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Gewann 2018 den Großen Preis in Wiesbaden: Christian Ahlmann.

Pfingstreitturnier

Mit klangvollen Namen

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Das Pfingstreitturnier in Wiesbaden ist stark besetzt – trotz eines Traditionsbruchs.

Es ist das Ende einer Tradition. Zum ersten Mal seit der Gründung der Riders Tour vor 18 Jahren kommen die Springspezialisten auf der Jagd nach dem Titel „Rider of the Year“ nicht im Biebricher Schlosspark vorbei. „Wir konnten uns über die finanzielle Ausrichtung nicht einigen“, erklärt Hanns-Dietrich Rahn aus dem Vorstand des Wiesbadener Reit- und Fahr-Clubs (WRFC), der seit 1929 das populäre Pfingstturnier in der Landeshauptstadt organisiert. „Aber wir sind im Guten auseinandergegangen.“ Eine erneute Kooperation sei nicht auszuschließen.

Die einst vom früheren Europameister Paul Schockemöhle initiierte Serie hat in jüngerer Vergangenheit an Bedeutung verloren. Die Reiter nehmen die Punkte und Preisgelder ab 30 000 Euro pro Station gerne mit. Ihre Jahresplanung richtet die Elite jedoch angesichts gewachsener Konkurrenz nur noch selten danach aus. Die seit 2006 existierende Global Champions Tour des Niederländers Jan Tops lockt mit teilweise zehnmal so hohen Summen. In den ersten Tagen des Pfingstturniers, das diesmal vom 6. bis 10. Juni ausgetragen wird, zum Beispiel nach Cannes.

Mit Totilas’ Nachkommen

Doch Springreiter sind agil und oft so gut im eigenen Stall bestückt, dass sie an einem Wochenende an mehreren Orten mit ihren Vierbeinern durch den Stangenwald galoppieren können. Mit den bisherigen Meldungen sind Rahn und seine Kollegen beim WRFC jedenfalls sehr einverstanden. So finden sich in den Listen neben Christian Ahlmann, der 2018 den Großen Preis gewann, weitere deutsche Championatsmedaillengewinner wie die Brüder Ludger und Markus Beerbaum, Marco Kutscher oder Janne Friederike Meyer-Zimmermann. Aus dem Ausland stoßen der holländische Olympiasieger Jeroen Dubbeldam und die für Portugiesin Luciana Diniz dazu.

Die Terminlage verursacht bei den Tänzern im Viereck mehr Probleme. In der Woche nach Pfingsten stehen in Balve die deutschen Meisterschaften und damit eine Sichtung für die Europameisterschaften im August in Rotterdam an. Die sensiblen Toppferde bleiben deshalb an den Feiertagen im Stall. Dennoch haben die deutschen Olympiasieger Isabell Werth, Sönke Rothenberger und Dorothee Schneider ihren Start im Dressurviereck versprochen. Attraktiv ist dieser auch für den Kronberger Matthias Alexander Rath oder die ehemalige Teamweltmeisterin Laura Tomlinson aus Großbritannien, weil eine Konzeptänderung es zulässt, dass bis zu sechs Pferde an den fünf Turniertagen eingesetzt werden können. Die Verantwortlichen haben aus der Not eine Tugend gemacht. War Wiesbaden zuletzt Sichtungsort für die EM der Nachwuchsreiter, schreiten diese diesmal über Warendorf und Hagen ihrem Ziel entgegen. Der WRFC bietet stattdessen Prüfungen für fünf- bis siebenjährige tierische Talente an. Das führt dazu, dass zwei Nachkommen des populären Millionenhengstes Totilas sich miteinander messen: der von Rath vorgestellte Total Recall, dessen Mutter Weihegold unter Werth 2017 dreimal WM-Gold gewann, sowie Top Gear, den die Norwegerin Isabel Freese unterm Sattel hat.

Nur eine vermeintliche Aufwertung hat die Vielseitigkeitsprüfung erfahren. Die neuerdings fünf Sterne sind der Tatsache geschuldet, dass eine Basisaufgabe für junge Pferde eingeführt wurde, durch die alle anderen eine Stufe hochrücken. „Es ändert sich dadurch nichts“, sagt der für die Buschreiter zuständige WRFC-Vorstand Albert Schäfer. Auch nicht die gewohnt hohe Qualität des Teilnehmerfeldes, zu dem Olympiasieger Michael Jung und Europameisterin Ingrid Klimke gehören.

Geläufige Namen, die den Organisatoren flüssig über die Lippen gehen. Mehr Schwierigkeiten verursacht WRFC-Präsidentin Kristina Dyckerhoff noch der neueste Partner. Der Schweizer Uhrenhersteller Longines ist mit einer sechsstelligen Summe als Titelsponsor bei den Hessen eingestiegen. Die Zusammenarbeit soll laut Rahn längerfristig sein. Longines rücke damit auf der Unterstützerliste auf den zweiten Platz hinter der Stadt, die ihren Zuschuss von zuvor knapp 150 000 Euro 2018 aufgestockt hatte. Das Gesamtbudget des Turniers liegt bei etwa zwei Millionen Euro.

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