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Pascal Ackermann links) jubelt im Ziel des Radklassikers Eschborn - Frankfurt an der Alten Oper vor dem Vorjahressieger Alexander Kristoff aus Norwegen.

Radrennen am 1. Mai

Pascal Ackermann gewinnt Radklassiker Eschborn-Frankfurt

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Der deutsche Meister Pascal Ackermann setzt sich im Zielspurt gegen John Degenkolb und Alexander Kristoff durch.

Der deutsche Radsport hat einen neuen Strahlemann: Pascal Ackermann, 25 Jahre jung, äußerliches Prädikat: Erdnussgrinsen. Es ist dies aber keinesfalls das aufgesetzte Lächeln eines Siegers. Der Pfälzer versprühte nach seinem Triumph beim Radklassiker Eschborn-Frankfurt pure Lebensfreude. „Es ist einfach unfassbar schön – ein Moment des puren Glücks“, sagte der endschnelle Sprinter aus dem deutschen World-Tour-Team Bora – hansgrohe nach seinem überzeugenden Auftritt in der Mainmetropole. „Ich bin so glücklich, der Mannschaft mit meinem Sieg etwas zurückgeben zu können.“ Bora kontrollierte das Rennen, fuhr stets vorne, organisierte die Nachführarbeit. Ganz nach dem Geschmack Ackermanns: „Lieber vorne nichts erben, als hinten sterben“, formulierte er das Motto des Tages.

Für Pascal Ackermann gab es kein Halten mehr

Die Rechnung ging auf. Auf den letzten Metern gab es für Ackermann kein Halten mehr. Unwiderstehlich trat der amtierende deutsche Meister in die Pedale. Weder Lokalmatador John Degenkolb noch der Sieger der vergangenen vier Ausgaben des einzigen deutschen Radklassikers, Alexander Kristoff aus Norwegen, waren an diesem sonnigen 1. Mai auf den letzten Metern in der Verfassung, den großen Blonden aus Landau noch zu überholen. „Das Team hat heute fantastisch gearbeitet“, lobte Bora-Teammanager Ralph Denk, „es war ein geiles Gefühl, unsere Dominanz so zu veredeln“, fügte der U23-Vizeweltmeister von 2016 nach dem größten Triumph seiner noch jungen Karriere an. 

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Nach seinem schweren Sturz bei der Tour oft the Alps vor wenigen Tagen stand zu befürchten, dass die Saison einen anderen Verlauf für Ackermann nehmen könnte. Der zunächst angenommene Handbruch habe sich aber nur als großer Bluterguss entpuppt. „Eine Vene war geplatzt“, so Ackermann. „Zum Glück braucht man keine Hand zum Radfahren“, ulkte er noch am Abend vor dem Rennen. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Auf der 670 Meter langen Zielgerade musste Ackermann kräftig am Lenker ziehen, um ausreichend Kraft auf die Pedale zu bekommen.

Das Team Bora-hansgrohe bereitete sich ganz gezielt auf den Klassiker am Tag der Arbeit vor. „Dieses Rennen hat für uns als deutsches Team einen enorm hohen Stellenwert“, sagte Denk. Im vergangenen Jahr hatte Ackermann kurz zuvor noch die Tour de Romandie bestritten. „Da war ich einfach tot.“ Diesmal ging er mit Blick auf den Start beim Giro d’Italia in guter Form an den Start. „Jetzt weiß ich definitiv, dass ich fit bin für den Giro.“

Radrennen Eschborn - Frankfurt 2019 in Bildern

Radrennen vor Skyline: Die Strecke durch Frankfurt ist 2019 verlängert worden - hier auf der Alten Brücke.
Radrennen Eschborn - Frankfurt: Die Strecke durch Frankfurt ist 2019 verlängert worden - hier auf der Alten Brücke. © Rolf Oeser
Der Zieleinlauf der Elite an der Frankfurter Alten Oper
Der Zieleinlauf der Elite an der Frankfurter Alten Oper. © Rolf Oeser
Die Zuschauer feuerten die Radsportler an.
Die Zuschauer feuerten die Radsportler an. © Rolf Oeser
Sieger Pascal Ackermann im Interview
Sieger Pascal Ackermann musste direkt Rede und Antwort stehen. © Rolf Oeser
Auch für die Altersklasse U23 gab es ein Rennen, hier von Niederursel kommend Richtung Taunus,
Auch für die Altersklasse U23 gab es ein Rennen, hier von Niederursel kommend Richtung Taunus. © Rolf Oeser
Beim Laufradrennen der Kleinsten war der Spaß groß.
Beim Laufradrennen der Kleinsten war der Spaß groß. © Rolf Oeser

Die Organisatoren hatten nichts unversucht gelassen, das Rennen so spannend wie möglich zu machen. Die Strecke wurde auf 187,5 Kilometer verkürzt, mehr als 3000 Höhenmeter mussten auf der Taunusschleife bewältigt werden, nicht weniger als acht Bergwertungen warteten auf die 153 Profis aus 22 Teams. Das Ziel: auch Ausreißer sollten die Chance bekommen, am Ende triumphieren zu können. Ein netter Plan, er ging aber nicht auf. Eine Handvoll Ausreißer um Deutschland-Tour-Sieger Matej Mohoric aus Slowenien wurde auf der letzten der drei 6,5 Kilometer langen Schlussrunden rund um den Main vom Hauptfeld geschluckt. Damit war gut vier Kilometer vor Schluss klar, der Sieg würde auch bei der 58. Auflage des Radklassikers in einem Sprint Royal entschieden.

John Degekolb hat mit Krämpfen zu kämpfen

Zu den Geschlagenen zählte neben dem entthronten Kristoff auch John Degenkolb, der hinter Ackermann mit schmerzverzerrtem Gesicht als Zweiter über den weißgetünchten Zielstrich raste. Von Oberschenkelkrämpfen geplagt, quälte sich der 30 Jahre alte Degenkolb vom Taunus bis in die Frankfurter City. Sein ganz großer Traum, den zweiten Triumph nach 2011 bei seinem Heimrennen, erfüllte er sich aber auch diesmal nicht. Die Enttäuschung darüber hielt sich aber hörbar in Grenzen: „Ich kann vollkommen zufrieden sein. Am Ende geht der zweite Platz völlig in Ordnung.“

Grämen brauchte sich auch Kristoff nicht. Der Norweger verpasste es zwar, den fünften Sieg in Serie in Frankfurt einzufahren und damit einen neuen Klassikerrekord aufzustellen, wirklich enttäuscht war er deshalb aber nicht. Zweimal schien der Norweger im Taunus bereits abgehängt, seine Teamkollegen fuhren ihn aber immer wieder ans Hauptfeld heran. Am Ende schaffte er es trotz allem als Dritter aufs Podium: „Pascal“, sagte Kristoff mit Hochachtung in der Stimme, „war heute einfach zu stark.“ Das kam einem Ritterschlag des Altmeisters gleich. Pascal Ackermann nahm das Lob dankend an – natürlich mit einem breiten Grinsen.

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