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Olympia 2021: Fünfkämpferin Annika Schleu mit Pferd Saint Boy beim Springreiten
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Olympia 2021: Nach ihrem missglückten Auftritt mit dem ihr zugelosten Pferd Saint Boy wehrt sich Fünfkämpferin Annika Schleu gegen Vorwürfe der Tierquälerei.

Vorwurf der Tierquälerei

Olympia-Drama um Annika Schleu - So geht es Pferd Saint Boy heute

  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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Annika Schleu und Kim Raisner stehen bei Olympia 2021 im Mittelpunkt eines Dramas. Der Umgang mit dem Pferd „Saint Boy“ wirft Fragen auf.

Frankfurt/Tokio – Es war eine Szene, welche die Olympischen Spiele in Tokio maßgeblich geprägt hat. Unter Tränen versuchte die Moderne Fünfkämpferin Annika Schleu bei der dritten Teildisziplin, das ihr zugeloste und völlig verunsicherte Pferd Saint Boy mit Gerte und Sporen auf Vordermann zu bringen.

Für Aufregung bei den Menschen sorgte vor allem auch die Bundestrainerin Kim Raisner, die ihre Athletin kurz und bündig dazu aufgefordert hatte, nicht so zimperlich mit dem Tier umzugehen. Der Ruf „Hau drauf, hau richtig drauf!“ hallt auch jetzt noch nach.

Olympia: Umstrittener Reitsport – Kim Raisner verteidigt sich

Die Bundestrainerin ist sich allerdings keiner Schuld bewusst: „Ich hab gesagt, hau drauf. Aber sie hat das Pferd nicht gequält, in keinster Weise“, sagte Raisner dem Sportinformationsdienst SID. Es sei „keine Quälerei“, betonte Raisner, „dass man mal mit der Gerte hinten draufhaut. Sie hat dem Pferd nicht im Maul gerissen. Sie hatte keine scharfen Sporen dran. Pferde quälen sieht anders aus.“ Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur räumte Raisner ein, vielleicht ein wenig zu weit gegangen zu sein. „Im Nachhinein kann man vielleicht sagen, das war zu harsch. Ich weiß, auch dieser Klaps auf den Hintern, der hätte nicht sein müssen, aber der war nicht doll.“ Sie sei weit davon entfernt, Tiere zu quälen: „Ich liebe Tiere, ich liebe Pferde, genauso wie Annika. Wir verdreschen unsere Pferde nicht.“

Auch Annika Schleu wehrte sich gegen den Vorwurf der Tierquälerei. „Ich habe das Pferd nicht extrem hart behandelt“, sagte die 31-Jährige in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit. „Ich hatte eine Gerte dabei, die vorher kontrolliert wurde. Genauso wie die Sporen. Ich bin mir wirklich keiner Tierquälerei bewusst“, sagte Schleu, die als Führende des Modernen Fünfkampfs in die dritte Teildisziplin Reiten gestartet war.

Olympia 2021 – Reitsport beim Modernen Fünfkampf in der Kritik

Vor ihrem Ritt war auch Gulnas Gubaidullina (Russisches Olympisches Komitee) nicht mit Saint Boy zurechtgekommen. Schleu hielt Rücksprache mit einem Veterinär und holte sich Tipps von der Besitzerin ein. Doch es nutzte alles nichts. Der deutsche Weltverbands-Präsident Klaus Schormann schob die Schuld dann auch dem zuständigen Tierarzt in die Schuhe: „Dieser Veterinär hat absolut versagt“, urteilte er. Schließlich habe Saint Boy bereits bei Gulnas Gubaidullina verweigert. „Wenn ich so etwas sehe, dann darf ich so ein Pferd nicht mehr loslassen“, sagte Schormann.

Die siebenmalige Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth sah sich derweil in ihrer Bewertung der Disziplin Reiten im Fünfkampf bestätigt. „Fünfkampf hat nichts mit Reiten zu tun. Es gibt im Fünfkampf keinerlei Miteinander zwischen Reiter und Pferd“, sagte sie dem SID: „Die Pferde sind ein Transportmittel, zu denen die Athleten keinerlei Bezug haben. Denen kann man genauso gut ein Fahrrad oder einen Roller geben.“

Reitsport bei Olympia 2021: Saint Boy bei guter Gesundheit

DOSB-Präsident Alfons Hörmann kritisierte unterdessen die kurze Zeit für die Gewöhnung von Mensch und Tier: „Ist ein kurzfristiges Zulosen eines Lebewesens überhaupt verantwortbar, wir reden nicht über ein Sportgerät. Es handelt sich um ein Tier aus Fleisch und Blut. 20 Minuten, um dann in den weltwichtigsten Wettbewerb zu gehen, sind im Grunde eine viel zu kurze Zeit.“

Und Saint Boy? Den fragt keiner. Am Tag der Entscheidung hatte das Pferd definitiv keine Lust, beim Sport mitzutun, als Sportgerät oder was auch immer. Saint Boy selbst kann sich ohnehin nicht zu Wort melden, doch nun verlautete, dass das Pferd bei guter Gesundheit sei, „wenn auch vom Wettkampf erschöpft“. Der Dachverband des modernen Fünfkampfes zitierte auf Twitter die Besitzer:innen, veröffentlichte zwei Fotos und schrieb, dass Saint Boy zurück in seinem Zuhause in der japanischen Präfektur Shiga sei.

Doch schon vor dem Drama um Saint Boy, Annika Schleu und Kim Raisner her hatte der Reitsport nicht den besten Ruf. Jana Hoger von der Tierrechtsorganisation Peta sprach schon vorher in einem exklusiven FR-Interview davon, dass Pferde nicht für den Sport missbraucht werden sollten: „Die sogenannte „Krone der Reiterei’ ist der Gipfel der Tierquälerei.“ (Christian Stör)

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