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Podolski schlägt Ballack ins Gesicht

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Eine Ohrfeige für den Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft: Podolski langt Ballack eine.
Eine Ohrfeige für den Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft: Podolski langt Ballack eine. © Screenshot: FR

Tätlicher Zwischenfall beim 2:0-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Wales: Ballack schreit Podolski an - der schlägt ihn und erst Per Mertesacker kann die Streithähne trennen. Von Jan Christian Müller

Ballack und Podolski haben noch in der Nacht nach dem 2:0 der deutschen Fußball-Nationalelf in Wales versucht, ihre Differenzen auszuräumen. "Das Wichtigste ist, dass nichts hängenbleibt", sagte Nationalteam-Manager Oliver Bierhoff am Donnerstag in Cardiff vor dem Rückflug.

Die sportliche Leitung der DFB-Elf habe den Vorfall erst mit der Mannschaft besprochen, dann Podolski und Ballack dazu geholt. "Wir haben deutlich gemacht, dass uns solch eine Aktion ins falsche Licht bringt. In drei Minuten war das erledigt. Sie haben sich hinterher wieder tief in die Augen gesehen und abgeklatscht", sagte Bierhoff.

In der 67. Minute der Partie im Millennium-Stadium waren Podolski und Ballack aneinandergeraten. Der Kapitän vom FC Chelsea habe dem Münchner Angreifer taktische Anweisungen gegeben. Podolski reagierte mit einer unwirschen Handbewegung. Per Mertesacker, Simon Rolfes und Philipp Lahm waren herbeigeeilt, um die Streithähne zu trennen.

Laut Bierhoff hat es danach von Bundestrainer Joachim Löw keine Ansprache gegeben. Podolski/Ballack hätten miteinander diskutiert. Bierhoff: "Lukas weiß, dass es indiskutabel ist, so mit dem Kapitän umzugehen."

Podolski habe gesagt, dass es ihm leid tue. DFB-Chef Theo Zwanziger: "Ich sehe da gar nichts. Wir haben 2:0 gewonnen, das ist das Wesentliche an diesem Spiel. Der Vorfall ist da, Sie können darüber berichten, aber das ist nicht das Wesentliche."

Tatsächlich wird es für Podolski kein disziplinarisches Nachspiel geben. "Mit Disziplinar-Maßnahmen tut man sich beim DFB schwer. Es wird keine Geldstrafen oder sonstige Sanktionen geben", erläuterte Bierhoff mittlerweile.

Mertesacker sagt später: "Ich konnte die Situation schnell erfassen, da hat es gehagelt, deshalb musste ich auch schnell hin. Man hat gesehen, dass beide sehr aggressiv waren danach, das war gut für uns. Normal ist das direkt wieder weg nach so einem Sieg. Ich bin mir sicher, dass das wieder vorbei ist."

Fünf Minuten nach dem Scharmützel wechselt Bundestrainer Joachim Löw Podolski aus. Löw sagt nach dem 2:0-Sieg: "Wenn der Kapitän taktische Anweisungen gibt, dann hat man darauf zu hören. Es kann nicht sein, dass man das nicht befolgt."

In der Nacht im Teamhotel an der Bucht von Cardiff kam es zur Aussprache zwischen Ballack und Podolski, der sich unmittelbar nach dem Spiel nicht bei Ballack entschuldigte, sondern lediglich sagte: "Ich bin einer, der Emotionen zeigen kann. Wir sind Profis und klären das intern. Danach kam Michael Ballack, der sich bereits nach dem EM-Finale in Wien im vergangenen Juni einen heftigen verbalen Schlagabtausch mit Manager Oliver Bierhoff geleistet hatte, aus der Kabine und erklärte sich.

Herr Ballack, was war da los zwischen Lukas Podolski und Ihnen?

Es passiert öfter, dass man als Kapitän Anweisungen gibt. Er hat das zu machen in dem Moment. Wenn er anderer Meinung ist, kann man das nach dem Spiel klären, aber auf dem Platz hat er das erst mal zu machen. Er war leider anderer Meinung. Und dann auch noch handgreiflich zu werden, das ist natürlich nicht schön. Aber ich denke, er hat den Fehler in der Kabine schon eingesehen. Poldi ist ja auch ein Typ, der nicht für so was bekannt ist, aber trotzdem ist es natürlich unschön und macht kein gutes Bild.

Haben Sie eine Erklärung, wie so etwas zustande kommt?

Er war vielleicht auch unzufrieden mit sich selbst, weil ihm nicht so viel gelungen ist. Aber da muss er durch. Es gibt eben Spiele, in denen nicht so viel nach vorne geht. Dann kriegt man auch noch verbal eine mit, das muss man wegstecken. Ich denke, der lernt daraus.

Mit einer Entschuldigung ist das vergessen?

Ja absolut. Ich bin nicht nachtragend.

War das denn so furchtbar böse, was Sie ihm gesagt haben?

Nee, es war nur eine taktische Anweisung, deshalb hat es mich auch gewundert, dass er so reagiert hat.

Wie war die taktische Anweisung?

Also, wir müssen jetzt nicht ins Detail gehen. Es ging um Laufwege und so weiter. Nichts Großartiges.

Herr Ballack, Sie haben wieder zurück zum System mit nur einem Stürmern und Ihnen als offensiven Mittelfeldspieler dahinter gefunden. Wie bei der EM ab dem Viertelfinale. War das in Ihrem Sinne?

Es war eine Entscheidung des Trainers, die bestimmt nicht schlecht war. Der Sieg gibt uns recht. Spielerisch war das natürlich nicht optimal und auch in der Defensive standen wir nicht so kompakt, wie es eigentlich sein sollte. Bei der EM haben wir das besser gespielt. Da ist noch viel Luft nach oben. Das System ist immer eine gute Alternative. In der Premier League spielen viele Topmannschaften auch so.

Aufgezeichnet von Jan Christian Müller, mit dpa

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