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Sieger im Anflug: Peter Prevc.

Neujahrsspringen der Vierschanzentournee

Prevc siegt, Freund wird Dritter

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Severin Freund verliert trotz seines erstmaligen Podestplatzes beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen die Gesamtführung in der Vierschanzentournee. Den Sieg sichert sich Topfavorit Peter Prevc, Freund wird Dritter.

Sven Hannawald kann ein weiteres Jahr von dem Ruhm zehren, den er sich vor 14 Jahren bei der Vierschanzentournee ersprungen hat. Die bislang einmalige Serie, alle vier Springen zu gewinnen, bleibt bestehen, weil der Sieger von Oberstdorf beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen nicht nachlegen konnte. Severin Freund, auch im Werdenfelser Land frenetisch umjubelter Vorspringer des deutschen Teams, landete auf Rang drei. Peter Prevc, der große Favorit flog auf der Großen Olympiaschanze allen davon. Hinter dem Slowenen schob sich auch noch der Norweger Kenneth Gangnes an Freund vorbei.

Ganz anders als die 25 000 Zuschauer im Stadion, deren thermisches Zieeeeeh“ schlagartig in ein enttäuschtes Raunen überging, weil Freund leicht wackelnd gelandet war, reagierte der Athlet selbst. „Wenn mir einer vorher etwas von einem Podium erzählt hätte, hätte ich das blind unterschrieben“, sagte Freud, der am ersten Tag des neuen Jahres gleich sein Partenkirchen-Trauma aufarbeitete. Bis gestern hatte sich der Niederbayer hier immer eher den Bakken hinuntergezittert, der Weltmeister war hier noch nie aufs Podium gesprungen. Mehr noch als die psychologische Aufarbeitung haben die harten Fakten Freund nicht hadern lassen. Der Gesamtweltcupsieger ist noch dick im Rennen um den heiß begehrten Tourneesieg. Mit einem solch „guten Gefühl“, so Bundestrainer Werner Schuster, ist das deutsche Team schon lange nicht mehr zu den Springen nach Österreich gereist.

Nach dem Sieg in Oberstdorf waren die ohnehin hohen Erwartungen an den Vielflieger schier ins Unermessliche gestiegen, da halfen auch alle Appelle des sehr geerdeten Skistars nicht, die Füße doch bitteschön am Boden zu halten. Für Freund war es der beste Wettkampf , den er je „hier abgeliefert hat. Daher bin ich absolut zufrieden. Es ist sehr schön immer noch Zweiter der Gesamtwertung zu sein.“

Tatsächlich macht der Gesamtweltcupsieger den Eindruck, als reise er gestärkt ins Nachbarland. In Innsbruck und Bischofshofen läuft alles auf eine Fortsetzung des Duells Prevc gegen Freund hinaus. Der Slowene hat acht Punkte Vorsprung, was ungefähr einem Vorteil von fünf Metern Sprungweite entspricht. Bei noch vier ausstehenden Wettkampfsprüngen kaum mehr als ein Meter pro Satz.

„Unbeschreibliches Gefühl“

Allerdings unterstrich Prevc insbesondere mit seinem zweiten Sprung auf 136 Meter eindrucksvoll die Einschätzung von Werner Schuster, dass der Slowene derzeit der beste Springer der Welt ist. „Der zweite Sprung“, so Prevc, „war einer der besten meiner ganzen Karriere. Das war ein unbeschreibliches Gefühl. Alles lief perfekt.“ Die Slowenen ließen im Stadion dann auch kräftig die Muskeln spielen. Robert Kranjec trug Prevc auf Schultern zur Siegerehrung. Die Zeichen für den 23-Jährigen, der seinen ersten Sieg bei einem Tourneespringen errang, stehen gut: Sechs der letzten sieben Führenden nach Garmisch-Partenkirchen gewannen am Ende auch die Gesamtwertung.

Freund schob denn auch dem Führenden nicht ganz ungeschickt die Rolle des Gejagten zu, allerdings mit der kämpferischen Ansage „in den zwei Wettkämpfen kann noch viel passieren“. Nach dem Triumph von Oberstdorf hat der insgesamt gelungene Auftritt des deutschen Teams auch bei Bundestrainer Schuster für Erleichterung gesorgt. „Ich wollte schon immer einmal nach Innsbruck mit dem guten Gefühl fahren, dort weiter um den Tourneesieg zu kämpfen. Das haben wir jetzt geschafft.“ Der Bergisel ist den schwarz-rot-goldenen Adlern noch gut in Erinnerung.

Im vergangenen Jahr hat Richard Freitag mit seinem Sieg die Deutschen wenigstens für einen Tag aus ihrer Verlierer-Lethargie gerissen. Der Sachse hat in Garmisch aufsteigende Form bewiesen. Nach Rang neun in Oberstdorf reihte sich Freitag als Sechster wieder im elitären Kreis der Sieganwärter ein. Freund freute sich mit einem ebenso selbstbewussten wie spitzbübischen Lächeln auf die Tiroler Landeshauptstadt. „Die Atmosphäre dort ist wegen des kesselartigen Stadions einmalig und der Druck, der aus tausenden Kehlen kommt, der scheint einen tatsächlich weit zu tragen.“

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