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Können erst wieder im Sommer für Deutschland spielen: Johannes Voigtmann (vorne) und Maximilian Kleber (links).

Basketball

Ränkespiele unterm Korb

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Der Streit im europäischen Basketball ist seit drei Jahren ungelöst. Jetzt könnte Bewegung in das Thema kommen, denn die Ligen stellen sich auf die Seite der Fiba gegen die Euroleague.

Henrik Rödl kennt es nicht anders. Wenn der Basketball-Bundestrainer am Montag seine Auswahlspieler in Vechta versammelt, werden die besten deutschen Spieler fehlen. Die NBA-Stars Dennis Schröder, Daniel Theis oder Maximilian Kleber, genauso wie Johannes Voigtmann (ZSKA Moskau), Danilo Barthel (Bayern München) oder Niels Giffey (Alba Berlin) - wie immer in den seit November 2017 eingeführten Qualifikationsfenstern des Weltverbands Fiba. Denn weder die NBA, noch die Euroleague stellt ihre Spieler für die Nationalteams ab.

Als weiteres Kuriosum kommt hinzu, dass die EM-Qualifikationsspiele gegen Frankreich in Vechta (21. Februar) und in Newcastle gegen Großbritannien (24. Februar) belanglos sind, da die Auswahl des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) als Ausrichter des Kontinentalturniers 2021 mit Vorrunde in Köln sowieso qualifiziert ist. „Aus meiner Sicht wäre es vernünftig gewesen, die bereits qualifizierten Nationen in eine separate Gruppe zu bringen“, sagt Rödl. „Jetzt ist es anders. Wir werden die Spiele ernst nehmen.“ Das ist aber nur das kleinere Problem bei den Ränkespielen im Welt-Basketball.

Die nordamerikanische Profiliga NBA agiert komplett autark vom Rest – weil sie es kann. „Die NBA ist ein Business, das neun Milliarden Dollar umsetzt. Die Euroleague ungefähr 40 Millionen Euro und die Fiba 100 Millionen Euro“, zählt Kamil Novak auf. Es wäre zwar schön, die NBA mit ins Boot zu holen, „aber man muss die Welt realistisch sehen“, sagt der Geschäftsführer der Fiba Europe der FR über den Wunsch, die NBA zu überzeugen, die Nationalspieler abzustellen. Das wird nicht passieren.

Das größere Problem bleibt der ungelöste innereuropäische Disput zwischen der Fiba Europe und der Privatorganisation Euroleague, die den gleichnamigen höchsten europäischen Wettbewerb ausrichtet sowie den Eurocup. Die Fiba veranstaltet ihrerseits zwei andere Wettbewerbe, die Champions League und den Fiba Europe Cup, so dass es seit drei Jahren vier Wettbewerbe gibt. Vor kurzem hat die Europaabteilung der Fiba vor einem Schiedsgericht in Luxemburg einen Prozess gegen die Euroleague gewonnen und bekommt rund 1,4 Millionen Euro für ausstehende Zahlungen zugesprochen. Die Euroleague hatte die jährliche Abgabe als Ausrichter ihrer Vereinswettbewerbe im Jahr 2017 eingestellt. Begründung: Mit der Einführung des neuen Rahmenterminkalenders hätte die Fiba Vertragsbruch begangen. Auch in diesem Punkt bekam nun die Fiba Recht.

Jetzt könnte weitere Bewegung in das Thema kommen. Die Uleb, die Vereinigung der elf größten europäischen Ligen, hat sich am 22. Januar auf die Seite der Fiba geschlagen. Die hatte 2016 eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission gegen die Euroleague angestrengt, um die Abstellung der Nationalspieler zu erwirken. Ausgang offen.

„Es geht den Ligen vor allem darum, ein Zeichen zu setzen, um Gehör zu finden“ sagt Stefan Holz, der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga. Uleb-Präsident Thomas Van Den Spiegel erklärt: „Wenn man sieht, wie die Entscheidungen der Euroleague in den vergangenen Jahren Einfluss auf den Kalender genommen haben und die Beliebigkeit, wie man Zugang zu ihren Wettbewerben bekommt, haben wir alle die Notwendigkeit verspürt, unsere Rechte zu verteidigen.“

Die Euroleague ist eine geschlossene Gesellschaft. Von den 18 Teams sind elf Klubs Anteilseigner der Privatorganisation Euroleague und nehmen unabhängig vom Abschneiden in ihren nationalen Ligen am höchsten europäischen Wettbewerb teil. Das hat zur Folge, dass ein Team wie Olympiakos Piräus aufgrund von Querelen mit Rivale Panathinaikos Athen und dem griechischen Verband freiwillig in der zweiten Liga spielt. Dort tritt Piräus mit Nachwuchsleuten an, spielt dann aber mit ihren Topleuten in der Euroleague, eine absurde Konstellation. In der kommenden Saison kann sich kein nationaler Meister mehr direkt für die Euroleague qualifizieren, solange er keine Wildcard und eine sogenannte B-Lizenz bekommt.

Durch die vielen Spiele im höchsten Wettbewerb sehen viele Ligen zudem die Gefahr, dass die Euroleague irgendwann ihre Partien am Samstag und Sonntag austrägt. „Das Wochenende ist eine rote Linie“, stellt Holz klar. An der 2014 aufgestellten Vision der Koexistenz von Euroleague und nationalen Ligen will Jordi Bertomeu, der Geschäftsführer der Euroleague, zwar nicht rütteln. „Wir planen keine Veränderung“, sagt der Spanier zu einer weiteren Vergrößerung des Wettbewerbs im Fachmagazin „BIG“. Allerdings: „Je besser diese Liga wird, desto weiter wird sie sich von den nationalen Ligen entfernen. Und desto schwieriger wird es auch für die Klubs werden, in dieser Liga mitzuspielen und für die Liga auch einen Wert zu haben.“

Teams aus Griechenland, der Türkei, Zalgiris Kaunas in Litauen und Maccabi Tel Aviv in Israel haben sich längst von ihrer Liga entkoppelt. Zu den Ligaspielen dort kommen maximal ein paar Tausend, zu den Partien in der Euroleague sind die Hallen gegen die Topklubs proppevoll. Ausgeglichener sind die Ligen derzeit in Spanien, Italien und Frankreich. In Deutschland können selbst die Klubs aus der Mittelklasse nicht mit dem FC Bayern Schritt halten. In der BBL liegt der FC Bayern mit seinem Etat von rund 23 Millionen weit vor dem Rest der Liga. Mit der neuen Halle soll das Budget auf perspektivisch 30 Millionen Euro anwachsen.

Viele der Euroleague-Top-Teams haben zudem defizitäre Budgets, die durch die Fußballabteilungen bei Klubs wie Fenerbahce Istanbul, dem FC Barcelona oder Real Madrid ausgeglichen werden müssen. Es fehlen große TV-Verträge. Trotzdem: „Die Euroleague ist schon ein attraktives Produkt“, sagt Stefan Holz. In Frankfurt oder Hamburg hofft man, mittel- bis langfristig mit neuen Hallen einen festen Platz im stärksten Klubwettbewerb nach der NBA ergattern zu können - ohne dabei die Liga zu vernachlässigen.

„Uns ist wichtig, dass die nationalen Wettbewerbe geschützt werden“, sagt Kamil Novak. Dass Bertomeu in der „BIG“ nun Gesprächsbereitschaft andeutet, wertet Novak als positives Signal: „Wir müssen einen gemeinsamen Weg finden“, sagt er. Eine eigenständige Euroleague wäre für die Entwicklung des europäischen Basketballs sicher nicht förderlich. Die Abstellung der Nationalspieler für die Qualifikationsfenster wäre ein erster Schritt auf dem Wege der Versöhnung. Henrik Rödl würde es freuen.

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