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Olympia 2022: Propaganda-Spektakel wird zum Problem für Peking und das IOC

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Von: Daniel Dillmann

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Immer mehr Länder boykottieren die Olympischen Winterspiele in Peking, wenn auch nur diplomatisch. Für das IOC wird die Sache langsam problematisch.

Peking - Erst die USA. Dann Australien und Kanada. Nun auch noch Großbritannien. Alle genannten Länder haben bereits einen diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking erklärt. Die Europäische Union erwägt ähnliche Schritte, auch Deutschland schließt sie nicht aus. Olympia 2022 wird zunehmend zum Problem, sowohl für das IOC als auch für die Machthaber in der Volksrepublik China.

Beide halten stur an ihren Plänen zu den ersten Winterspielen der Geschichte in China fest. „Die Sache ist absolut auf Kurs“, beteuerte IOC-Spitzenfunktionär Juan Antonio Samaranch, Sohn des früheren IOC-Präsidenten, während der Beratungen des Internationalen Olympischen Komitees, die am Donnerstag endeten.

Die „Big Air Shougang“-Schanze im Olympischen Park steht unweit des Yongding-Kanals im Süder der Hauptstadt Peking.
Die „Big Air Shougang“-Schanze im Olympischen Park steht unweit des Yongding-Kanals im Süder der Hauptstadt Peking. © imago

Olympia 2022 in Peking - Winterspiele im Fokus der Debatte

Während der diplomatische Boykott der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking von der kommunistischen Regierung scharf kritisiert wird, versucht das IOC, sich aus den politischen Spannungen gänzlich herauszuhalten. IOC-Chef Thomas Bach bezeichnete die Frage eines diplomatischen Boykotts als „rein politische Diskussion“. Der Dachverband sei „politisch neutral.“ Für das IOC sei allein die Teilnahme der Athletinnen und Athleten entscheidend.

Diese wiederum tun nicht so, als ob politische Spannungen sie nicht auch betreffen würden. „Es gibt eine hohe Sensibilisierung innerhalb der Athletenschaft für die problematische Lage in China“, sagte Maximilian Klein von Athleten Deutschland der ARD-Sportschau. Man habe Zweifel, dass deren Rede- und Meinungsfreiheit in China beschützt werde. Eine Reihe von Sportler:innen hat sich bereits kritisch über die Vergabe der Spiele an Peking geäußert.

Olympische Winterspiele in der Corona-Pandemie - scharfe Maßnahmen in Peking

Doch neben den diplomatischen Spannungen zwischen China und dem Ausland machen auch die Corona-Pandemie und die Angst vor der Omikron-Variante die Winterspiele zu Problemspielen für die Organisatoren. Zwar hat das Land das Virus derzeit gut im Griff. Zeitweise wurden gar keinen Neuinfektionen mehr festgestellt. Doch die Delta-Variante trieb auch in China die Fallzahlen wieder nach oben. Die Behörden reagierten mit Massentests, Kontaktverfolgung, Zwangsquarantäne und Einreisebeschränkungen. An der strikten „Null-Covid-Strategie“ will die Regierung auf keinen Fall rütteln. Studien sagen einige Hunderttausend Ansteckungen am Tag voraus, falls China die Grenzen wie andere Länder öffnen würde.

Doch die Omikron-Variante hat die ohnehin große Nervosität der Gastgeber noch einmal erhöht. Die Vorsichtsmaßnahmen rund um Olympia 2022 könnten deshalb sogar noch einmal erhöht werden. Gab es bei den Sommerspielen in Tokio eher eine „Blase mit Löchern“, durch die Teilnehmer auch mal ins Land schlüpfen konnten, erwarten Diplomaten in Peking vielmehr eine hermetische Abriegelung mit „doppelten Wänden“.

Olympia 2022: Entschlossenheit in Peking

Doch auch Omikron hat die Entschlossenheit der Olympia-Organisatoren nicht erschüttern können. Es möge zwar „einige Herausforderungen“ geben, aber man gehe davon aus, dass die Spiele „reibungslos und erfolgreich“ abgehalten werden können, sagte ein Regierungssprecher. Auf das XXL-Propaganda-Spektakel möchte man in Peking auf keinen Fall verzichten. (dil/dpa)

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