+
Vertrautes Bild: Rafael Nadal mit Pokal, diesmal in Rom.

Tennis

Rafael Nadal - bereit für „El Doce“

  • schließen

Vor den French Open ist Rafael Nadal wiedererstarkt.

Im Laufe der Woche, die ihm den ersten Turniersieg des Jahres einbringen sollte, hat Rafael Nadal einen Spruch formuliert, der das Zeug zum Klassiker hat. Der 32-Jährige sagte: „Was in Monte Carlo passiert ist, ist passiert, und was in Barcelona passiert ist, ist passiert, und was in Madrid passiert ist, ist passiert. Und hier sind wir nun. Wir sind in Rom.“ In Monte Carlo und in Barcelona und in Madrid passierte, was bei Nadal, dem seit mehr als einem Jahrzehnt unumstrittenen Sandplatzkönig der Tenniswelt, auf der roten Asche eigentlich undenkbar ist. Er schied aus, jeweils im Halbfinale. Eine Götterdämmerung? Mitnichten.

Am Sonntag, im Finale von Madrid, schlug der Spanier seinen ewigen Rivalen Novak Djokovic mit 6:0, 4:6, 6:1. Es war sein 34. Titelgewinn bei einem Masters-100-Turnier (Rekord), der bedeutendste Serie nach den Grand-Slam-Veranstaltungen im Tennis, und es war außerdem: eine Demonstration der Macht. „Der Sieger der French Open? Rafael Nadal, wer sonst“, sagte Djokovic in der italienischen Hauptstadt. Das wichtigste Sandplatzturnier beginnt am kommenden Montag, und Nadal könnte seinen eigenen Rekord am Bois de Boulogne ausbauen. Es winkt „El Doce“, der zwölfte Titel.

Dinge passieren, seltsame Dinge, aber am Ende heißt der Favorit in Paris wie immer Nadal.

„Ihr habt nach Titeln gefragt? Endlich habe ich einen“, sagte der Weltranglistenzweiten einigermaßen erleichtert, die Saison ist bislang ja holprig verlaufen für seine Maßstäbe. Im Finale der Australian Open wurde er von Djokovic in drei humorlosen Sätzen überrannt, danach folgten eine Achtelfinalniederlage gegen Nick Kyrgios in Acapulco und der verletzungsbedingte Verzicht auf das Halbfinale gegen Roger Federer in Indian Wells. In Monaco, Barcelona und Madrid hießen seine Bezwinger Stefanos Tsitsipas, Dominic Thiem und Fabio Fognini. Erst in Rom fand Nadal wieder zu sich und seinem Spiel, und in Wahrheit war ihm das wichtiger als der nächste Titel. Davon hat er ja genug.

„Ich spiele gut und fühle mich gesund, mit der Energie, die ich brauche“, erklärte Nadal seine Leistungsexplosion in Italien: „Und wenn das so ist, dann kämpfe ich früher oder später auch um Titel.“ Sieben der zehn Satzgewinne, die der Mallorquiner auf der Asche von Rom verzeichnete, waren ein 6:1 oder ein 6:0. Dadurch verbrachte er insgesamt viereinhalb Stunden weniger auf dem Court als Finalgegner Djokovic, der nach seinem Halbfinale zudem mehr als fünf Stunden weniger Erholungszeit hatte. Dem Weltranglistenersten aus Serbien, der morgen seinen 32. Geburtstag feiert, war der Kräfteverschleiß im Endspiel deutlich anzusehen. Auch so war zu erklären, dass es im ersten Satz zu einer Premiere kam: Ein glattes 6:0, erstmals in der 54. Begegnung der beiden (kein Duell gab es häufiger in der Geschichte der ATP-Tour).

„Mir ist heute ein bisschen das Benzin ausgegangen“, räumte Djokovic ein, „mir hat meistens ein halber Schritt gefehlt.“ Mehrere Schmetterbälle, eigentlich Routinearbeit für den serbischen Könner, landeten im Netz, und immer wieder versuchte er die Ballwechsel mit Stoppbällen zu verkürzen. Dass es Djokovic trotz offensichtlicher Unterlegenheit gelang, den zweiten Satz für sich zu entscheiden, spricht für seine Widerstandsfähigkeit. Große Hoffnung auf den French-Open-Titel, es wäre gar sein vierter Grand-Slam-Triumph nacheinander, macht Djokovic sich aber nicht. „Nadal ist Favorit Nummer eins, ohne Zweifel“, sagte er: „Danach kommen alle anderen.“ Reihenfolge offen. (mit sid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion