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Posse nach dem Aus

Völlers Rücktritt bringt DFB 2004 in Not / Klinsmann berufen

Von JAN CHRISTIAN MÜLLER

Es war in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni 2004, als beim seinerzeit einer breiten Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannten Theo Zwanziger um fünf Uhr morgens in seinem Hotelzimmer im portugiesischen Almancil das Telefon klingelte. Der damalige Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes, Horst. R. Schmidt pflegt um diese Zeit eigentlich zu schlafen.

Aber nicht in dieser aufregenden Nacht. Also rief Schmidt bei Zwanziger an und teilte dem verdutzten Schatzmeister und - was damals noch keiner wusste - designierten Präsidenten mit, dass Teamchef Rudi Völler soeben seinen Rücktritt erklärt hatte. Schmidt und der Präsident auf Abruf, Gerhard Mayer-Vorfelder, sollen viel versucht haben, um Völler von seinem Vorhaben abzubringen. Vergebens.

Am Abend zuvor war die deutsche Nationalmannschaft nach einem achtbaren 1:1 gegen die Niederlande, einem mageren 0:0 gegen Lettland und einem ernüchternden 1:2 gegen eine tschechische B-Mannschaft zum zweiten Mal in Folge ohne Sieg bei einer Europameisterschaft ausgeschieden.

Und auch wenn der Gesamteindruck des Vizeweltmeisters in Portugal weit weniger enttäuschend war als vier Jahre zuvor unter Erich Ribbeck, so war für Völler doch klar, dass seine ja ohnehin nur als Übergangsphase (für den dann durchgefallenen Christoph Daum) geplante Mission beendet war.

Und so erklärte er am 24. Juni in aller Früh seinen Rücktritt so: "Ich hatte das Gefühl, dass die WM im eigenen Land nun jemanden braucht, der unbefleckt ist, der einen gewissen Kredit hat in diesen zwei Jahren, einen Kredit, wie ich ihn hatte vor vier Jahren." Völler, so viel stand fest, war mit seiner Kraft am Ende.

Weil es aber Ottmar Hitzfeld nach aufreibenden Jahren beim FC Bayern München genauso ging, gestaltete sich die Suche nach einem Nachfolger zum Possenspiel. Mayer-Vorfelder hockte tagelang im verwaisten DFB-Hotel an der Algarve und erklärte die Trainersuche zur Chefsache.

Der im kaum 50 Kilometer entfernten Coralejo urlaubende, inzwischen verstorbene Präsident der Deutsche Fußball Liga, Werner Hackmann, und die DFB-Vizepräsidenten fühlten sich unzureichend informiert. Im niedersächsischen Barsinghausen formierte sich eine Widerstandsgruppe und bereitete den Boden für die Übernahme der Präsidentschaft durch Zwanziger.

Derweil handelte sich der DFB von Otto Rehhagel, der sensationell mit Griechenland Europameister geworden war, ebenso eine Absage ein wie zuvor von Hitzfeld. Schließlich fand sich auf Vermittlung von Berti Vogts der in Kalifornien lebende Jürgen Klinsmann bereit, den Laden unter seinen Bedingungen umzukrempeln.

Der ehemalige Weltklassestürmer hatte als Werbebotschafter einer Kreditkartenfirma einige EM-Spiele verfolgt und war zu einem ähnlichen Ergebnis wie viele andere Fußballexperten auch gekommen: Die deutsche Nationalmannschaft war von der europäischen Spitze abgehängt worden.

Im Grunde hatten Völler und Assistent Michael Skibbe auf das "Prinzip Ballack" gesetzt. Der Münchner war, gemeinsam mit Philipp Lahm, bester Deutscher. Dagegen enttäuschten vor allem die Stürmer, allen voran die WM-Entdeckung von 2002, Miroslav Klose.

Vier Monate nach dem EM-Aus wurde Zwanziger in Osnabrück neben Mayer-Vorfelder zum Co-Präsidenten des DFB gewählt und leitete mit Klinsmann und dem neuen Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff die konsequente Modernisierung des DFB ein.

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