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Immer im Aufwind: Michael Uhrmann.

Michael Uhrmanns Abschied

Der perfekte Moment

Michael Uhrmann beendet seine lange und erfolgreiche Karriere - und wo könnte eine Skispringer das besser als am legendären Holmenkollen...

Von Stephan Klemm

Während des Sprungs ist Nebel kein störender Flugbegleiter. Aber er verdeckt die Sicht auf die Zuschauer. Und das sollte nicht sein, nicht in diesem Wettkampf, der letzten Einzelkonkurrenz seiner langen Karriere. Und tatsächlich: Als Michael Uhrmann (32) als Siebtletzter des zweiten Durchgangs abhebt, sind die weißen Schleier verschwunden. Freie Sicht am Holmenkollen.

„Das war ein erhebendes Gefühl. Das alles noch mal zu sehen, zu spüren und zu hören: dieses Stadion. Diese Menschenmassen. Das wollte ich unbedingt noch mal haben“, sagt Uhrmann. Am Ende wird er Sechster, als bester Deutscher im Springen von der Großschanze bei der nordischen Ski-WM von Oslo. Und während gerade der neue Weltmeister Gregor Schlierenzauer aus Österreich geehrt wird, verkündet Uhrmann: „Ich werde zurücktreten. Zu 99 Prozent schon nach Oslo. Eigentlich sind es sogar 100 Prozent.“

In Oslo hat Uhrmann noch einen allerletzten Termin: das Teamspringen am Samstag. Deutschland ist nach den Leistungen vom Donnerstag ein Kandidat für Silber. Danach soll es dann wirklich gut sein für Uhrmann: „Mit einer am Holmenkollen gewonnen Medaille aufzuhören, lässt sich nicht toppen. Einen besseren Abschluss gibt es einfach nicht.“ Die verbleibenden Weltcup-Termine in Lahti und Planica „brauche ich nicht mehr“, sagt er.

Seit 16 Jahren ist der Niederbayer Teil des deutschen Nationalteams, seinen ersten Wettkampf mit einer DSV-Auswahl sprang er 1996 – in Oslo – an der Seite von Jens Weißflog und Dieter Thoma. Uhrmann war stets ein verlässlicher Mannschaftsspringer und wurde dafür belohnt: Weltmeistertitel 2001, Olympiasieg 2002, hinzu kommen viele weitere Medaillen, alle mit dem Team gewonnen – auch Silber in Vancouver 2010. „Also acht Jahre nach meinem Gold. Da war auch schon so ein Gedanke da: Höre ich auf?“.

Uhrmann hat sich für eine weitere Saison motiviert. Der Grund? „Oslo. Da zog es mich noch mal hin.“ Wie Adam Malysz (33). Der viermalige Weltmeister aus Polen gewann noch einmal Bronze von der kleinen Schanze. Auch für ihn ist nach dieser Saison Schluss.

Keine Kettenreaktion

Uhrmann wird wohl keine Kettenreaktion bei den älteren Springern im deutschen Team auslösen. Martin Schmitt (33) macht weiter. Bundestrainer Werner Schuster sagt: „Das Training, das wir dieses Jahr mit Martin gemacht haben, war eine Art Aufbaukurs für den kommenden Winter. Er wird bleiben.“ Michael Neumayer (32) hält sich noch alles offen. Schuster hat kein Problem mit Uhrmanns Entscheidung, von der er längst wusste: „Michaels Rücktritt ist Verlust und Chance zugleich. Wir wollen jetzt schrittweise den nötigen Generationenwechsel vollziehen.“ Pascal Bodmer (20) und Richard Freitag (19) deuten an, dass sie den Sprung in die erweiterte Weltspitze schaffen können; Severin Freund (22) ist dort sogar schon angekommen.

Uhrmann begleiten wehmütige Gedanken in den sportlichen Ruhestand: „Ich hatte wunderbare Momente, viele Reisen.“ Jetzt aber freut er sich auf daheim, auf seine Familie, seine Frau und die beiden kleinen Töchter. Und auf seine neue Aufgabe als Stützpunkttrainer in Bad Endorf in der Nähe des Chiemsees.

Beim Start ins neue Leben begleitet Uhrmann eine Erinnerung an seine Zeit als Skispringer. 2007 war er bei der WM in Sapporo im Training gestürzt, er war einer der Mitfavoriten gewesen. Diagnose: komplizierter Mittelfußbruch, neun Monate Reha. Die Folgen: „Lange Bergtouren gehen nicht mehr. Ich spüre das schon immer im Alltag.“ Aber eines hat er sich noch im Krankenhaus vorgenommen: „Ich will wettkampftauglich zurückkommen.“ Mission erfüllt.

Hinzu kommt noch etwas Bleibendes: „Obwohl ich nie ein Superstar war, verbinden die Leute in Deutschland mit meinem Namen Skispringen. Das ist perfekt.“ Uhrmann schaut zufrieden aus. Zwei Sprünge noch fürs Team. Dann wartet ein neues Leben.

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