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Als die Löwen noch erfolgreich waren: München feiert den TSV 1860 nach dem Pokalsieg 1964.

1860 München

Quälende Realität

Der TSV 1860 München wird 150 Jahre alt - doch der klamme Klub dümpelt im Mittelfeld der zweiten Klasse.

Wo genau die Löwen ihre Heimspiele austragen, ist beim TSV 1860 eine Identitätsfrage, die schon allein viel aussagt über diesen eitlen Klub. Seit dem Bau des Olympiastadions Anfang der 70-er Jahre spielte der Münchner Verein abwechselnd dort und im Grünwalder Stadion - jener mythischen Stadionruine, die die Sechziger-Fans ihre Heimat nennen und die zur baufälligen Situation des gesamten Fußballklubs passt. Seit sechs Spielzeiten ist der TSV hier nicht mehr aufgelaufen, trotzdem drängen Fans und Funktionäre schon seit langem auf eine Rückkehr in das 100 Jahre alte Stadion.

150 Jahre alt wird der TSV am 17. Mai. Die Ansprüche sind hoch, die Realität ist seit Jahren quälend, der Ausblick auf Besserung mau. Selbst die Hoffnung auf eine Heimkehr ins Grünwalder Stadion müssen sich die Löwen derzeit abschminken. Denn für einen Komplettumbau, der überhaupt erst mal für die Spielgenehmigung nötig wäre, fehlt dem Verein das Geld, einen Investor gibt es nicht. Die Stadt hielt sich lange zurück und verkündete im März das Aus der Umzugspläne.

"Wir haben alles Erdenkliche getan, um diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen", sagte 1860-Präsident Rainer Beeck. Nur die Realität sah mal wieder anders aus als erwünscht. Immer wieder haben die Sechziger nach oben geschielt - und torkeln doch im Mittelfeld der Zweiten Bundesliga herum. "Es ist doch jedes Jahr das Gleiche: Vor der Saison wollen sie aufsteigen, dann landen sie wieder auf Platz zehn", nörgelte Ex-Trainer Werner Lorant bei einer Stippvisite vor kurzem.

Obama hat weniger Probleme

Seit dem Bau der Münchner WM-Arena in Fröttmaning im Sommer 2005 teilen sich die Löwen das Stadion mit dem Lokalrivalen FC Bayern, erst als Partner, nun als Mieter des deutschen Rekordmeisters - aber immer häufiger vor bedrückend leeren Rängen. Ausgerechnet zu seinem Jubiläum ist der TSV 1860 von Problemen gezeichnet wie selten zuvor. Sportlich sowieso, zum 150. Bestehen war natürlich der Wiederaufstieg in die Beletage angepeilt. Der Traum davon hielt selbst bei den größten Optimisten nur bis ein paar Wochen nach Saisonstart.

Das eigentliche Manko sind die angespannten Finanzen, die sportlich keine großen Sprünge erlauben, dafür aber die Existenz des Klubs schon mehrfach bedrohten. Die Baukosten der Arena stürzten die Sechziger nach und nach in eine handfeste Krise, dazu kam ein Schmiergeldskandal um Präsident Karl-Heinz Wildmoser und dessen Sohn. "Barack Obama hat weniger Probleme als ich", sagte Geschäftsführer Manfred Stoffers jüngst, er ist bekannt für seine markanten Sprüche. Nach der schwachen ersten Saisonhälfte 2009/2010 meinte Stoffers, dass die Sechziger "mehr als nur einmal mit der sportlichen Begeisterung eines Bügelbretts gekickt" hätten. Im Februar 2009 wurde Stoffers Nachfolger des gekündigten Stefan Reuter, aber bis auf die angriffslustigeren Reden hat sich nicht viel verändert. Die Mächtigen haben beim TSV 1860 oft gewechselt, nur der Wirrwarr ist immer geblieben.

"Im Gegensatz zur Titanic wird 1860 niemals untergehen", heißt ein beliebter Spruch bei den mehr als 20000 Vereinsmitgliedern. Pünktlich vor dem Jubiläum am Montag ist nun also die "Löwen-Anleihe" auf den Markt gekommen. Jährlich sechs Prozent Zinsen werden offeriert, bis zum Ende der Laufzeit in fünf Jahren will der Verein wieder in der Bundesliga etabliert sein. Es ist eine riskante Wette auf die Zukunft, aber die optimistische Führung der 60-er ist vom Erfolg überzeugt. "Der TSV 1860 München ist eine der wertvollsten Fußball-Marken in Deutschland", heißt es in dem Verkaufsprojekt.

Nun ja: Bezeichnend ist vielmehr, dass der legendäre Torhüter Petar Radenkovic noch immer der größte Star aller Zeiten ist. Eingefleischte Anhänger schwärmen noch immer vom Triumph im DFB-Pokal 1964 und dem deutschen Meistertitel 1966. Lang, lang ist´s her. (dpa)

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