Gewann bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang Bronze: Ramona Hofmeister.
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Gewann bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang Bronze: Ramona Hofmeister.

Interview

Ramona Hofmeister: „Die Kugel wäre ein Riesentraum“

  • vonUlli Kellner
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Snowboarderin Ramona Hofmeister über ihre gute Form, Ziele bei Großereignissen und warum sie ihre Punkte im Weltcup nicht zählt.

Ramona Hofmeister hat in diesem Winter vier Rennen hintereinander gewonnen, dazu zwei Teamwettbewerbe. Die 23-jährige Slalomspezialistin aus Bischofswiesen führt souverän die Weltcup-Gesamtwertung an.

Frau Hofmeister, Sie standen nach allen acht Starts in diesem Weltcupwinter der Snowboarderinnen auf dem Podium, allein sechsmal durften Sie sich als Siegerin feiern lassen. Haben Sie eine Erklärung für ihren Lauf?

Ab und zu fehlen mir da selber die Worte. Ich würde es auf die gute Vorbereitung schieben und auf unser gut aufgestelltes Team, auch von den Trainern her. Schon das Sommertraining ist bei mir perfekt gelaufen. Und ganz wichtig, das sage ich immer: Der Kopf muss halt passen, vielleicht ist der Kopf sogar das Wichtigste.

Ihr Standardsatz ist: „Ich mach mir halt keinen Kopf.“ Erstaunlicherweise lassen Sie sich nicht mal von größeren oder kleineren Problemchen aufhalten, im Gegenteil.

In der Vorbereitung bin ich an der Schulter operiert worden – und ein bisschen angeschlagen war ich jetzt auch, aber nur eine Erkältung. Die Pause nutzen wir dazu, uns fit zu halten, ein bisschen zu regenerieren und das Renngefühl nicht zu verlieren. Der nächste Weltcup ist ja erst Ende Februar in Korea.

Ist Ihnen der Gesamtweltcupsieg überhaupt noch zu nehmen?

Ramona Hofmeister.

Ich weiß es gar nicht. Ich bin weder eine großere Rechnerin noch jemand, der da groß nachschaut. Neulich hat mir ein Kumpel meinen Punktestand geschickt, da hab ich erst mal gefragt, was das für eine Zahl ist. Das bin ich wirklich nicht, dass ich da rumrechne, wie hoch mein Vorsprung ist.

Die Kristallkugel ist aber vermutlich Ihr großes Ziel in einem Winter ohne Olympische Spiele und WM, oder?

Klar, das ist das Riesenziel – und es wäre ein Riesentraum, der sich erfüllen würde, wenn ich am Ende mit der Kugel dastehe. Ich versuche jetzt einfach weiterzumachen wie bisher, das bedeutet Spaß zu haben, leidenschaftlich Snowboard zu fahren und die Punkte für den Moment zu vergessen.

Kommt Ihre Wahnsinnsform nicht ein Jahr zu früh?

Überhaupt nicht, im Gegenteil. Ich würde sagen: Da kann ich jetzt erst recht drauf aufbauen (lacht).

Um bei der WM 2021 in Zhangjiakou die nächste Medaille anzugreifen nach Olympiabronze 2018.

Ich bin kein Mensch, der weit vorausplant, aber natürlich wäre es schön, wenn ich da eine Medaille in einer anderen Farbe mit nach Hause nehmen könnte. Der Titel Weltmeisterin klingt bei der Selina schon sehr schön (gemeint: Teamkollegin Jörg, die 2019 in Park City den PGS gewann, Anmerkung der Redaktion).

Und 2022 stehen ja schon die nächsten Olympischen Spiele an.

Auch in Peking wäre eine andere Medaillenfarbe schön. Aber das ist immer schwierig zu planen, denn wir müssen ja nicht nur einmal perfekt runterfahren, sondern sechsmal.

Aktuell scheinen Sie wenig gefordert zu werden. Schon mal darüber nachgedacht, wie die Tschechin Ester Ledecka auch noch im Ski-Weltcup zu starten?

Nein, danke (lacht). Ich ziehe wirklich meinen Hut vor ihr und habe größten Respekt, wie sie das macht, aber ich könnt es nicht. Ich geh zwar gerne mal auf eine Skitour, aber ansonsten bin ich eine richtig schlechte Skifahrerin. Für ein Spaßevent könnte es reichen, aber nicht für ein Skirennen.

Erstaunlicherweise haben Sie selbst nach Ihrem olympischen Coup um Sponsoren kämpfen müssen. Wirkt sich Ihr jetziges Formhoch diesbezüglich positiv aus?

Zum Glück schon. Das Interesse an unserem Team steigt gerade allgemein. Es kamen ein paar Anfragen von Sponsoren, und man genießt es natürlich auch, wenn einen das ZDF ins Morgenmagazin einlädt.

Interview: Ulli Kellner

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