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Fanprotest für den Erhalt der 50-plus-eins-Regel: Reinhard Rauball (2.v.r.) bekommt es schriftlich.
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Fanprotest für den Erhalt der 50-plus-eins-Regel: Reinhard Rauball (2.v.r.) bekommt es schriftlich.

50+1

St. Pauli setzt sich durch

  • VonDaniel Theweleit
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Die umstrittene 50-plus-eins-Regel im deutschen Profifußball bleibt bestehen.

Etwas zerzaust, aber hoch zufrieden kam Andreas Rettig am Donnerstagnachmittag aus dem Sitzungssaal, in dem die 36 Mitglieder der Deutschen Fußball-Liga (DFL) getagt hatten, und der Geschäftsführer des FC St. Pauli konnte einen persönlichen Erfolg feiern. „Heute ist der Tag des Signals, dass 50-plus-eins bleibt“, sagte er, nachdem sein Klub mit viel Aufwand für genau dieses Votum gekämpft hatte. Gegen die Macht von Bundesligagiganten wie Bayern München oder RB Leipzig hatte der Zweitligist den Antrag gestellt, dass die Regel, die dafür sorgt, dass Stimmmehrheiten nur unter äußerst strengen Auflagen an Investoren veräußert werden dürfen, nicht in ihrer Substanz hinterfragt wird.

Eine „Grundsatzdebatte zur künftigen Ausgestaltung der 50-plus-eins-Regel“ werde es aber trotzdem geben, sagte DFL-Präsident Reinhard Rauball.

Denn nur 18 Klubs stimmten für den Vorschlag des FC St Pauli, vier Vereine votierten gegen den Antrag, neun enthielten sich und drei gaben keine Stimme ab. So eine heterogene Abstimmung habe man unter den DFL-Mitgliedern „noch nicht gehabt“, sagte Rauball. Und der Antrag lässt auch eine Hintertür für weitere Entwicklungen offen. Denn neben einer „Verbesserung der Rechtssicherheit“ fordert er auch „weitere Überlegungen hinsichtlich geänderter Rahmenbedingungen“.

Es wird also nicht nur überprüft, wie stabil das derzeitige Konstrukt ist, wenn jemand dagegen klagt, vielmehr haben die 18 Klubs, die nicht für den Antrag des FC St. Pauli gestimmt haben, die Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge einzureichen. Beim Begriff „geänderte Rahmenbedingungen“ gehe es um „Wettbewerbsgleichheit“ und darum, dass „der Wettbewerb geschützt“ sei, sagte Rauball. Das lässt viel Interpretationsspielraum. 

Da es die Investorenklubs aus Hoffenheim, Leipzig, Leverkusen und Wolfsburg gibt, kann mit „Gleichheit“ schließlich auch ein leichterer Einstieg für Investoren bei anderen Klubs gemeint sein. Vieles bleibt also offen, die organisierten Fans feierten das Votum trotzdem erst mal als Erfolg. Am Morgen hatten Vertreter der Initiative „50-plus-eins bleibt“ eine 30 Meter lange Liste mit den Namen von über 3000 Fanklubs, -verbänden und –organisationen an Rauball überreicht. Der Coup des Tages war aber dem FC St. Pauli gelungen, der seinen Vorstoß gründlich vorbereitet hatte. 

Aus Sorge, es könne wie in früheren Fällen zu übereilten Beschlüssen auf der Grundlage einer eher einseitigen Informationslage kommen, hatte der Zweitligist am Tag vor dem Treffen ein zehnseitiges Aufklärungsschreiben an die anderen 35 DFL-Gesellschafter versendet. Präsident Oke Göttlich und Rettig baten die Klubs um Gelassenheit im Umgang mit der „angeblichen Rechtsunsicherheit“ im Zusammenhang mit der Regel. Die Hamburger befürchteten, dass „unter den Klubvertretern innerhalb der DFL die Angst geschürt“ werde, im Klagefall könnte ein Gericht die Regel kippen und einen Ansturm der Investoren auslösen. Dieser Furcht versuchte das Papier mit etlichen Argumenten entgegenzuwirken. 

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert, dem der Verlauf des Tages offenkundig missfallen hatte, meinte dennoch, „ein Damoklesschwert“ schwebe über der Liga, Gerüchten zufolge habe der Ligaverband ursprünglich vorgehabt, ein Gutachten vorzustellen, demzufolge die Regel rechtlich sehr instabil sei. Diese Information sei falsch, hieß es nun am Donnerstag, aber vielleicht haben Rettig und Göttlich diese Argumentation auch mit ihrem Vorstoß im Keim erstickt. 

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