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Der Abfahrtshang von Cortina d’Ampezzo, hier stürzen sich 2026 die besten Skirennfahrer nach unten.

Olympia-Ausrichtung

Ein vereintes Land

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Italien jubelt ausgelassen über den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2026.

Während der Großteil von Europa gerade mächtig schwitzt, gab es eine kleine Fraktion, die sich über die Vergabe von Winterspielen freute. Der Mailänder Bürgermeister Giuseppe Sala war zusammen mit der italienischen Delegation in Lausanne minutenlang vor Freude auf und ab gehüpft. „Bellissimo“ fand er die Entscheidung des IOC, seiner Stadt zusammen mit dem Dolomiten-Skizentrum Cortina d’Ampezzo den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2026 zu geben. Die Begeisterung darüber, dass Italien 20 Jahre nach den Winterspielen in Turin erneut Olympiagastgeber wird, ist nicht nur in den beiden norditalienischen Austragungsorten groß.

In Mailand feierten am Montag Hunderte inmitten der imposanten Hochhauskulisse der Piazza Gae Aulenti, Symbol einer neuen Dynamik in der Modestadt. In Cortina d’Ampezzo, das 1956 schon einmal Winterspiele austrug, läuteten die Kirchenglocken. Menschen auf dem Corso Italia fielen sich in die Arme und sangen die Nationalhymne.

Auch italienische Medien und Politiker jubeln. „Das Wunder von Mailand“ titelte die Zeitung „La Repubblica“. Das Blatt „Libero“ nannte den Zuschlag eine „Fackel der Hoffnung“. Der Erfolg sei möglich geworden, weil sich die zerstrittene Politik endlich einig gewesen sei, so der allgemeine Tenor. „Ein ganzes Land hat vereint und geschlossen gearbeitet mit dem Ehrgeiz, der Welt ein denkwürdiges sportliches Ereignis zu bieten“, kommentierte Premier Giuseppe Conte.

Sein Vize Matteo Salvini, Chef der rechtsnationalen Lega, sprach von einem Sieg für alle Italiener. „Wir werden der Welt unsere Exzellenz und unsere Fähigkeiten beweisen.“ Die Spiele würden seinem Land mindestens fünf Milliarden Euro Wertschöpfung, 20 000 zusätzliche Arbeitsplätze und viele neue Straßen bringen.

Den Ausschlag bei der IOC-Wahl gab die mit 83 Prozent außerordentlich hohe Zustimmung der italienischen Bevölkerung, wie IOC-Präsident Thomas Bach bestätigte. Im konkurrierenden Schweden waren es nur 55 Prozent. „Das war ein starkes Signal“, sagte Bach. Giovanni Malago, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees von Italien betonte, es sei wohl nicht nur in seinem Land, sondern weltweit einmalig, dass es von keiner Seite der Gesellschaft Kritik an der Bewerbung gegeben habe. Die Einigkeit ist eher neu. Rom hatte ihre Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele 2024 vor drei Jahren unter Verweis auf die hohen Kosten zurückgezogen. „Olympische Spiele sind ein Traum, der sich an einem gewissen Punkt in einen Alptraum verwandelt“, sagte Bürgermeisterin Virginia Raggi damals. Und auch Turin hatte eine gemeinsame Bewerbung mit Mailand und Cortina abgelehnt.

Deren Konzept für die Winterspiele vom 6. bis 22. Februar 2026 setzt auf die Kombination aus renommiertem Dolomiten-Skigebiet und moderner Metropole. Mailand hat 2015 mit Erfolg die Weltausstellung Expo auf die Beine gestellt. Vor allem aber sind 90 Prozent der Sportstätten bereits vorhanden und die Spiele sollen vergleichsweise kostengünstig werden. Das Budget liegt bei knapp 1,4 Milliarden Euro. Drei Viertel werden vom IOC beigesteuert, der Rest von den beteiligten Regionen Lombardei, Venetien, Trentino-Südtirol.

Cortina, wo regelmäßig Weltcuprennen und 2021 zum dritten Mal alpine Ski-Weltmeisterschaften stattfinden, gehört zu einem Riesen-Skigebiet mit 1200 Kilometern Piste. Hier sollen die alpinen Rennen ausgetragen werden, ebenso in Bormio. In Livigno werden Snowboarder antreten, im Fleimstal Langläufer und Skispringer, in Mailand Eiskunstläufer und Eishockeyteams. Die Eröffnungszeremonie ist im Mailänder Stadion San Siro geplant, der Abschluss im Amphitheater von Verona. Der Mailänder Bürgermeister Sala verspricht Nachhaltigkeit und geringe Umweltauswirkungen. Kritiker verweisen darauf, dass es nicht umweltschonend sei, wenn Athleten und Zuschauer 400 Kilometer zwischen Mailand und den alpinen Skigebieten zurücklegen müssen.

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