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Ironman-Teilnehmer bereiten sich am Lake Placid, New York, auf die Schwimmetappe vor.

Kommentar

Perfides Spielchen im Triathlon

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Die Profi-Vereinigung PTO im Triathlon schüttet zusätzlich 500 000 US-Dollar an die Athleten aus. Dahinter steckt jedoch Kalkül. Der Kommentar.

Natürlich hat die Nachricht zum Wochenende in der Szene der weltbesten Triathleten für helle Freude gesorgt. Während Selbstständige, kleine Unternehmen in Deutschland vermutlich wochenlang warten – und wohl auch einige bürokratische Hürden nehmen – müssen, bis die finanziellen Hilfen auf ihren schon bald abgeräumten Konten eintreffen, verteilt die neue Profi-Vereinigung PTO das Geld an seine besten Ausdauersportler sofort mit der Gießkanne. Angeblich sollen die vorgezogenen Bonuszahlungen helfen, um über die Coronakrise zu kommen. Jan Frodeno darf sich als Ranglistenerster über 100 000 Dollar freuen wie Daniela Ryf bei den Frauen.

Insgesamt zwei Millionen Dollar wären ohnehin am Saisonende ausgeschüttet worden, nun legt die PTO noch eine halbe Million drauf. Für diejenigen, die im Ranking weiter hinten stehen. Athleten auf den Plätzen 21 bis 50 erhalten 8000 statt 5000 Dollar, die auf den Plätzen 51 bis 100 bekommen 5000 statt 2000. Fühlt sich an, wie Weihnachtsgeld vor dem Osterurlaub. Klar, dass Eisenmänner wie Andreas Böcherer aus Freiburg, der seine Zusage für den Frankfurt Ironman gab höchst beglückt reagierten. Und PTO-Geschäftsführer Charles Adamo schwadronierte, dass die Sportler wertvolle Partner seien.

Hört sich ja alles erst einmal großzügig an. Aber: Hinter der angeblich so großherzigen Aktion stecken handfeste wirtschaftliche Interessen. Die Gewerkschaft PTO war jahrelang eine im Triathlon-Geschäft zu vernachlässigende Größe, die keine Stimme und auch kein Geld hatte. Was sich änderte, als der US-amerikanische Milliardär Michel Moritz diese Vereinigung für sich entdeckte. Der einst von der britischen Königin geadelte gebürtige Waliser will sich die Filetstücke dieser Sportart einverleiben: Der Risikokapitalgeber, der mit Investitionen in Firmen wie Google, Youtube und Paypal zu sagenhaftem Reichtum kam, hat nicht weniger vor, als die Ironman-Rechte zu kaufen. Wie das geht?

Die globale Ironman-Serie bis hin zum Höhepunkt auf Hawaii befindet sich in Hand des chinesischen Sportvermarkters Wanda Sports Group, der aber nicht erst seit der Coronakrise in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt. Die Übernahme aller Ironman-Veranstaltungen, aller Labels und Vermarktungsrechte ließ sich die Wanda einst weit mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten. Ein erstes Übernahmeangebot der PTO haben die Chinesen im vergangenen Monat noch abgelehnt.

Doch wegen der weltweiten Wirtschaftskrise wächst der Druck fast täglich. Die Rechnung der PTO scheint einfach: Mit ihrer vorgezogenen Ausschüttung für vergleichsweise wenig Geld werden die besten Triathleten und Triathletinnen auf ihre Seite gezogen, danach wird der durch die Coronakrise an die Wand geratene Ironman-Besitzer zum Verkauf gedrängt. Und irgendwann, wenn der Virus wirklich besiegt ist, betreibt die Profi-Vereinigung selbst das florierende Triathlon-Business. Das ist ein perfides Spiel in Krisenzeiten. Mit großen Gesten hat das wenig zu tun.

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