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Überraschte alle nach seiner schweren Knieverletzung: Thomas Dreßen. 

Abfahrt

Die Rakete auf der Abfahrtspiste

Thomas Dreßen beendet die Weltcup-Saison in seiner Spezialdisziplin auf dem zweiten Rang.

Das letzte Bild seiner herausragenden Saison hätte sich Thomas Dreßen besser kaum vorstellen können. Die Abfahrt der Weltcup-Saison war gerade vorüber, als er sich am Fuße des Olympiabakken im norwegischen Kvitfjell ein weiteres Mal zu einem Siegerfoto aufstellen durfte. Geehrt wurden die Besten des Winters in der alpinen Königsdisziplin, und hinter Abfahrtskönig Beat Feuz aus der Schweiz hat es Dreßen völlig unerwartet in die Rolle des Kronprinzen geschafft.

„Grundsätzlich war die Saison unglaublich, und die drei Siege waren eh der Wahnsinn“, sagte Dreßen, nachdem er die neunte und wegen der Absage des Weltcupfinales letzte Abfahrt der Saison als guter Achter beendet hatte. „Ich bin in Schönheit gestorben, das war nichts Besonderes“, sagte der 26-Jährige, mit dem Gesamteindruck war freilich auch er zufrieden: „Wenn mir das jemand vor der Saison gesagt hätte, dass ich auf dem zweiten Platz liege, hätte ich es nicht geglaubt.“

Tatsächlich ahnte keiner, was Dreßen in diesem Winter gelang. 2018 war er bereits Dritter gewesen im Abfahrtsweltcup, nach seinem Totalschaden im Knie im November 2018 aber war dieser Winter eigentlich als „Aufbausaison“ gedacht, „wir wollten ihn unabhängig von Ergebnissen wieder an die Weltspitze heranführen“, betonte Alpinchef Wolfgang Maier nochmals. Dann aber ging alles unfassbar schnell mit dem Comeback. „Er ist die völlige Rakete gewesen“, sagte Maier anerkennend.

Nur Feuz konstanter

Zunächst gewann Dreßen sensationell die erste Abfahrt der Saison in Lake Louise in Kanada – zuletzt dann auch in Garmisch und in Saalbach in Österreich. Wohlgemerkt in einem Winter, „in dem du diese Verletzung ja auch erst mal mental verarbeiten musst“, wie Maier erläuterte. Dreßen und sein gesamtes Team könnten daher „extrem stolz“ sein auf diese „außergewöhnlich gute Saison“, sagte der Alpinchef, sie zeige auch, welche „außergewöhnlichen Fähigkeiten er hat“.

Konstanter als der formidable Deutsche war nur der Routinier Feuz: Der Schweizer stand nach der Absage der Finalrennen in Cortina (18. bis 22. März) schon am Freitag zum dritten Mal nacheinander als bester Abfahrer der Saison fest, 212 Punkte lag er vor Dreßen. Der zweifache Olympiasieger Matthias Mayer (Österreich), der die letzte Schussfahrt vor Aleksander Aamodt Kilde (Norwegen), Carlo Janka (Schweiz) sowie Feuz gewann, kam nur noch bis auf 14 Punkte an den Deutschen heran.

Mit seinem Rennen war Dreßen auf der Strecke, auf der er seinen zweiten von mittlerweile fünf Weltcupsiegen gefeiert hatte, nicht ganz zufrieden. Er sei dann doch zu sehr auf Nummer sicher gegangen, aber „nach der Brezn in Hinterstoder war das okay“, sagte er – es nehme ihm auch sicher keiner krumm, „dass ich erst mal geschaut habe, dass ich sauber runterfahre“. Bei besagter „Brezn“ (Sturz) vor einer Woche hatte sich Dreßen beide Schultern ausgekugelt.

Weil der Super-G am Sonntag in Kvitfjell wegen Nebel, Regen und weicher Piste abgesagt wurde, war die Saison für Dreßen noch früher beendet als geplant – angesetzt sind nur noch der Riesenslalom und der Slalom am Wochenende im slowenischen Kranjska Gora. Kilde nimmt dorthin nur 54 Punkte Vorsprung im Gesamtweltcup auf den Franzosen Alexis Pinturault mit.

Den Gesamtsieg im Super-G verpasste der Norweger nach der Absage am Sonntag um 29 Punkte – die Kristallkugel ging an Mauro Caviezel (Schweiz). 

sid

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