste von nichts und wurde auch Tage später nicht über den wahren Sachverhalt aufgeklärt. Letztlich habe er den Fakt, dass der 23-jährige Brasilianer, 2007 für den Spottpreis von einer Million Euro vom Zweitligisten CRB Maceio geholt, nun für rund 15 Millionen Euro zum Rekordmeister transferiert werde, erst von Anrufen eines gut informierten Bild-Journalisten und des Beraters von David Alaba erfahren. Der dunkelhäutige Wiener kommt nämlich als Gustavo-Ersatz auf Leihbasis zur Rückrunde nach Hoffenheim.

Das 18-Jährige Bayern-Talent wird dort künftig von einem ausgewiesenen Jugendspezialisten auf den Rückrundenauftakt am 15. Januar bei Werder Bremen vorbereitet. Marco Pezzaiuoli, 42, erst seit Saisonbeginn in den Trainerstab aufgenommen und vertraglich bis 2014 gebunden, rückt zum Chefcoach auf, weil mit Rangnick auch dessen Co-Trainer Peter Zeidler geht. Tanner versprach sogleich: „Marco ist mehr als eine Interimslösung“.

Pezzaiuoli führte DFB-Junioren zur Europameisterschaft

Der eloquente Pezzaiuoli, gebürtiger Mannheimer, 1999 mal Jugendkoordinator unter einem gewissen Joachim Löw beim Karlsruher SC, erwarb sich 2009 erste bundesweite Bekanntheit beim Deutschen Fußball-Bund, als er die U-17-Junioren zum Europameistertitel führte.

Schon beim Hallenturnier in der Mannheimer Arena stand er verantwortlich bei Hoffenheim an der Bande, nachdem Rangnick den nachmittäglichen Trainingsauftakt noch dazu genutzt hatte, um sich von der Mannschaft zu verabschieden. Er wäre auch ganz gewiss mit dem maßgeblich von ihm zusammengestellten Aufgebot am Montag ins Trainingslager ins spanische La Manga geflogen, wenn der Gustavo-Deal nicht unter für ihn inakzeptablen Umständen abgelaufen wäre. Rangnick verhehlte irgendwann nicht mehr, wie tief ihn dies getroffen hat: „Das war das letzte Signal, dass sie einen wie mich hier nicht mehr brauchen.“ Nach den insgesamt fast anderthalbstündigen Ausführungen erhielt Rangnick spontan Applaus. Hopp vermochte die teils dubios-diffusen Hintergründe an diesem Wintertag nicht erhellen. Nur so viel ließ die graue Eminenz aus der Ferne mitteilen: „Wir sind ein vergleichsweise kleiner Bundesligist mit einem kleinen Stadion. Verständlich, dass Ralf Rangnick, nachdem das ‚Projekt erste Liga’ schon nach zwei Jahren vollendet war, Herausforderungen in anderen Dimensionen sucht und damit naturgemäß in Hoffenheim an Grenzen stößt.“

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