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Wollen den fans in Las Vegas ein Spektakel bieten: Tyson Fury (rechts) und Deontay Wilder.

Boxen

Psychospiele in Las Vegas

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Im Rückkampf zwischen Tyson Fury und Deontay Wilder steht für die beiden ungeschlagen Schwergewichtler viel auf dem Spiel. Im Vorfeld treten sie gewohnt großmäulig auf.

Mike, nehmen wir noch fragen von den Medien an oder macht das keinen Sinn mehr?“, fragte Joe Tessitore in die Regie. Der Moderator des US-Senders ESPN saß am Mittwochabend bei der letzten Pressekonferenz vor dem Kampf zwischen Deontay Wilder und Tyson Fury, die beide lachen mussten. Davor hatten sich die beiden Schwergewichtsboxer in der Werbepause ein dreiminütiges Wortgefecht geliefert, während die Kameras einfach weiterliefen – zur Belustigung des anwesenden Publikums und der Journalisten, die dann trotzdem noch ein paar Fragen stellten.

Der Ton während des letzten gemeinsamen einstündigen Auftritts schwankte zwischen lustig und aggressiv ständig hin und her. Beide schubsten sich, dann stritten sie darum, wer wen auf die große Bühne des Boxens geholt hat, vor allem Wilder wurde persönlich: „Als ich dich gefunden habe, warst du zugedröhnt von Kokain“, sagte der US-Amerikaner. Fury hatte zuvor in einem Interview gesagt, dass selbst in den USA niemand Wilder kennen würde und er ihn erst groß gemacht habe.

Am Sonntag (5 Uhr MESZ) sind die vielen Worte und Psychospielchen Schall und Rauch, dann sprechen in Las Vegas nur noch die Fäuste. Nach dem Unentschieden im ersten Kampf vor rund 14 Monaten in Los Angeles, steht für beide Kämpfer viel auf dem Spiel. „Wir haben beide viel zu verlieren. Die wahren Gewinner sind die Fans denn hier stehen sich die derzeit beiden besten Schwergewichte gegenüber“, sagt Fury, der den inoffiziellen Titel linearer Weltmeister hält. Wilder hält den Gürtel des Weltverbands, WBC, die anderen vier der Verbände WBA, WBO, IBO und IBF sind beim Briten Anthony Joshua. Dem Gewinner des Duells Wilder gegen Fury könnte ein viel erwarteter Vereinigungskampf mit Joshua winken.

Der 31-jährige Fury ist in 30 Kämpfen bei 20 K.o.’s ungeschlagen. Der 34-jährige Wilder steht bei 42 Siegen und 41 K.o.’s. „Ich bin der beste Puncher in der Geschichte“, wiederholt Wilder immer wieder großmäulig. Im ersten Aufeinandertreffen hatte Wilder Fury zweimal auf die Bretter geschickt. Ohne diese Treffer hätte der Fury den Kampf klar nach Punkten gewonnen. Und selbst mit den Niederschlägen waren viele Experten der Ansicht, das der Brite als Sieger hätte dastehen müssen. Die Ringrichter sahen es anders, jetzt kommt es also zum mit Spannung erwarteten Rückkampf der beiden Männer, die trotz vieler Unterschiede auch vieles gemeinsam haben.

Fury ist in Wythenshawe in der Nähe von Manchester als Sohn einer Traveler-Familie geboren. „Ich bin ein Zigeuner und werde immer ein Zigeuner sein“, sagt der Brite, der sich Gipsy King nennt und wegen seiner Herkunft oft verspottet wurde. Wilder ist in Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama geboren und mit dem Alltagsrassismus gegenüber Schwarzen in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Im Alter von 19 Jahren kam seine Erstgeborene mit Spina bifida, einer Fehlbildung der Wirbelsäule, auf die Welt. Wilder war zu dieser Zeit Kellner in einem Restaurant, die Rechnungen häuften sich, und er litt an Depressionen.

„Ich hatte eine Pistole bei mir und war bereit, mich umzubringen“, erzählt er. Mit 20 fing er mit dem Boxen an, um Geld für seine Tochter zu verdienen und kämpfte sich seinen Weg im wahrsten Sinne des Wortes nach oben. 2008 gewann er bei den Olympischen Spielen in Peking die Bronzemedaille, wurde im gleichen Jahr noch Boxprofi und nennt sich „Bronze Bomber“. Zwar lässt seine Technik zu wünschen übrig, doch gegen die Schlagkraft Wilders, der mittlerweile acht Kinder von vier verschiedenen Frauen hat, konnte bislang noch niemand etwas ausrichten.

Fury hingegen ist das, was man einen natürlichen Boxer nennt. Schon Vater und Onkel boxten, sie brachten dem Filius alles bei, was sie wussten. John Fury benannte seinen Sohn aus Bewunderung nach Mike Tyson. Für seine 2,06-Meter bewegt sich Fury ungeheuer geschmeidig durch den Ring, so hat er auch Wladimir Klitschko im November 2015 entthront. Danach fiel der dreifache Familienvater jedoch in ein riesengroßes Loch, er kämpfte gegen Depressionen, Angstzustände und eine bipolare Störung. Er trank Alkohol, nahm Drogen, wog irgendwann 180 Kilogramm und wurde für zwei Jahre vom Boxen gesperrt. „Ich habe 31 Monate gegen Dämonen gekämpft, warum sollte ich vor einem Boxkampf nervös sein“, sagte Fury, der im November seine Biografie „Hinter der Maske“ veröffentlicht hat.

„Im ersten Kampf war ich nicht in Form und er hat mich trotzdem nicht besiegt. Jetzt bin ich Topform und werde ihn in der zweiten Runde ausknocken“, tönt Fury, der für den Kampf Javan „Sugarhill“ Steward als Trainer engagiert hat – der Neffe vom legendären Emanuel Stewart, dem ehemaligen Trainer von Wladimir Klitschko.

Wilder ist ebenfalls selbstbewusst und gewohnt martialisch. „Vor dem ersten Kampf habe ich gesagt, dass ich ihn taufen werde, und ich habe es getan. Auferstehen ist Teil der Taufe. Aber dieses Mal wird er nicht wieder aufstehen. Ich werde ihm den Kopf abreißen.“

Keine weiteren Fragen.

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