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Die Probleme der Frankfurter Volleyballer

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Bundesligist braucht Landeshilfen und hat sich der „Interessensgemeinschaft Teamsport Hessen“ angeschlossen.

Tokio. Seine Heimatstadt. Dort wollte Masahiro Yanagida in diesem Sommer den Höhepunkt seiner Volleyball-Karriere erleben. Er hatte wohl zigmal daran gedacht, wie er das japanische Nationalteam als Kapitän in die olympischen Arenen führen wird. Nun muss der 27-Jährige sich gedulden. Alle Planungen sind vorerst dahin. Olympia wurde auf 2021 verschoben. Der Wahl-Frankfurter ist noch jung genug, um sich den Traum mit einem Jahr Verspätung erfüllen zu können. Derzeit befindet er sich in Tokio und hat großes Verständnis für die Absage. „Das Coronavirus ist inzwischen in Japan richtig angekommen. Es ist wie Krieg, ein sehr schwerer Moment“, sagt Yanagida per Videobotschaft.

Direkt nach dem vorzeitigen Abbruch der Bundesligasaison war der Japaner mit Einwilligung seines Arbeitgebers United Volleys Frankfurt zurück in die japanische Hauptstadt geflogen. „Ich bin okay und die ganze Zeit bei meinen Eltern“, sagt Yanagida. Er freut sich, irgendwann wieder Volleyball spielen zu können und „euch dann wieder zu sehen in der Welt“.

In der Welt – sagt der Angreifer, und nicht: „in Frankfurt“. Weil auch er vermutlich nicht weiß, wo er nächste Saison spielen wird. Die Kaderplanungen in Frankfurt stocken. Nicht gesichert ist selbst, ob die neue Saison planmäßig Anfang Oktober beginnen kann. „Das kann niemand vorhersagen“, sagte United-Geschäftsführer Jörg Krick und betont mit Blick auf die Finanzen: „Derzeit geht es bei uns vorwiegend darum: Wie kriegen wir die Saison gesund zu Ende?“

Sportlich lagen die Frankfurter zum Zeitpunkt des vorzeitigen Saisonabbruchs auf dem zweiten Tabellenplatz und galten für die Playoffs als Kandidat für die deutsche Meisterschaft. Nach dem Abbruch wurden die Spieler in Kurzarbeit geschickt. Inzwischen sieht der Verein wieder ein wenig Licht am Horizont. „Wir können mit einem positivem Blick nach vorne schauen“, sagt Krick.

Die United Volleys hatten hatte beim Land Hessen Soforthilfe beantragt und das Geld auch zügig erhalten. „Das hat uns ein paar Tage Liquidität verschafft“, bedankt sich Krick. Nun wurde ein Darlehen beantragt. Die Signale sind offenbar ebenfalls positiv. „Das Land Hessen ist sehr agil, besonders Jens-Uwe Münker“, lobt Krick den Abteilungsleiter Sport im hessischen Innenministerium.

Derzeit sei noch nicht genau abzusehen, ob und welches finanzielle Minus dem Verein entstehe. „Wir versuchen durch die Maßnahmen des Landes und Bundes, unser Minus zu senken. Und danach versuchen wir, langsam in die Planungen für nächste Saison einzusteigen.“

Wöchentlich kommen die United Volleys in einer Telefonkonferenz mit insgesamt 16 Profivereinen aus der Rhein-Main-Region zusammen, darunter die Frankfurt Skyliners (Basketball), Frankfurt Universe (American Football) und HSG Wetzlar (Handball). Die Fußballer von Eintracht Frankfurt gehören nicht dazu. Diese „Interessengemeinschaft Teamsport Hessen“ bespricht mögliche gemeinsame Maßnahmen und Anträge.

Für Krick ist klar: „Ohne Zuschauer können wir nicht in die nächste Saison starten. Sport ohne Zuschauer macht aus unserer Sicht keinen Sinn.“ Auch das Training werde der Klub erst dann aufnehmen, wenn die Kontaktrestriktionen der Bundesregierung wieder gelockert werden. „Wie soll ich einem Kind erklären: Die Profis dürfen spielen, ihr anderen aber nicht?“, sagte Krick mit einem indirekten Seitenhieb auf den Profifußball, der das Training in kleinen Gruppen wieder aufgenommen hat. Krick empfindet das „zum jetzigen Zeitpunkt als gänzlich falsches gesellschaftspolitisches Signal. Man soll ja das Kontaktverbot bis 20. April einhalten.“

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