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Der neue Stern am Quarterback-Himmel: Patrick Mahomes. 

American Football

Pässe im Liegen

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Dank des überragenden Quarterbacks Patrick Mahomes gehen die Kansas City Chiefs als leichte Favoriten in den Super Bowl gegen die 49ers aus San Francisco.

Es ist schwer, den Gesichtsausdruck zu beschreiben, den Mike Vrabel an den Tag legte, nachdem Patrick Mahomes wieder so ein Ding rausgehauen hatte. Irgendetwas zwischen Resignation und Verzweiflung legte sich auf die Züge des Coaches der Tennessee Titans, als der junge Quarterback der Kansas City Chiefs zum wiederholten Male etwas vorführte, das eigentlich nicht möglich ist. Mahomes hatte sich mit der Wendigkeit eines Fußballstürmers aus den Klauen von Vrabels Verteidigung herausgewunden und dann aus der Hüfte, mit einer Handbewegung, mit der man eigentlich keinen Ball werfen kann, einen 60 Yard Pass quer über das Feld in die Arme von Sammy Watkins gefeuert. Watkins‘ Touchdown vergrößerte den Vorsprung der Chiefs im Finale um die AFC Conference Meisterschaft auf 35 zu 24, die Super Bowl-Hoffnungen der Titans waren begraben.

Die Kansas City Chiefs hingegen dürfen sich nun darüber freuen, dass sie zum ersten Mal seit sage und schreibe 50 Jahren im Finale um die US Meisterschaft im Profi-Football stehen. Und das haben sie alleine Patrick Mahomes zu verdanken und vielleicht noch ihrem eigenen Mut, im vergangenen Jahr dem damals erst 23-Jährigen eine Chance gegeben zu haben.

Den Chiefs waren die unglaublichen Statistiken von Mahomes aus dem College zu Ohren gekommen und die Geschichten von seiner extravagenten aber extrem wirksamen Spielweise, die der American Football so bis dahin noch nicht gesehen hatte; Geschichten von Mahomes Fähigkeit aus jeder Lage über jede Distanz zielgenau Pässe zu werfen, im Stehen, im Rennen, im Fliegen, im Liegen.

Der neue Stern

Und wenn das alles nichts nutzte, konnte er auch selbst mit der Geschwindigkeit eines Sprinters der Abwehr enteilen und den Ball über die Linie tragen. Doch die Chiefs wollten sich versichern, bevor sie das Wagnis eingingen, sich Mahomes in der Draft zu holen und ihre Zukunft auf ihn zu wetten. Kansas City Coach Andy Reid recherchierte wochenlang und befragte Kenner. Dann lud man Mahomes zu einem Gespräch ein, das schließlich sechs Stunden dauern sollte.

Die Chiefs haben den Schritt nie bereut. Im vergangenen Jahr, seiner ersten Saison als Start-Quarterback in Kansas, wurde der Sohn des professionellen Baseball-Pitchers Pat Mahomes zum wertvollsten Spieler der Saison gewählt. Seine Statistiken lagen auf einem Niveau, das in den vergangenen 20 Jahren nur die allerbesten der Zunft wie Tom Brady oder Peyton Manning erreichten.

Dennoch war Mahomes nach dem letzten Jahr unzufrieden. Die Niederlage gegen den späteren Super Bowl Sieger New England im Conference Finale hat ihn gewurmt. So hat er eine Woche nach der Super Bowl mit seiner Vorbereitung angefangen. Seine Schnelligkeit und Wendigkeit verbessert. Und noch intensiver als je zuvor Verteidigungsstrategien studiert.

So erscheint er in diesem Jahr nicht nur wie der talentierte Überflieger, der er ist, sondern wie ein echter Spielführer. An diesem Wochenende gegen Tennessee oder in der Woche zuvor, als er es schaffte, nach einem 24 -0 Rückstand gegen die Houston Texans seine Chiefs mit einem einmaligen Run noch zu einem historischen 51-31 Sieg anzutreiben.

Dank Mahomes darf man in der Super Bowl die Chiefs nun als den leichten Favoriten gegen die San Francisco 49ers bezeichnen, die am Sonntag ihre Conference Championship gegen die Greenbay Packers mit 37-20 gewannen. Ungeachtet des Ausgangs ist allerdings jetzt schon klar, dass Patrick Mahomes der neue Stern am Quarterback Himmel der NFL ist.

Bedeutsam ist dies jedoch nicht nur wegen seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten. Mahomes löst als Afro-Amerikaner eine lange Reihe von weißen Stars auf dieser Position ab. Er gehört zu einer neuen Generation schwarzer Quarterbacks, denen man in der NFL nach 100 Jahren nun endlich auch zutraut, die komplizierteste und intellektuellste Rolle im American Football auszufüllen. Mahomes lässt nicht den geringsten Zweifel daran, wie dumm dieses Vorurteil ist. Und vielleicht ist das, seiner Brillianz auf dem Platz ungeachtet, sein größtes Verdienst.

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